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Gedanken zum Schabbat

Was geschah wirklich im Paradies? War der „Baum der Erkenntnis“ nur ein Symbol für Gehorsam und Sünde oder steckt dahinter etwas Tieferes, vielleicht sogar Körperliches?

Bereschit

Wochenlesung –  בְּרֵאשִׁית– Bereschit – Im Anfang ; 1.Mose 1,1 – 6,8 ; Jesaja 42,5 – 43,10

Warum öffneten sich Adam und Eva plötzlich die Augen, und warum empfanden sie Scham über ihre Nacktheit? Diese uralten Fragen beschäftigen uns bis heute. In dieser Reflexion lade ich euch ein, den Text neu zu lesen, mit offenem Herzen. Vielleicht entdecken wir, dass das „Erkennen“ im Paradies nicht nur Wissen bedeutete, sondern das Erwachen einer zutiefst menschlichen Erfahrung.


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Es ist kein Geheimnis, dass das erste Buch in der Bibel, Bereschit, mein absolutes Lieblingsbuch ist, nicht nur in der Bibel, sondern überhaupt. Ich liebe die Gestalten, die Erzväter und Erzmütter, die Stammesältesten. Sobald ich in die Geschichten eintauche, habe ich das Gefühl, als würden die Figuren vor mir lebendig werden, es mir ermöglichen, ihre Gefühle zu spüren und so kann ich besser verstehen, was sie erlebt haben.

Dieses Buch offenbart mir bei jedem Lesen etwas Neues, über mich selbst, über die Welt des Glaubens und des Geistes und über meine eigene Entwicklung darin. Manchmal sind die Einsichten nicht leicht und sogar herausfordernd, ich brauche dann Zeit, sie zu verdauen. Und manchmal fühle ich mich sogar unwohl, meine Gedanken mit anderen zu teilen. Trotzdem bin ich bereit, dieses Risiko einzugehen, im vollen Bewusstsein, dass nicht alle zustimmen oder akzeptieren werden, was ich schreibe. Und das ist in Ordnung.

Mir ist wichtig, dass ihr euch merkt: Meine Worte sind eine subjektive Auslegung, die auf den biblischen Texten basiert und von der jüdischen und geistlichen Welt inspiriert ist. Darum sage ich es noch einmal, es ist nur eine Deutung, ihr müsst sie nicht annehmen. Aber selbst, wenn sie in euch Widerstand hervorruft, lohnt es sich zu fragen, warum, und andere Blickwinkel zu prüfen, manchmal sind sie sehr bereichernd. Dieses Mal möchte ich über die Geschichte vom Baum der Erkenntnis sprechen, in vollem Bewusstsein, dass das, was ich sage, nicht leicht verdaulich ist.

Und doch, die Frage, die ich hier aufwerfe, lautet: Was ist der Baum der Erkenntnis? Was ist dieser so bedeutende Baum im Garten Eden, von dem Gott dem Menschen verbot zu essen? „Vom Baum der Erkenntnis (Wissen) des Guten und des Bösen darfst du nicht essen, denn an dem Tag, da du davon isst, wirst du gewiss sterben.“ War es wirklich ein Apfelbaum, wie wir spontan annehmen? Oder vielleicht eine Feigenbaum? Um das zu verstehen, müssen wir das Wort „Daat“ (דעת) für „Wissen“ betrachten und sehen, wie es an anderen Stellen in der Bibel verwendet wird. Die Wurzel des Wortes דעת (Daat) ist י.ד.ע (J.D.A.), was Wissen, Bewusstsein, Erkenntnis bedeutet. Was sagt uns dieses Wort in anderen biblischen Zusammenhängen?

Gleich nach der Vertreibung aus dem Paradies heißt es: „Und der Mensch wusste (ידע) seine Frau Eva und sie wurde schwanger und gebar Kain.“ Das geschieht gleich nach der Vertreibung, mit denselben Figuren, Adam und Eva, und das lässt mich verstehen, dass es tatsächlich einen Zusammenhang gibt zwischen „und der Mensch wusste/erkannte seine Frau“ und dem Baum der Erkenntnis/Wissen.

In der Geschichte von Lot heißt es: „Also tränkten sie ihren Vater mit Wein in derselben Nacht. Und die ältere ging und legte sich zu ihrem Vater, und er wusste es nicht (לא ידע), weder als sie sich legte noch als sie aufstand“. (1.Mose 19,33) Und noch ein Beispiel in der Geschichte von Rebekka: „Und sie war von Angesicht eine sehr schöne Tochter, eine Jungfrau, und von keinem Mann wusste sie (לא ידעה), die stieg zum Brunnen hinab und füllte ihren Krug und stieg herauf.“ (1.Mose 24,16). Es gibt noch mehr solcher Beispiele.

Wenn wir diese betrachten, sehen wir, dass das Verb „wissen“ (ידע) im Zusammenhang mit intimen Beziehungen steht, mit Sexualität. Das ist, finde ich, eine bemerkenswerte Entdeckung, oder nicht? Also könnten wir fragen, war der Baum der Erkenntnis vielleicht das Erwachen der Sexualität? Beachtet, was unmittelbar danach geschieht, gleich nachdem sie vom Baum gegessen haben: „Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie merkten, dass sie nackt waren und sie nähten Feigenblätter zusammen.“ Sofort nach dem „Essen“ vom Baum öffnet sich ihr Bewusstsein, und sie erkennen ihre Nacktheit. Das Erste, was sie tun, ist, ihre Intimbereiche zu bedecken.

Das weist darauf hin, dass mit dem Erwachen des Bewusstseins drei Dinge einhergehen, Schuld, Scham und Verhüllung. Sie bedecken ihre Körperteile und verstecken sich anschließend auch vor Gott, beschämt über ihre Tat, Sex. Diese Geschichte deutet für mich darauf hin, dass das Essen vom Baum der Erkenntnis die Fähigkeit brachte, die Sexualität zu entdecken und dass diese Entdeckung sie dazu befähigte, Leben zu schaffen.

Denn was geschieht gleich danach, nach der Vertreibung aus dem Paradies? „Und der Mensch wusste (יָדַע) seine Frau Eva und sie wurde schwanger und gebar Kain.“ Darum bleibe ich mit einer offenen Frage zurück, einer Einladung zum Nachdenken: Warum sagte Gott, dass sie an dem Tag, an dem sie vom Baum essen, sterben würden? Diese Frage bleibt hier offen vor euch liegen, eine echte Einladung, weiter darüber zu beten und so dem Wort Gottes Raum zu geben, in euch nachzuklingen.

Schabbat Schalom, möge er erfüllt sein von neuer Schöpfung und einem gesegneten Neubeginn.

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 17:29 Ausgang 18:40
  •  Tel Aviv – Beginn 17:44 Ausgang 18:42
  •  Haifa – Beginn 17:35 Ausgang 18:40
  •  Beersheva – Beginn 17:47 Ausgang 18:42
  •  Eilat – Beginn 17:37 Ausgang 18:43

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Patrick Callahan

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3 Kommentare zu “Gedanken zum Schabbat”

  1. Jürgen Dold sagt:

    „Das weist darauf hin, dass mit dem Erwachen des Bewusstseins drei Dinge einhergehen, Schuld, Scham und Verhüllung. Sie bedecken ihre Körperteile und verstecken sich anschließend auch vor Gott, beschämt über ihre Tat, S*. Diese Geschichte deutet für mich darauf hin, dass das Essen vom Baum der Erkenntnis die Fähigkeit brachte, die S* zu entdecken und dass diese Entdeckung sie dazu befähigte, Leben zu schaffen.“
    ~
    Wie geht diese Auslegung denn auf mit all den Bibelstellen, wo Gott dazu auffordert „Seid fruchtbar und mehrt euch“, wovon die erste Aufforderung m.W. sogar vor dem Sündenfall in 1 Mose 1:28 direkt an Adam und Eva erfolgt war? Fruchtbar zu sein und sich zu mehren, ging ja im Paradies nur durch S*. Auch im 1. Kor 7:4 spricht der Heilige Geist durch Paulus positiv vom s* sich gegenseitig entdecken in der Ehe von Mann und Frau. Und im darauffolgenden Vers 5 zeigt der Apostel sogar auf, dass die regelmäßige eheliche s* Vereinigung wie ein Schutzwall gegen Versuchungen ist, die vom Satan ausgehen.
    Kann es sein, dass der eigentliche Grund für Schuld, Scham und Verhüllung, das schlechte Gewissen war, das sich erstmals in der Geschichte der Menschheit kurz nach dem Ungehorsam der ersten beiden Menschen gegenüber Gott einstellte? Ich weiß es nicht, doch es muss eine epische Veränderung ab diesem Zeitpunkt erfolgt sein, die den gesamten Lauf der Menschheit bis heute beeinflusst. Wie kann dann Paulus so offen und frei über ehelichen S* reden? Ich glaube, weil er zu Erlösten redet.
    Durch Jesus Christus wurde der Sündenfall wieder repariert und wer IHN aufgenommen hat, darf wieder ohne Schuld, Scham und Verhüllung zum Gnadenthron des Vaters kommen (vgl. Hebr. 4:16).

  2. Francis Moragon sagt:

    tja ich glaube wir machen uns alles etwas zu einfach! wenn so einfach wäre.
    hier ein paar bibelstellen die meine gedanken überfordern.
    GOTT sagt meine gedanken sind nicht eire gedanken und meine wege sind nicht eure wege.

    1. Mose 1:28
    [28]Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

    1. Mose 2:24-25
    [24]Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch.
    [25]Und sie waren beide nackt, der Mensch und das Weib, und schämten sich nicht.

    1. Mose 3:7-10,13-15,19
    [7]Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürze.
    [8]Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten ging, da der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter die Bäume im Garten.
    [9]Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
    [10]Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.
    [13]Da sprach Gott der HERR zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also, daß ich aß.
    [14]Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du solches getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang.
    [15]Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
    [19]Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

    ich glaube wir werden die bedeutung diese worten erst nach der wiederkunft der MESSIAS verstehen.

  3. Jürgen Dold sagt:

    @Francis Morgan:
    Was macht es für einen Sinn, wenn Gott uns in der Bibel etwas aufschreiben lässt, das wir erst nach der Wiederkunft des Messias verstehen? Fertigt etwa ein Kartograf eine Landkarte an, die der Wanderer nicht verstehen kann, es sei denn der Kartograf kommt irgendwann des Weges und erklärt den Sinn besonders klugen Leuten? Nein, das glaube ich nicht. Ich will damit nicht sagen, dass es nicht schwierige Stellen in der Bibel gibt, die wir nicht sofort verstehen. Deshalb sollen wir die Bibel ja auch im Zusammenhang studieren und den Heiligen Geist bitten, uns das Wort aufzuschließen. Der Heilige Geist ist hier der Kartograph, der bereits ständig in den Erlösten wohnt und das Wort aufschließt (Joh 14:26).

    Warum hat Jesus uns in Mt 19:14 die Kinder als ein Vorbild hingestellt? Ich glaube weil die Kinder nicht alles fünfzehn mal durch den Verstand drehen, sondern spontan und unbeschwert glauben. Sie hinterfragen nicht alles so kompliziert und zweiflerisch, wie die Erwachsenen es oft genug tun (Sollte Gott wirklich gesagt haben…?). Sie erkennen Echtheit und Heuchelei mit ihrem kindlichen Sinn viel schneller, ohne das „wissenschaftlich“ begründen zu können.

    Der Same der Schlange steht in der Bibel für die Feinde Gottes, das sind die Kinder des Satans.
    Der Same des Weibes, steht für die Kinder Gottes, das sind alle Erlösten aus den Juden und den
    Nationen.
    Der Messias hat bei seinem ersten Kommen der Schlange den Kopf zertreten. Er hat den Sieg über Tod und Teufel errungen (1 Kor 15:55)
    Die Schlange hat dem Erlöser dafür in die Ferse gestochen. Das bedeutet, seine Ferse wurde am Kreuz von Golgatha durchbohrt. Das war der Preis für die Erlösung. Den höchsten Preis hat Gott hier selbst bezahlt, indem er seinen Sohn für uns opferte, damit jeder der an ihn glaubt nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat (vgl. Joh 3:16).

    Gott segne Sie!

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