Wochenlesung – חֻקַּת– Chukat – Satzung ; 4.Mose 19,1 – 22,1 ; Richter 11,1 – 34
Den meisten dürfte das Goldene Kalb und die Kupferne Schlange aus der Bibel ein Begriff sein. Was jedoch nur wenige verstehen, ist die Frage, warum das Goldene Kalb als Götzenbild galt, die Schlange jedoch nicht?
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Was ist der Unterschied zwischen der Kupfernen Schlange und dem Goldenen Kalb? In beiden Fällen hatten Aaron und Mose jeweils Abbilder von Tieren gegossen. Das eine aus Gold und das andere aus Kupfer. Doch hatte Gott in den 10 Geboten nicht ausdrücklich befohlen: „Du sollst keine andern Götter neben mir haben und du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen“? Trotzdem wird die von Mose gegossene Schlange positiv beurteilt, das von Aaron gegossene Kalb dagegen negativ. Beides waren Statuen und Tierbilder, doch die Bibel sieht im Goldenen Kalb Götzendienst und in der Kupfernen Schlange göttliche Heilung. Später wird der Schlangenstab zum Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes.
Kein leichter Fall im Wochenabschnitt, mit dem sich bislang nur wenige jüdische Thoragelehrte und Weise befasst haben. Nicht nur das, in 2. Könige 18,4 wird des Weiteren beschrieben, dass König Hiskia, der die Säulen zerschmetterte und die Aschera umhieb, auch die Kupferne Schlange zerstieß, die Mose gemacht hatte: „Denn bis zu dieser Zeit hatten die Kinder Israel ihr geräuchert, und man nannte sie Nechuschtan (נחושתן)“.
Der König von Juda sorgte für Ordnung im Land, daher vernichtete er die syrisch-kanaanäische Meeresgöttin Aschera sowie Moses Kupferschlange. Und es heißt: „Und er tat, was Gott wohlgefiel, ganz wie sein Vater David getan hatte“. Ist Moses Kupferschlange folglich ein Götzenbild wie die Aschera? Egal wie wir die Sache verstehen und drehen, die Kupferschlange ist dem Goldenen Kalb nun mal ähnlich. Beides waren metallische Tierfiguren, die Götzendienst symbolisierten. So hat dies auch König Hiskia gesehen, der 500 Jahre nach Mose die Kupferschlange loswerden wollte.
Zur Erinnerung, auch der Götzendienst der Goldenen Kälber war zu dieser Zeit noch populär. König Jerobeam aus dem Königreich Israel, der 200 Jahre vor Hiskia lebte, stellte zwei goldene Kälber auf. „Und er sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, nach Jerusalem hinaufzuziehen; siehe da, Israel, deine Götter, die dich aus dem Lande Ägypten heraufgeführt haben“. (1.Könige 12)
Eines steht fest, das Volk Israel ist mit Kult und Sitte in das Gelobte Land eingewandert. Und das ist genau das, was wir heute im Land Israel sehen. Juden aus aller Welt sind mit ihrem Kult und ihren Sitten nach Israel eingewandert.
Im hebräischen Bibeltext (4.Mose 21,8) ruft Gott Mose auf: „Mache dir ein Feuer/Feurig (Saraf-שרף) und befestige sie an ein Panier; und es soll geschehen, wer gebissen ist und sie ansieht, der soll am Leben bleiben!“ In diesem Vers steht kein Wort von Kupfer und Schlange. Beide Worte Nachasch (נחש) und Nachoschet (נחושת) erscheinen erst im folgenden Vers: „und Mose machte eine kupferne Schlange und befestigte sie an das Panier; und es geschah, wenn eine Schlange jemanden biss und er die kupferne Schlange anschaute, so blieb er am Leben“.
Vielleicht handelte Mose aus seinem Verstand heraus und goss eine kupferne Schlange, obwohl dies nicht von Gott ausdrücklich gesagt wurde? Der Begriff „feurige Schlangen“ wird für giftige Schlangen verwendet und kommt auch in 5.Mose 8,15 vor. Hat Mose daraus automatisch interpretiert, dass eine Schlange gemeint sei? Fakt ist, dass Mose nicht zum ersten Mal entgegen Gottes Befehl handelte und eigene Entscheidungen traf. Zudem muss auch erwähnt werden, dass diese drei hebräischen Worte – Schlange (Nachasch), Kupfer (Nachoschet) und Nechuschtan (Kupferding) – aus derselben Wortwurzel Nachasch (נחש) bestehen. Wer will, erkennt in den drei Worten Schlange (männlich), Kupfer (weiblich) und Nechuschtan (Ergebnis) eine dreifache Verbindung. Man debattiert darüber, ob dies eventuell ein versteckter Hinweis auf einen früheren Glauben und die Verehrung einer dreieinigen Familiengottheit im Sinne von „Vater-Mutter-Kind“ war. Aus biblischer Sicht war die Schlange jedenfalls schon immer ein Feind Gottes.
Ungeachtet dessen vergleicht Johannes im Neuen Testament die Schlange mit dem Menschensohn, die beide erhöht werden mussten. Damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Der Nechuschtan war ursprünglich ein Lebenssymbol und wird auf Jesus bezogen. In der christlichen Theologie wird die Schlange am Stab mit Jesus am Kreuz verglichen.
Dazu gibt es einen ethischen Aspekt. „Tötet denn etwa eine Schlange oder macht eine Schlange lebendig? Nein, wenn die Kinder Israels nach oben blickten und ihr Herz ihrem Vater im Himmel unterwarfen, wurden sie geheilt, und wenn nicht, kamen sie um.“ Dazu gehört die richtige Herzenseinstellung, demnach die Kinder Israels nicht einfach nach oben blicken, sondern zuerst ihr Herz auf Gott ausrichteten. Die richtige Einstellung war also die Voraussetzung der Rettung. Insofern entscheidet nicht die Schlange über Leben und Tod, sondern das Verhalten des Menschen.
Bislang konnte mir keiner eine vollständige Erklärung zu diesem Thema vorlegen, egal mit wem ich darüber sprach. Niemand weiß den genauen Grund, weshalb das Goldenen Kalb eine Sünde war und die Kupferne Schlange zuerst der Heilung diente und später von König Hiskia als Götzenbild vernichtet wurde. Aber das ist in Ordnung, wir müssen nicht sofort zu allem eine Antwort finden, wichtiger ist, dass die Bibel uns zum Nachdenken bewegt, damit wir dem Ziel entgegenkommen.





Johannes 3,14+15
Jesus sagte: Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
Interessanter Gedankengang, das goldene Kalb mit der ehernen Schlange zu vergleichen. Was ist der entscheidende Unterschied? Nicht das Material war entscheidend, beides wurde durch Menschenhand gemacht. Was war der Unterschied? Das goldene Kalb machte Israel aus eigenem Antrieb um Gottes Platz zu ersetzen. Die eherne Schlange war ein Auftrag Gottes an Mose, zur Rettung/Heilung des Volkes Israel. Die Arche Noah war ein Auftrag Gottes an Noah, hätte parallel dazu jemand anderes mit seiner eignen Kraft versucht eine Arche zu bauen, auch wenn es gelingen würde, sie würde untergehen, warum? Weil es immer entscheident ist, ob Gott hinter/über der Sache steht. Sobald die Sache selbst, über Gott gestellt wird, wird es zu einem Götzen.
Warum begrub Gott selbst Mose? (5. Mose 34,5-6)
Warum stritten der Erzengel Michael und der Satan um den Leib Mose? (Judas 9)
Ich glaube, eine Erklärung könnte sein, das man aus seinem Grab ein Heiligtum gemacht hätte. Der Satan lässt nichts unversucht. Gott wollte dies aber nicht und verhindert das, indem er Mose selbst begrub und auch dem Satan nicht gestattete es gegen Gott zu verwenden.
Warum ist die eherne Schlange zum Götzen geworden? Weil das Volk Israel es angefangen hat zu behandeln wie das goldene Kalb. Nicht mehr Gott stand im Mittelpunkt der Anbetung, sondern die Schlange.
Genau dasselbe kann man heute auf sämtliche christliche Symbole beziehen. Das Kreuz Jesu ist für jeden Christen etwas Besonderes, das war unsere Rettung und Heilung. Aber nicht das Kreuz hat geheilt, nicht die Schlange hat geheilt, sondern Jesus allein, der zur Sünde wurde (2.Korinther 5,21).
Die folgende Antwort hat keinen Anspruch auf den „Rätsels Lösung“, sondern ist nur meine persönliche Auslegung.
Im Fall des goldenen Kalbes, war die vorausgegangene Reihenfolge im Volk: Zweifel, Unglaube, Anfertigen des Kalbes durch Aaron, und dann erst kam das Gericht. Im Fall der ehernen Schlange hingegen, war das Gericht schon da (wegen Ungeduld und Murrens) und danach erst wurde die Schlange durch Mose angefertigt, um die Gebissenen im Volk zum Aufblicken darauf aufzufordern. Reihenfolge ergibt Fazit: Zweifel, Unglaube, Gericht, Zerstörung, stehen für das goldene Kalb (Antichrist). Umgekehrt stehen Gericht, Vertrauen, Glaube, Heilung, für die eherne Schlange (Christus). Zudem hatte Gott Aaron am Horeb nicht dazu aufgefordert ein Kalb anzufertigen, wohingegen er beim Schlangenbau diesen Befehl an Mose ausgab.
Wenn alles Sichtbare auch wie ein Gleichnis ist, dann steht der Tanz um das Kalb für ungehorsamen Götzendienst, während das Blicken auf die Schlange für gehorsamem Gottesdienst steht. Und das in einer ganz bestimmten Situation, auf der Wüstenwanderung des Volkes Israels und als geistliches Gleichnis in Bezug auf den falschen und wahren Messias.
Sobald irgendwelche Grabtücher, oder Kelche oder das Kreuz, oder Holzstücke der Arche oder Menschen usw… wichtiger werden wie Gott selbst, wird der Gegenstand/Mensch zu einem Götzen erhoben und nimmt die Stelle Gottes, im Herzen des Menschen ein. Und unser Gott ist ein eifersüchtiger Gott…
2.Mose 34,14
Denn du darfst dich vor keinem andern Gott ⟨anbetend⟩ niederwerfen; denn der HERR, dessen Name »Eifersüchtig« ist, ist ein eifersüchtiger Gott.
Der Gegenstand an sich ist weder gut noch böse, aber das menschliche Herz, was Gott gehören soll, das ist das Problem. Da wir Menschen dazu neigen, alles Materielle mehr zu schätzen als das geistige, besteht immer die Gefahr.
Der Gefahr des trügerischen Herzens bewusst, betet David:
„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“ (Psalm 51,12)
Möge das auch unser Gebet sein.
@Jürgen Dold
Ihre Auslegung und Gedanken finde ich auch sehr treffend !
Ich denke genauso könnte man das auch Auslegen in Bezug auf die zwei Bäume im Garten Eden.
Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen war gewiss ein gesunder, kräftiger Baum mit schönen Früchten. Denn Eva sah den Baum und es begehrte sie (nachdem die Schlange sie verführt hat) davon zu essen.
Was genau hat jetzt zum Sündenfall geführt? Die Frucht auf sich allein gestellt?
Nein! Der Ungehorsam (Sünde) Gott gegenüber, die Begierde so zu sein wie Gott, Gottes Platz streitig machen zu wollen, das führte zum Sündenfall. So wie Satan selbst Gott werden wollte, sein Stolz führte zu seinem Fall. Unser Herz ist das eigentliche Problem, aber Gott gibt uns einen so unglaublich hohen Stellenwert, auch als gefallene Geschöpfe, das er seinen einzigen Sohn gibt als Schlachtopfer für uns, damit wir leben können mit ihm. Ist das nicht gewaltig? Sein Name sei gepriesen!