Evangelikale, das Rückgrat der US-Unterstützung für Israel

Christen sind zweifellos die besten Freunde Israels, aber selbst ihre Aufmerksamkeit wird in diesen Tagen zunehmend abgelenkt

Prime minister Benjamin Netanyahu speaks at the Evangelical Christian movement and a mission of approximately 800 members of Pastor John Hagee’s Christians United for Israel (CUFI) organization, in Jerusalem on Sunday night MArch 18 2012. Photo by Amos Ben Gershom/Flash90 *** Local Caption *** áðéîéï ðúðéäå ðåöøé ëðñ øàù äîîùìä Foto: Amos Ben Gershom/Flash90

Die tektonische Veränderung in der jüdischen Welt, die eine Verschiebung der Unterstützung von Israel zu „Palästina“ zeigt, ist schon seit einer ganzen Weile offensichtlich, besonders durch die progressive, amerikanische JStreet-Gruppe, von denen die meisten entweder Reform- oder säkulare Juden sind und die Mehrheit der amerikanischen Juden ausmachen.

Laut der letzten eingehenden Studie des Pew Research Center von 2013 sind progressive Juden, das heißt, meist Reform und säkularen Juden, bei weitem die Mehrheit, nämlich 71 % aller amerikanischen Juden. Die progressive Einstellung dieser Mehrheit wird durch eine JStreet-Wahltagsbefragung vom Dezember 2020 bestätigt, die zeigt, dass 77 % der amerikanischen Juden den Demokraten Biden unterstützt haben und nur 21 % Republikaner Trump. Das ist keine trockene Statistik, denn progressive Juden sind an der Spitze der Woke-Revolution, die gerade Amerika überrollt; und diese Woke-Leute verabscheuen Israel mit Leidenschaft.

Unter ihnen ist die Jüdin Judith Butler, die von der progressiven Plattform Plebity in ihrem lesenswerten und sehr beunruhigenden Artikel „How the Left Woke Up and Found Its Inner Antisemitism“ (Wie die Linke aufwachte und ihren inneren Antisemitismus fand) als „Hohepriesterin“ des Wokeismus bezeichnet wird.

Diese kurze Vorerklärung kann helfen, das unglaubliche Interview zu verstehen, das der Journalist Amit Segal in der letyten Woche mit dem ehemaligen Israel-Botschafter Ron Dermer geführt hat. Und es ist erwähnenswert, dass selbst der N12-Nachrichtensprecherin Yonit Levi die Kinnlade herunterklappte, und sie ist eine progressive Israelin, die, so scheint es, von der Enthüllung kalt erwischt wurde, dass amerikanische Juden als Ganzes Israel eher kritisch als unterstützend gegenüberstehen.

In dem Interview sagt Dermer unter anderem, dass „die Leute verstehen müssen, dass das Rückgrat der Unterstützung Israels in den Vereinigten Staaten die evangelikalen Christen sind. Das ist das Rückgrat. Und es ist wahr, wegen der Zahlen und auch wegen ihrer leidenschaftlichen und eindeutigen Unterstützung Israels.“ „Unter den Juden“, fährt Dermer fort, „sind einige unserer stärksten Verfechter und größten Verteidiger Juden, [aber] einige der schärfsten Kritiken an Israel kommen von amerikanischen Juden.“

Obwohl diese christliche Unterstützung in jeder Hinsicht lobenswert ist, sollte man bedenken, dass die Evangelikalen trotz allem eine Minderheit in den Vereinigten Staaten sind. So einflussreich sie auch sein mögen, wenn Israels Unterstützung in den USA nur von dieser Minderheit abhängt, hat Israel ein Problem.

Hinzu kommt, dass Statistiken darauf hindeuten, dass Evangelikale mehr mit Themen wie Rassengerechtigkeit beschäftigt sind als beispielsweise mit Familienwerten. Das bedeutet, die Unterstützung für Israel unter Evangelikalen nimmt ab.

Fügt man hinzu, dass Woke-Werte, insbesondere das Problem des Weißseins mit seinem antisemitischen ideologischen Ableger, nun die Köpfe der jungen Evangelikalen zu besetzen scheint, scheint dieses Rückgrat geschwächt zu sein.

Dasselbe gilt für die Juden. Auch sie treiben auf der Woke-Flutwelle, die, ganz offen gesagt, viel zu viele von ihnen zu Antijuden, wenn nicht gar zu regelrechten Antisemiten macht.

Obwohl Dermer zweifellos Recht hat und die Evangelikalen das Rückgrat der US-Unterstützung für Israel sind, kann man zusammenfassend sagen, dass die US-Unterstützung für Israel wohl im Niedergang begriffen ist.

 

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