Wenn in Deutschland, Österreich und der Schweiz erst die Temperaturen, dann die Blätter und schließlich die ersten Schneeflocken fallen, dann hat der Winter Einzug gehalten. Doch wie verhält sich der Übergang von der heißen Jahreszeit zur kalten in Israel, genauer gesagt in Galiläa, im Norden des Landes? Lassen Sie uns einen Blick auf die Pflanzenwelt werfen.
Diese Blume kündigt den Winter an
In Galiläa fängt es im Winter überall an zu blühen. Wer bei herbstlichen Spaziergängen durch die Natur einer zart lila schimmernden Pflanze begegnet, der weiß, dass der Winter da ist. Sie heißt Colchicum zu Deutsch: die Zeitlose. Sie blüht, wenn der Sommer vorbei ist. Ihr Name auf Hebräisch lautet Sitvanit (סתוונית) was übersetzt so viel wie „herbstlich“ bedeutet.

Safran statt Schnee
Der Krokus kommt in vielen Farben. In den höheren Lagen in Galiläa gibt es den winterlichen Krokus (Crocus hyemalis) vor allem in gelb und weiß. Auf Hebräisch heißt diese Pflanze Karkom (כרכום), auf Arabisch Kurkum oder Safran. Das Gewürz Safran wird aus den Narben der Krokusart Crocus sativus, einer herbstblühenden Art, gewonnen. Man ist sich allerdings nicht sicher, ob es sich hier vor Ort um das antike Safran handelt oder um die Gewürzart Kurkum. Im Buch Hohelied Kapitel 4,14 findet Safran Erwähnung.

Gänseblümchen wohin das Auge schaut
Vom Berg Meron geht die Wanderung weiter Richtung Maalot nahe der Grenze zum Libanon. Auf den Wiesen blühen Gänseblümchen in Hülle und Fülle, auf Hebräisch heißen sie Chinnanit (חיננית) was so viel wie „anmutig“ bedeutet. Diese Blume ist bei den Kindern in Israel besonders beliebt.

Wilde Alpenveilchen
Im vom Sommer ausgetrockneten nördlichen Waldgebiet stolpert man auf Lichtungen auch schon mal über Alpenveilchen (Cyclamen), auf Hebräisch Rakefet (רקפת). In Israel gibt es zwei Arten von Cyclamen: die griechische und die persische. Im Norden wächst die seltenere Art, die von Oktober bis November blüht und besonders in den Berggebieten, auf Hügeln und an Abhängen verbreitet ist. Für ein einzigartiges Naturerlebnis müssen wir uns Richtung Süden begeben, unterhalb des Karmelgebirges, südlich der Stadt Yokneam. Hier liegt ein Waldgebiet namens Givat Harkafot an der Straße 672 in der Nähe des Kibbutzes Gilad, das in dieser Zeit für einen regelrechten Veilchenteppich bekannt ist. Auf dem Hügel blühen hauptsächlich Alpenveilchen in weißen bis rosa Farbtönen.

Das Blut der Makkabäer
Blutrot leuchten ihre Knospen, eine wunderschöne, geschützte Pflanze, die im Winter blüht und auch auf dem Golan sowie in den Bergen Judäas vorkommt: die Helichrysum sanguineum. Diese auf Hebräisch Dam HaMakkabim HaAdom (דם-המכבים האדום) – das rote Blut der Makkabäer – genannte Pflanze wird ca. 40 bis 60 cm groß und beginnt im Winter zu blühen. Die wie Blutstropfen anmutenden roten Blüten verwelken nicht, wenn man sie trocknet, weshalb sie als Trockenpflanzen zum Dekorieren sehr beliebt sind. Der Ursprung des Namens liegt in der Legende, nach der die Pflanze überall dort blüht, wo einst vor über 2000 Jahren ein Blutstropfen der Makkabäer zu Boden fiel. Die Blume dient heute als Symbol am Gedenktag für die gefallenen Soldaten der israelischen Streitkräfte. Auf Arabisch hat diese Blume übrigens einen ähnlichen, aber dennoch anderen Namen. Hier kennt man sie als Dam al-Massiah „دم المسيح“, übersetzt „Blut des Messias“ oder „Blut Christi“.





