Der Traum von der eigenen Wohnung

Die Wohnungspreise sind innerhalb eines Jahres um 11.3 Prozent gestiegen. Eine eigene Wohnung wird für viele Israelis ein Traum bleiben. Aber auch die Mietkosten steigen immer weiter.

| Themen: Guten Morgen, Lebenshaltungskosten
Neubauten in der Stadt Gedera, für viele bleibt eine eigene Wohnung ein Traum Foto: Yossi Zeliger/Flash90

Guten Morgen, liebe Leser!

Israel ist ein teures Land, das ist leider nichts Neues. Das Thema „hohe Lebenshaltungskosten“ kommt immer wieder in die Schlagzeilen, wenn wir nicht gerade eine nationale Krise haben, wie eine Operation gegen die Hamas im Gazastreifen oder den Kampf gegen Corona. Dann hält das ganze Volk erst einmal zusammen und beschwert sich nicht über die Probleme des täglichen Lebens. Doch jetzt, wo sich Corona und die Omikron-Variante erst einmal von uns verabschieden, haben wir wieder Zeit, uns über die „normalen“ Probleme zu beschweren.

Hier bei uns in Israel war es immer üblich, dass sich ein junges Paar nach der Hochzeit eine eigene Wohnung kauft, meistens mithilfe der Eltern. Die Möglichkeit, zur Miete zu wohnen, war damals fast ein Tabuthema. So etwas gab es nicht. Und das ist auch der Grund, warum wir bis heute keine wirklichen öffentlichen Mietprojekte haben. Erst in den letzten Jahren hat man begonnen, sich mehr um den Bau von Mietwohnungen zu kümmern. Aber von vielen, besonders der älteren Generation (zu der ich mich wohl langsam auch selbst zählen muss),  wird diese Möglichkeit immer noch mit einem kritischen Auge betrachtet. Die meisten Mietwohnungen befinden sich auch heute in privatem Besitz, die Eigentümer haben freie Hand, was die Mietpreise betrifft. Auch können sie nach Ablauf des Mietvertrages ohne Probleme die Mieter aus der Wohnung schmeißen, einen wirklichen Mietschutz gibt es noch nicht.

Im vergangenen Jahr sind die Wohnungspreise um 11.3 Prozent angestiegen. Der Kauf einer Wohnung ist für sehr viele junge Menschen keine Alternative mehr.  Es ist fast unmöglich geworden, denn auch wir Eltern können heute kaum noch helfen. Als meine Frau und ich unsere erste Wohnung kauften, im Jahr 1995, hatten wir das Glück, dass mein Vater den Erbanteil seines Elternhauses gespart hatte und es uns damit ermöglichte, der Bank die für den Wohnungskauf nötigen 30 Prozent des Kaufpreises zu zahlen, um eine Hypothek (hebräisch „Mashkanta„) aufnehmen zu können.

Unser ältester Sohn wird in wenigen Wochen zusammen mit seiner Frau in die erste eigene Wohnung ziehen. Und nein, ich habe beim Kauf der Wohnung nicht helfen können, wir hatten das Glück, dass das junge Paar im Hightech arbeitet. Sie sind das jüngste Paar, das in ihre eigene Wohnung in einem neuen Wohnkomplex in einem neuen Stadtviertel von Modiin einziehen wird.

Wie unsere Tochter oder unser jüngster Sohn später zu einer eigenen Wohnung kommen werden, ist mir momentan noch ein Rätsel. Und damit sind wir nicht allein, im Gegenteil, wir sind in der Mehrheit. Daher wohnen heute immer mehr junge Menschen im besten Fall in einer gemieteten Wohnung, oder sie wohnen für eine bestimmte Zeit bei den Eltern, um Geld zu sparen und dann vielleicht doch noch zu einem Eigenheim zu kommen.

Ob die Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten etwas nützen werden? (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

Aber glauben Sie jetzt nicht, dass das Mieten einer Wohnung billig ist. Auch hier steigen die Preise immer weiter. Wir haben ein wirkliches Problem. Keine Regierung hat es bisher geschafft, den Preisanstieg der Mieten und Wohnungspreise zu stoppen. Aber vielleicht will man das ja auch gar nicht. Ich gebe zu, dass es mir als Eigentümer einer Wohnung nicht gefallen würde, wenn der Wert unserer Wohnung plötzlich sinken würde.

Leider sind die hohen Wohnpreise nicht das einzige Problem. Um das zu verstehen, reicht ein Besuch im Supermarkt oder der Blick auf die Strom- und Wasserrechnung. Auch die Gebühren an die Stadt sind in diesem Jahr weiter angestiegen.

Vor einer Woche hat unsere Regierung ein Programm gegen die hohen Lebenshaltungskosten vorgestellt. Ich bin mir leider nicht sicher, dass damit alle Probleme gelöst werden können. Bedauerlicherweise haben wir auch eine ganze Reihe anderer Probleme, Sicherheitsprobleme. Gerade hat die Hamas im Gazastreifen wieder angefangen, wegen der Unruhen im Jerusalemer Stadtteil Shimon Hatzadik (Sheikh Jarrah) mit einer neuen Welle der Gewalt zu drohen. Vielleicht wäre alles etwas einfacher, wenn wir in einer Gegend ohne diese existenzbedrohenden Probleme leben würden.

Aber ich gucke jetzt nicht neidisch nach Europa. Ich bin trotz aller Probleme glücklich, hier in Israel zu leben. Denn auch bei Ihnen fehlt es nicht an Problemen, oder? Und jetzt das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt. Am Vormittag kann es zu leichten Regenschauern kommen. Die Temperaturen liegen etwas unter dem Durchschnitt. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 13 Grad, Tel Aviv 19 Grad, Haifa 16 Grad, Tiberias am See Genezareth 19 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 18 Grad, Eilat am Roten Meer 22 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist weiter angestiegen und liegt jetzt bei -209.92 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen  1.12 Meter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Mittwoch. Bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Modiin!

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