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Befreite Geiseln in schockierendem Zustand – Erinnerungen an die Shoah

Israel schockiert über den Zustand der befreiten Geiseln – Holocaust-Überlebende fühlen sich an die Befreiung der Konzentrationslager erinnert.

Geiseln
Erinnerung an die Shoa - Die Al-Qassam-Brigaden übergeben die Geisel Eli Sharabi im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas am 8. Februar 2025 in Deir al Balah dem Roten Kreuz. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Die drei israelischen Geiseln Eli Sharabi, Or Levy und Ohad Ben Ami, die gestern aus der Gewalt der Hamas befreit wurden, befinden sich in einem katastrophalen Zustand. Sie sind stark abgemagert, bleich und unterernährt. Ihr körperlicher Zustand hat in Israel Betroffenheit ausgelöst.

Die Bilder der befreiten Geiseln erinnern viele Israelis an die Aufnahmen von Holocaust-Überlebenden nach der Befreiung der Konzentrationslager. Das israelische Nachrichtenportal N12 sprach mit Überlebenden des Holocaust, die deutliche Parallelen zu den Befreiungen der Konzentrationslager ziehen. Besonders für diejenigen, die die Shoah überlebt haben, sind die Bilder von gestern schwer zu ertragen.

Naftali Fürst, der als Kind Auschwitz und Buchenwald überlebte, sagte im Gespräch mit N12: „Die Bilder der heute befreiten Geiseln erinnerten mich an die Menschen in den Lagern – abgemagert, kraftlos, kurz vor dem Zusammenbruch. So sah es damals aus, kurz bevor jemand tot umfiel.“ Er erzählte, dass er selbst als Zwölfjähriger mit seinem Bruder auf einem der berüchtigten Todesmärsche war. Nach der Befreiung wurde er von amerikanischen Soldaten fotografiert – abgemagert und mit leerem Blick. Heute ist er fassungslos, diese Bilder wieder sehen zu müssen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas noch einmal erleben würde. Es ist schwer, diese Bilder anzuschauen, sie holen alles wieder hoch.“

Archivbild – Der ehemalige Buchenwald-Häftling Naftali Fürst aus der Slowakei betrachtet ein Bild aus seiner Kindheit, das in der überarbeiteten Dauerausstellung „Buchenwald 1937-1945“ im ehemaligen Zentralgebäude von Buchenwald in Weimar, Deutschland, am 17. April 2016 ausgestellt ist. Foto: EPA/MICHAEL REICHEL/arifoto UG.

Fürst übte auch Kritik an der israelischen Regierung. Seiner Meinung nach hätte die Befreiung der Geiseln viel früher erfolgen müssen. „Es war klar, dass sie in einem katastrophalen Zustand sind. Warum haben sie so lange gewartet? Warum hat man sie nicht früher befreit?“ Er kritisierte die politischen Verzögerungen und forderte, dass Israel alles tun müsse, um die restlichen Geiseln so schnell wie möglich nach Hause zu bringen.

Auch Hannah Gofrit, die als Kind den Holocaust überlebt hatte, war tief erschüttert. „Als ich die Bilder sah, blieb mir das Herz stehen. So sahen die Menschen aus, die ich nach der Befreiung von Auschwitz gesehen habe – abgemagert, ausgehungert, völlig erschöpft. Es ist surreal, so etwas heute wiederzusehen.“ Die Bilder rissen nicht nur alte Wunden auf, sondern seien für viele Überlebende ein schwerer Schock. „Für uns, die wir damals Kinder waren, ist das ein Trauma, das nie vergeht. Und jetzt erleben wir es wieder. Ich dachte, wir würden so etwas nie wieder sehen.“

Moran Ziffer-Goldenberg, Co-Direktorin des Gedenkprojekts Zikaron Basalon („Gedenken im Wohnzimmer“), sieht in den Bildern der befreiten Geiseln eine Mahnung und eine tiefe Erschütterung des kollektiven Gedächtnisses. „Die Shoah ist nicht nur Geschichte, sondern auch ein moralischer Kompass. Diese Bilder zeigen, dass die Vergangenheit nicht abgeschlossen ist – sie kehrt in anderer Form zurück. Unsere Pflicht ist klar: Wir müssen alle zurückbringen – die Lebenden, um sie zu heilen, und die Toten, um sie zu begraben. Das ist unsere Verantwortung als Gesellschaft.“

Die Al-Qassam-Brigaden übergeben die Geisel Or Levi an das Rote Kreuz. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90.

Hamas nutzt Geiseln für Propaganda

Während die Bilder der Geiseln in Israel Entsetzen auslösten, nutzte die Hamas ihre Freilassung für eine zynische Inszenierung. Die Geiseln wurden auf offener Straße vorgeführt, bevor sie dem Roten Kreuz übergeben wurden, während Hamas-Terroristen um sie herumstanden. Die Bilder der ausgemergelten Geiseln, die kaum auf den Beinen stehen konnten und von schwer bewaffneten Hamas-Terroristen umringt wurden, lösten in Israel Entsetzen aus.

Israels Staatspräsident Izchak Herzog sprach von einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte eine Reaktion Israels an. Die Bilder der Geiseln seien ein weiterer Beweis für die Grausamkeit der Hamas und die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Geiseln monatelang festgehalten worden seien.

Auch international wurde die Art und Weise der Freilassung verurteilt. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock kritisierte die öffentliche Zurschaustellung der Geiseln als „unerträglich“.

Die Geiseln wurden im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens freigelassen, im Gegenzug ließ Israel 183 palästinensische Häftlinge frei. Die Bilder offenbaren das ganze Ausmaß der Misshandlungen, denen die Geiseln ausgesetzt waren.

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Patrick Callahan

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