Der frühere US-Botschafter in Israel David Friedman warnt den US-Kongress davor, den Vorstoß für einen palästinensischen Staat wiederzubeleben. Dies würde die Abraham-Abkommen nicht ausweiten, sondern sie gefährden.
In seiner schriftlichen Stellungnahme, die vor einer Anhörung des Unterausschusses für den Nahen Osten und Nordafrika des Auswärtigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses am Mittwoch veröffentlicht wurde, argumentierte Friedman, dass Bemühungen, die Gründung eines palästinensischen Staates zum Preis für eine weitere arabisch-israelische Normalisierung zu machen, von der Realität nach dem 7. Oktober losgelöst seien.
Friedman betonte, dass die Abraham-Abkommen gerade deshalb erfolgreich gewesen seien, weil sie die alte diplomatische Formel durchbrochen hätten, die den palästinensischen Führern ein Vetorecht über Israels Beziehungen zur arabischen Welt eingeräumt habe.
Diese Formel dominierte jahrzehntelang die westliche Diplomatie. Israel, so lautete das Argument, könne von seinen Nachbarn erst akzeptiert werden, wenn es zuvor mit den Palästinensern ein endgültiges Statusabkommen geschlossen habe. Die Abraham-Abkommen von 2020 zerstörten diese Annahme und führten zu Normalisierungsabkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Marokko; auch der Sudan schloss sich diesem Rahmenwerk an.
Friedman erklärt, eine Rückkehr zu diesem alten Modell würde heute das Scheitern belohnen und zu noch mehr Blutvergießen führen.
In seiner eingereichten Stellungnahme schrieb er, Israel habe den Zwei-Staaten-Ansatz bereits ausprobiert und dafür einen katastrophalen Preis bezahlt. Der Gazastreifen, den Israel 2005 unter US-„Garantien“ geräumt habe, sei zu einer Terrorenklave der Hamas geworden. Am 7. Oktober 2023 sei diese Enklave zum Ausgangspunkt des schlimmsten Massakers an Juden seit dem Holocaust geworden.
Und selbst nach den schrecklichen Folgen dieser Ereignisse ziehe der Westen daraus noch immer nicht die Lehre. Ein palästinensischer Staat werde in Washington und Europa sogar noch häufiger als Lösung diskutiert, als wäre gerade das die Antwort und als sei die Tatsache, dass ein palästinensischer Staat neben Israel nicht früher gegründet worden sei, der Grund für den 7. Oktober gewesen – ein Argument, das der Hamas direkt in die Hände spiele. Die Israelis wüssten jedoch, dass ein palästinensischer Staat Raketen über Tel Aviv, Tunnel unter den Grenzgemeinden und vom Iran unterstützte Terrorarmeen näher an die israelischen Bevölkerungszentren bedeuten würde.
Einige in Israel versuchten seit Jahrzehnten, diese Botschaft zu vermitteln.
Benjamin Netanyahu, at 28 years old, warned the world:
„A Palestinian state means more war, not peace.“
He was right all along. pic.twitter.com/hf5yBiHgeP
— Vivid.🇮🇱 (@VividProwess) July 6, 2026
Friedman argumentierte, dass potenzielle Partner der Abraham-Abkommen, darunter Saudi-Arabien, die Gefahr für die Region klarer erkennen würden als viele westliche Politiker. Arabische Staaten, die den Iran, dschihadistische Bewegungen und regionale Instabilität fürchten, suchten nicht nach einem weiteren gescheiterten Gebilde, das von Extremisten oder korrupten palästinensischen Fraktionen regiert werde. Sie suchten Sicherheit, Technologie, nachrichtendienstliche Zusammenarbeit sowie Zugang zu Israels wirtschaftlichem und strategischem Gewicht.
Deshalb wäre es kein kluger Kompromiss, eine Normalisierung mit Saudi-Arabien an die Gründung eines palästinensischen Staates zu knüpfen. Es wäre ein strategischer Fehler.
Die Abraham-Abkommen beruhten auf der einfachen Erkenntnis, dass der Nahe Osten nicht darauf warten müsse, bis die palästinensischen Führer Israel akzeptieren, bevor sich die Region weiterentwickeln könne. Die Abkommen machten Ramallah und Gaza deutlich, dass ihre ablehnende Haltung nicht länger die gesamte arabische Welt blockieren werde.
Diese Botschaft sei auch nach dem 7. Oktober von entscheidender Bedeutung.
Der Krieg habe nur noch deutlicher gemacht, dass sich die politische Kultur der Palästinenser ändern müsse, bevor ernsthaft über staatliche Souveränität gesprochen werden könne. Die Hamas stelle weiterhin eine Bedrohung dar. Die Palästinensische Autonomiebehörde verfüge weiterhin nicht über ausreichende Legitimität, verherrliche nach wie vor Terroristen und bereite ihre Bevölkerung noch immer nicht auf ein Zusammenleben mit dem jüdischen Staat vor.
Ein Staat unter diesen Bedingungen würde keinen Frieden bringen. Er würde den Konflikt internationalisieren, den palästinensischen Maximalismus verhärten und Israel zwingen, sich mit einer weiteren feindlichen Grenze auseinanderzusetzen.
Friedmans Stellungnahme dürfte die wachsende Debatte in Washington darüber verschärfen, ob die nächste Phase der arabisch-israelischen Normalisierung auf der Logik der Abraham-Abkommen aufbauen oder diese aufgeben sollte.
Für Israel und seine Verbündeten sollte die Antwort offensichtlich sein. Der Frieden in der Region komme dann voran, wenn die arabischen Regierungen Israel als legitime Macht und Partner behandeln – und nicht dann, wenn die palästinensische Ablehnungshaltung mit staatlicher Souveränität belohnt werde.




