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„Gaza gehört uns für immer“: Knesset-Abgeordnete und Aktivisten dringen in den Gazastreifen ein und fordern Wiederbesiedlung

IDF: Zivilisten missachteten Anweisungen und gefährdeten Soldaten; Vorfall folgt auf früheren Versuch, die Grenze zu durchbrechen, sowie auf eine wachsende politische Kampagne zur Wiedererrichtung jüdischer Gemeinden in Gaza.

Israelische Aktivisten demonstrieren an der Grenze zum Gazastreifen. Foto: Tsafrir Abayov/FLASH90

Eine kleine Gruppe unter Führung der Knesset-Abgeordneten Limor Son Har-Melech (Otzma Yehudit) drang am Donnerstagabend unter Missachtung militärischer Anordnungen in den Gazastreifen ein. Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) erklärten, der Vorfall habe sowohl die Zivilisten als auch die im Gebiet eingesetzten Soldaten gefährdet.

Die IDF teilte mit, entsandte Soldaten hätten die Gruppe gestellt und nach Israel zurückgebracht. Anschließend seien die Zivilisten zur weiteren Bearbeitung der Israelischen Polizei übergeben worden. Das Militär fügte hinzu, dass die Bewegungen der Zivilisten während des gesamten Vorfalls überwacht worden seien, und verurteilte das unbefugte Eindringen in den Gazastreifen scharf.

Son Har-Melech, die zugleich stellvertretende Parlamentspräsidentin der Knesset ist, bezeichnete das Eindringen als „Privileg“ und schrieb: „Gaza gehört uns für immer.“ Sie stellte die Aktion als Teil eines Vorstoßes zur Förderung der jüdischen Wiederbesiedlung der Küstenenklave dar. Von Teilnehmern verbreitete Bilder zeigten Aktivisten beim Pflanzen von Bäumen und beim Hissen einer israelischen Flagge – symbolische „Siedlungsakte“, wie es die Siedlungsbewegung Nachala formulierte.

Nachala, eine seit Langem bestehende Organisation zur Förderung von Siedlungen, erklärte, die Gruppe sei eingedrungen, habe Bäume gepflanzt, getanzt und das Gebiet wieder verlassen.

Bereits Anfang des Monats hatte eine größere, von Nachala organisierte Veranstaltung nahe der Grenze Berichten zufolge rund 1.500 Aktivisten angezogen. Einige von ihnen versuchten, sich dem Grenzzaun zu nähern oder ihn zu überwinden, während sie die jüdische Wiederbesiedlung forderten und ein „internationales Gaza“-Konzept ablehnten.

Die breitere Kampagne: vom „Randphänomen“ zum öffentlichen politischen Druck

Der Grenzübertritt erfolgt vor dem Hintergrund einer sich ausweitenden politischen Debatte in Israel – insbesondere im rechten Lager –, wonach der „Tag danach“ in Gaza eine direkte israelische Kontrolle und die erneute Errichtung jüdischer Gemeinden einschließen sollte.

Nachala organisierte mehrere Großveranstaltungen, die eine Besiedlung Gazas befürworten, darunter eine Konferenz im Januar 2024 in Jerusalem, an der mehrere Regierungsminister teilnahmen, sowie ein Treffen im Oktober 2024, das als Vorbereitung auf eine Wiederbesiedlung angekündigt wurde.

In jüngerer Zeit wurde diese Idee auch von hochrangigen Koalitionspolitikern aufgegriffen. Finanzminister Bezalel Smotrich sprach sich öffentlich für eine vollständige israelische Kontrolle und die Wiedererrichtung jüdischer Gemeinden aus und kritisierte zugleich aus dem Ausland geführte Nachkriegsmechanismen für Gaza.

Im Januar forderte Smotrich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf, ein von den USA geführtes Civil Military Coordination Centre (CMCC) in Kirjat Gat aufzulösen. Er warnte, eine internationale Beteiligung an den Nachkriegsregelungen für Gaza könne Israels Souveränität und Sicherheit untergraben. Das CMCC war Ende 2025 von den USA im Rahmen einer umfassenderen Nachkriegskoordination und humanitären Unterstützung eingerichtet worden, die mit dem Gaza-Zukunftsplan von US-Präsident Donald Trump verbunden ist.

Während einer Mobilisierung im Februar griff die Nachala-Bewegung diese Kritik auf, indem sie „internationale“ Governance-Konzepte ausdrücklich zurückwies und betonte, nur jüdische Herrschaft könne Sicherheit gewährleisten – eine Rhetorik, die auch die Teilnehmer vom Donnerstagabend nach dem Grenzübertritt wiederholten.

Militärische Reibung: Operatives Risiko trifft auf strategische Symbolpolitik

Für die IDF steht kurzfristig das taktische Risiko im Vordergrund: Zivilisten im Gazastreifen können militärische Operationen erschweren, unter Beschuss zu Verwirrung führen und Truppen zwingen, Ressourcen für ihre Bergung abzuzweigen – bei gleichzeitig erhöhtem Risiko von Geiselnahmen, Verletzungen oder Todesfällen.

Für die Aktivisten hingegen geht es um strategische Signalwirkung: Die Wiederbesiedlung soll nicht als hypothetische Option erscheinen, sondern als unausweichlich – als faktische Behauptung „vor Ort“, wenn auch nur für kurze Zeit, mit dem Ziel, die politische Führung Israels unter Druck zu setzen und die öffentliche Erwartung hinsichtlich der Zukunft Gazas zu prägen.

Der Zusammenstoß dieser beiden Ansätze ist zu einem wiederkehrenden Element der innerisraelischen Debatte darüber geworden, was „Sieg“ nach dem 7. Oktober bedeutet und welche langfristige Haltung das Land gegenüber Gaza einnehmen sollte.

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Patrick Callahan

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