(JNS) Israel werde es nicht zulassen, dass Südsyrien zu einer Terrorhochburg werde, erklärte der Generalstabschef der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), Eyal Zamir, am Mittwochabend.
Seine Erklärung erfolgte nach einer Lageeinschätzung auf dem Stützpunkt „Nafah“ auf den Golanhöhen – vor dem Hintergrund israelischer Luftangriffe in Damaskus, ausgelöst durch massenhafte Gräueltaten des Regimes an der drusischen Bevölkerung im Süden Syriens.
„Wir handeln entschlossen, um feindlichen Kräften jenseits der Grenze keine Präsenz zu ermöglichen, um die Bürger des Staates Israel zu schützen und um die drusischen Zivilisten vor Schaden zu bewahren“, sagte Zamir.
„Wir werden nicht zulassen, dass Südsyrien zu einem Terrorstützpunkt wird. Wir verlassen uns auf niemanden – wir verteidigen die Gemeinden entlang der Grenze“, fügte er hinzu.
Zuvor am Mittwoch hatte die IDF den Eingang zum Militärhauptquartier des syrischen Regimes im Großraum Damaskus angegriffen – als Reaktion auf Berichte über Gräueltaten an der drusischen Bevölkerung vor Ort.
„In den letzten 24 Stunden – und weiterhin – haben Luftwaffenjets Panzer, Raketenwerfer, Kampfausrüstung und Pickups mit schweren Maschinengewehren angegriffen, die in Richtung Sweida im Süden Syriens unterwegs waren“, teilte das Militär in einer gesonderten Erklärung mit.
An der Lagebesprechung nahmen neben Zamir auch sein Stellvertreter Tamir Yadai, der Nordkommandeur Ori Gordin, der Chef des Nachrichtendienstes Shlomi Binder und der Leiter der Operationsdirektion Itzik Cohen teil.
„Unsere Kommandeure und Soldaten handeln mit Verantwortung, Zurückhaltung und klarem Urteilsvermögen angesichts einer Gemeinschaft, die uns wichtig ist, und gleichzeitig unter Wahrung der Sicherheit“, ergänzte Zamir.
„Wir bereiten eine erhebliche Verstärkung der Verteidigungskräfte auf den Golanhöhen vor – mit dem klaren Ziel, jede Bedrohung für die Sicherheit der israelischen Bürger zu verhindern und die drusische Bevölkerung in Syrien, soweit möglich, zu schützen.“
Verteidigungsminister Israel Katz warnte, dass die IDF ihre Angriffe gegen syrische Regierungstruppen in der Nähe von Sweida intensivieren werde, sollte die Bedrohung der Drusen anhalten.
„Das syrische Regime muss die Drusen in Sweida in Ruhe lassen und seine Truppen abziehen“, erklärte Katz. Er betonte, dass Israel die drusische Gemeinschaft nicht im Stich lassen und seine Entwaffnungspolitik in der Region durchsetzen werde.
Sollte Damaskus die Warnungen ignorieren, werde die militärische Reaktion eskalieren: „Die IDF wird ihre Angriffe fortsetzen, bis sich die Truppen des Regimes zurückziehen – und wir werden das Niveau unserer Reaktionen bald anheben, wenn unsere Botschaft nicht verstanden wird“, so Katz.
US-Außenminister Marco Rubio verkündete am Mittwoch ein Abkommen zur Beendigung der jüngsten Kampfhandlungen in Syrien: „Die Situation wird heute Nacht beendet sein.“
„Wir haben mit allen Parteien gesprochen, die an den Auseinandersetzungen in Syrien beteiligt sind“, schrieb Rubio. „Wir haben uns auf konkrete Schritte geeinigt, die dieser besorgniserregenden und entsetzlichen Lage heute Nacht ein Ende setzen werden.“
Alle Beteiligten seien nun verpflichtet, ihre Zusagen einzuhalten, betonte Rubio.
Der syrische Machthaber Ahmed al-Sharaa erklärte am Donnerstag laut Reuters, der Schutz der Drusen sei „unsere Priorität“.
In einer Fernsehansprache wandte sich al-Sharaa an die drusischen Bürger: „Wir lehnen jeden Versuch ab, euch in die Hände ausländischer Akteure zu treiben.“
„Wir gehören nicht zu denen, die den Krieg fürchten“, sagte er weiter. „Wir haben unser Leben im Kampf für unser Volk verbracht – aber wir stellen die Interessen der Syrer über Chaos und Zerstörung.“
Am Dienstag hatte die IDF mehrere Luftangriffe gegen syrische Regierungstruppen in der Region Jabal al-Druze (Drusenberg) nahe Sweida durchgeführt. Ziel waren gepanzerte Fahrzeuge und Konvois, die Damaskus im Zuge tödlicher sektiererischer Auseinandersetzungen zwischen drusischen Milizen und sunnitisch-islamistischen Regierungstruppen entsandt hatte.
Die Armee erklärte, sie habe „gepanzerte Fahrzeuge, darunter Panzer, gepanzerte Mannschaftstransporter, Raketenwerfer und Zufahrtsrouten“ getroffen, um deren Ankunft zu verhindern.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Katz ordneten an, „Regierungstruppen und Waffen, die in die Region Jabal al-Druze bei Sweida verbracht wurden, um gegen Drusen vorzugehen, sofort anzugreifen“.
Damaskus habe damit gegen „die vereinbarte Demilitarisierungspolitik verstoßen, die die Einfuhr von Truppen und Waffen in den Süden Syriens untersagt, wenn sie Israel gefährden könnten“, hieß es in der Mitteilung weiter.
„Israel ist entschlossen, Schaden von den Drusen in Syrien abzuwenden – aufgrund der tiefen brüderlichen Verbindung mit unseren drusischen Mitbürgern in Israel und deren familiären und historischen Bindungen zu den Drusen in Syrien“, erklärte das Büro des Premierministers.
Am Dienstagmorgen waren große Kolonnen syrischer Regierungstruppen nach Sweida eingerückt – nur einen Tag, nachdem die IDF mehrere Panzer auf dem Weg in die Region Jabal al-Druze ausgeschaltet hatte.
In einer scharfen Erklärung zog Diasporaminister Amichai Chikli am Mittwoch Parallelen zwischen der Gewalt gegen die drusische Minderheit und dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023:
„Die Islamo-Nazis von al-Sharaa zwingen ihre Opfer, wie Hunde zu bellen, bevor sie sie ermorden“, schrieb Chikli. „Das ist der 7. Oktober der drusischen Minderheit in Syrien – und es ist schlicht erschütternd, das totale Schweigen der westlichen Führung zu erleben.“
Al-Sharaa, auch bekannt als Abu Mohammed al-Jolani, war früher ein Al-Qaida-Terrorist.
Chikli kritisierte führende internationale Persönlichkeiten wie den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und UNO-Repräsentanten wie António Guterres und Francesca Albanese wegen ihres Schweigens angesichts solcher Menschenrechtsverletzungen.
Nach dem Sturz des Bashar-Assad-Regimes im Dezember 2024 durch sunnitische Dschihadisten übernahm Israel die Kontrolle über Teile der syrischen Seite der Golanhöhen – mit dem Ziel, eine Sicherheitszone zur Abschirmung israelischer Gemeinden zu schaffen.
In einer Videobotschaft am Mittwoch wandte sich Netanjahu direkt an Israels drusische Bürger und warnte davor, zur Hilfeleistung an Verwandte über die Grenze zu gehen:
„Meine drusischen Brüder, Bürger Israels: Die Lage in Sweida und Südwestsyrien ist ernst“, sagte Netanjahu. „Die IDF, die Luftwaffe und andere Kräfte sind im Einsatz. Wir arbeiten daran, unsere drusischen Brüder zu retten und die Regimetruppen zu vernichten. Ich habe eine Bitte an euch: Ihr seid israelische Bürger – überschreitet nicht die Grenze! Ihr bringt euer Leben in Gefahr. Ihr könntet getötet oder entführt werden – und behindert die Einsätze der IDF. Darum bitte ich euch: Geht zurück nach Hause. Lasst die IDF ihre Arbeit machen.“




