Wochenlesung – שביעי של פסח – Schwi´i Schel Pessach – Der siebte von Pessach ; 2.Mose 14,26 – 15,26 ; 2. Samuel 22
Der Thora-Abschnitt behandelt die Teilung des Schilfmeers und das Lied am Meer – das zentrale Ereignis, das am siebten Pessachtag gefeiert wird.
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Was ist das große Geheimnis dieser Tage? Vor 3.000 Jahren standen sich zwei Völker gegenüber – Ägypten und Israel – und beide stellten sich die grundlegendste aller Fragen: Wie kann man Teil von etwas werden, das Bestand hat, auch wenn wir selbst nicht mehr da sein werden?
Die Antwort der Ägypter faszinierte über Jahrhunderte Kaiser und Tyrannen: Man überwindet die eigene Sterblichkeit durch den Bau von Monumenten, die Jahrtausende überdauern. Könnten wir durch eine Zeitmaschine zurückreisen und den ägyptischen Pharaonen erzählen, dass ihr Imperium nicht überleben würde – wohl aber jene hebräischen Sklaven, die Kinder Israels – sie hätten es für absurd gehalten.
Doch das jüdische Volk gab auf diese Frage eine völlig andere Antwort: „Und du sollst es deinem Sohn erzählen.“ Am Vorabend ihrer Befreiung wurde den Israeliten gesagt, sie müssten ein Volk von Lehrenden sein. Freiheit, so erklärte ihnen Mose, werde nicht auf dem Schlachtfeld errungen – und auch nicht auf der politischen Bühne. Um deine Ideale an die nächste Generation weiterzugeben und sie niemals zu verlieren, brauchst du Familien und Schulen.
Ich beobachte meine zweieinhalbjährige Enkelin. Sie geht in den Kindergarten, und das ganze Jahr über lernt sie, die jüdischen Feiertage zu feiern und glauben Sie mir, es mangelt nicht an Feiertagen. Es beginnt im Monat Tischri (September–Oktober) mit Rosch Haschana. Die Kinder bekommen Grußkarten, die sie ausmalen und dann der Familie als Neujahrsgruß überreichen.
Sie arbeiten mit Ausmalheften, in denen ein Schofar, ein Granatapfel und ein Apfel mit Honig abgebildet sind – die Symbole des Festes. So lernen sie die Bedeutungen der Feiertage kennen.
An Sukkot basteln sie Dekorationen und bringen sie in die Sukka, in der sie mit ihrer Familie feiern. So fühlen sie sich als integraler Teil der Sukka, der Familie – und ihr Zugehörigkeitsgefühl wächst. Den Herbst markieren sie, indem sie in den Garten gehen, nach Bachstelzen Ausschau halten – dem Vorboten des Herbstes – und die ersten blühenden Meerzwiebeln betrachten. Das steht zwar nicht in der Bibel, ist aber ein wichtiger Teil der israelischen Tradition und der Liebe zum Land.
Dann kommt Chanukka, das Lichterfest im Dezember. Es gibt unzählige Lieder zu diesem Fest, und plötzlich kann dieses kleine Kind singen, rezitieren – und jeden Abend, wenn die Kerzen entzündet werden, singt und tanzt sie voller Freude und Licht, und wärmt unsere kalten Wintertage.
Zu Tu Bischwat zieht sie uns in die Natur hinaus, um zu pflanzen, Zitronen vom Baum zu pflücken und ruft beim Blick aus dem Autofenster freudig, wenn sie am Straßenrand die blühenden Mandelblüten sieht.
An Purim hat sie eine ganze Sammlung an Kostümen – vor allem Königinnen und Prinzessinnen, ganz wie Königin Esther. Und sie vergisst nie, voller Begeisterung mit der Ratsche zu lärmen, sobald der Name „Haman“ erwähnt wird.
An Pessach liebt sie die Matzen mit Schokoladenaufstrich (Nutella), das Putzen des Hauses, und vor allem das ausgedehnte Sitzen am Sederabend, wenn die ganze Familie – anders als sonst – lange zusammenbleibt, feiert und singt.
Und das ist nur ein Teil … es gibt noch viele weitere Feiertage und Festzeiten. Das ist die jüdische Tradition. Erinnerung (זיכרון) ist ein zentraler Pfeiler im Judentum. Sie ist nicht nur ein kulturelles oder historisches Element, sondern eine religiöse Pflicht. Im Judentum ist Erinnerung nicht passiv, sondern aktiv und verpflichtend: Man gedenkt nicht nur, man handelt aus der Erinnerung heraus – durch Erzählen, Feiern, Gebet, und Erziehung. Erinnerung wird damit zu einem Brückenpfeiler zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Sie blickt auf eine Geschichte von Tausenden von Jahren zurück. So bin ich aufgewachsen, so ist mein Mann Aviel aufgewachsen, und so haben wir unsere Kinder von klein an erzogen – und so werden unsere Enkelkinder erzogen. Natürlich gibt es hier und da Veränderungen und Ergänzungen – aber das Wesen ist tief im Herzen verankert und für immer bewahrt. „Und du sollst es deinem Sohn erzählen“ – das ist der einzige Weg, Gottes Namen, das ewige Israel und unsere Geschichte zu bewahren, zu schützen, zu erinnern und zu preisen. So schreibt man Geschichte – und bleibt darin für immer eingeschrieben.
Ein frohes Fest und Schabbat Schalom!
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
- Jerusalem – Beginn 18:30, Ausgang 19:47
- Tel Aviv – Beginn 18:52, Ausgang 19:50
- Haifa – Beginn 18:42, Ausgang 19:450
- Beersheva – Beginn 18:51, Ausgang 19:48
- Eilat – Beginn 18:39, Ausgang 19:47
Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.




