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Vizhnitz: Blick in eine geschlossene ultra-orthodoxe Gesellschaft

Vizhnitz Chassidim der Familie “Hager” lieben Israel und leckere Challa-Brote.

Ultraorthodoxe Juden aus der chassidischen Dynastie der Vizhnitz zünden in der zweiten Nacht des jüdischen Chanukka-Festes in Beit Shemesh am 7. Dezember 2015 Kerzen an.
Ultraorthodoxe Juden aus der chassidischen Dynastie der Vizhnitz zünden in der zweiten Nacht des jüdischen Chanukka-Festes in Beit Shemesh am 7. Dezember 2015 Kerzen an. Foto: Yaakov Lederman/Flash90

Die verschiedenen „Höfe“ (Synagogengemeinschaften) des ultraorthodoxen/Haredi-Judentums wachsen und machen aufgrund der hohen Geburtenrate und ihres geschlossenen Lebensstils einen immer größeren Teil der israelischen Bevölkerung aus. Diese Strömungen werden jeweils von einem charismatischen Oberrabbiner, einem so genannten “ Rebbe“, geleitet. Eine dieser Strömungen ist „Vizhnitz“, die in Vyzhnytsia, einer Stadt in der heutigen Ukraine, in den frühen 1800er Jahren von Menachem Mendel Hager gegründet wurde. Heute zählen die Vizhnitzer mehrere tausend Familien in Israel.

In den chassidischen Gruppen wird nach dem Tod des Rebben einer seiner Söhne von den anderen Rabbinern und Leitern der Gemeinschaft zum Nachfolger und Leiter der Gruppe gewählt. Die anderen Söhne nehmen diese Ernennung in der Regel an. Manchmal kommt es jedoch zu Streitigkeiten, aufgrund derer sich eine Gruppe abspaltet und eine neue Gemeinde gründet, die mit der ursprünglichen konkurriert.

Menachem Mendel Hager, Großrabbiner von Vizhnitz (chassidische Dynastie) zusammen mit seinen Anhängern, beim Anzünden eines Lagerfeuers an der Rashbi-Grabstätte in Meron, in der Nähe von Tzfat
Menachem Mendel Hager, Großrabbiner von Vizhnitz (chassidische Dynastie) zusammen mit seinen Anhängern, beim Anzünden eines Lagerfeuers an der Rashbi-Grabstätte in Meron, in der Nähe von Tzfat

Im Vizhnitz-Chassidismus wurde bereits zu Beginn der Grundsatz aufgestellt, dass alle (männlichen) Nachkommen des Rebben potenzielle Kandidaten für die Leitung eines chassidischen Hofes sind. Rabbi Ze’ev Wolff, einer der ersten Vizhnitz-Rabbiner, erklärte: „Möge seine Herrschaft erneuert werden, sowohl über ihn selbst als auch über die Seelen seines Hauses, und nie von ihm und seinen Söhnen und den Söhnen seiner Söhne weichen.“ Somit ist der Vizhnitz-Chassidismus ein Sammelname für verschiedene chassidische Höfe mit ähnlichen Merkmalen, die von verschiedenen Rebben geleitet werden.

Die Merkmale des Vizhnitz-Chassidismus kommen in mehreren Bereichen zum Ausdruck:

Gebet – Vizhnitz-Anhänger beten in der Regel enthusiastisch und mit besonderen Melodien. Während der Gebete geht der Rebbe manchmal zwischen den Betenden umher, um sie zu bestärken und zu ermutigen, mit Hingabe und Freude zu beten.

Liebe zum Volk Israel – ein zentrales Ziel des Vizhnitz-Chassidismus ist es, nicht praktizierende, „einfache“ Juden, die sich nicht an die Tora und die mündlichen Gebote halten, zu erreichen und die verschiedenen Teile des jüdischen Volkes zusammenzubringen. Die „Lernenden“ werden durch Lehrgänge und Worte der Tora einander näher gebracht, und diejenigen, die dem orthodoxen Judentum fern stehen, durch Lieder, Melodien und das Aussprechen von Segenssprüchen über jene, die um einen Segen bitten. Die Liebe zu Israel wird auch durch die Teilnahme an der Haredi-Einheit „Nahal“ der Armee zum Ausdruck gebracht. (Viele Haredi-Gruppen weigern sich aus religiösen/ideologischen/kulturellen Gründen, an der allgemeinen israelischen Wehrpflicht teilzunehmen).

Torastudium – Im chassidischen „Hof“ wurde ein Studienrahmen mit Torastunden eingerichtet, einschließlich der Verpflichtung, jeden Abend an einem einstündigen Studienprogramm in chassidischen Midrasch-Schulen teilzunehmen.

Schabbat – Die Betonung des Schabbats hängt mit ihrem spirituellen Ausdruck von Freude zusammen. Spezielle Schabbatmelodien sind von zentraler Bedeutung, und viele ihrer Lehren beziehen sich auf Schabbat-Liedtexte.

Lieder und Gesänge – Die Vizhnitz-Chassidim haben eine Sammlung von Hunderten von Liedern zusammengestellt, die Schabbat-Gesänge, Gebete und Verse aus der hebräischen Bibel enthalten. Die Melodien sind wahre Ohrwürmer. Einige von ihnen haben auch Motive von Zigeunern, die bei den Chassiden in Osteuropa beliebt waren.

Die „Hymne“ des Vizhnitz-Chassidismus ist die Melodie Ya Ribon Olam (Yah – Herr der Welt), die vor allem am gemeinschaftlichen Tisch des Rabbiners gesungen wird, und zwar in der Form eines Sängers mit Chor. Yah Ribon Olam ist ein Gebetslied auf Aramäisch, das mehrere Melodien kombiniert.

Kleidung – am Schabbat tragen die Vizhnitz-Anhänger gewöhnlich weiße Kniestrümpfe (im Gegensatz zu den Belz-Anhängern, die schwarze Socken tragen). An den anderen Tagen der Woche tragen sie lange schwarze Hosen. Die Mitglieder der Familie des Rabbiners tragen an Wochentagen in der Regel schwarze Socken über ihren Hosen.

Gemeindegerichte – Ursprünglich wurde das Gericht eingerichtet, um in Gemeindeangelegenheiten zu entscheiden, aber im Laufe der Jahre wurde es auch zu einem Ort, an dem Fragen der religiösen Praxis geklärt werden, zu dem auch Personen von außerhalb kommen können.

Darüber hinaus verfügt der Chassidismus von Vizhnitz über Bildungseinrichtungen, zu denen Jeschiwas für Jungen und Seminare für ultraorthodoxe Mädchen aus verschiedenen Gemeinden gehören.

Die Bäckerei Vizhnitz – Challah-Brot für den Schabbat. Es gibt ein Sprichwort, dass es nichts Besseres als Essen gibt, um voneinander getrennte Menschen zusammenzubringen. Dies bezieht sich sicherlich auf den Schabbat-Genuss der Vizhnitzer. In Bnei Brak, einer ultraorthodoxen Stadt am Stadtrand von Tel Aviv, betreiben die Chassiden eine Bäckerei, die zu Ehren des Schabbats vor Ort Challah herstellt. Selbst nicht religiöse Menschen kaufen donnerstags und freitags vor dem Schabbat gerne das köstliche Vizhnitz-Challah-Brot.

 

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Patrick Callahan

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