In Kirchen klingt das Konzept edel, in politischen Debatten moralisch überlegen, doch an den Grenzen von Israel, unter Raketenalarm, Terrorangriffen und Geiselnahmen stellt sich die Frage neu und brutal konkret: Bedeutet Feindesliebe Wehrlosigkeit? Muss ein Volk jene lieben, die seine Vernichtung anstreben? Oder meint die Bibel etwas Tieferes, meint sie Menschlichkeit ohne Selbstaufgabe, Barmherzigkeit ohne Naivität, Würde ohne Kapitulation? Zwischen Jesuswort und Staatsräson, zwischen Moralpredigt und Überlebenskampf verläuft eine Spannung, die viele im Westen nur schwer verstehen. Denn Feindesliebe klingt einfach, solange der Feind weit entfernt ist. Sie wird kompliziert, wenn er vor der eigenen Tür steht.
Viele reden von Feindesliebe, doch nur wenige wissen, was es bedeutet, den Feind wirklich zu lieben. Noch weniger sind bereit, den Preis dafür zu tragen. Im Neuen Testament (Matthäus 5) heißt es unmissverständlich: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“. In der Thora (3. Mose 19) steht zuvor: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Was verbindet beide Gebote? Und wer ist überhaupt mein Nächster? Der Nachbar? Der Bruder? Das...
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Danke für die tiefer gehende Auslegung zum Verbot des Mordens im AT und Gebot der Feindesliebe im NT, gerade auch bezogen auf Israel!
Nur eine Ergänzung:
„Liebt eure Feinde“ heißt auch nicht „Liebt die Feinde eurer Freunde“, erst recht nicht „die Feinde derer, für die ihr mitverantwortlich seid“.
Die Feinde sind oft die, die in den eigenen Augen eines jeden Menschen die Geringsten sind, man hat das Gefühl, dass ihnen gegenüber alles erlaubt ist, weil sie so böse sind. Wir werden im Gericht laut Evangelium daran gemessen, wie wir uns genau diesen gegenüber verhalten haben, d.h. denen, die in unseren Augen die Unwertesten und Abgeirrtesten waren.
Auch im Krieg gibt es Regeln und Grenzen, man kann sich bekriegen und trotzdem respektieren. Wenn die andere Seite einen aber nur umbringen will und sich um das alles nicht schert, ist das schwierig. Trotzdem soll man sie alle menschlich behandeln und ihnen kein unnötiges Leid zufügen. Denn sie sind im Falle der Feinde Israels selbst Opfer, sie werden irregeführt, missbraucht und systematisch belogen. Sie brauchen Hilfe, die ihnen ihren abgeirrten Zustand klar macht, keine Waffen.
Das Missverständnis der Feindesliebe: Ein wirklich guter Artikel!
„Kaum ein biblisches Gebot wird so oft zitiert und zugleich so selten verstanden wie die Feindesliebe.“ Danke für die Erklärungen!