Israel

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Wen würde Theodor Herzl heute wählen?

Heute wählt Israel und viele möchten bestimmt wissen, wie der Mann mit dem langen schwarzen Bart eigentlich über Wahlen im künftigen jüdischen Staat dachte.

Herzl hatte sich das jüdische Land etwas anders vorgestellt.
Herzl hatte sich das jüdische Land etwas anders vorgestellt. Foto: Uri Lenz/Flash90

Natürlich wissen wir nicht, für wen Theodor Herzl seine Stimme abgegeben hätte, wenn er heute zu den Wahlurnen gehen könnte. Aber wir wissen, dass er eine klare Vorstellung davon hatte, wie das Wahlrecht in dem Staat seiner Träume aussehen sollte. In seinem utopischen Roman Altneuland beschreibt Theodor Herzl seinen Judenstaat Israel.

Altneuland ist ein literarisches und politisches Werk. Benjamin Zeev Herzl veröffentlichte sein Buch 1902, in dem er den Staat Israel vorhersagte und Israel detailliert beschrieb. Als das Buch veröffentlicht wurde, bezeichnete man es als Science-Fiction-Roman. Im Nachhinein erwies es sich als eines der kühnsten und prophetischen Bücher der modernen Welt. Die Handlung dreht sich unter anderem um ein imaginäres Wahlsystem im jüdischen Staat, wo eine populistische Partei unter Führung von Rabbi Geyer die Verweigerung der Staatsbürgerschaft von Nichtjuden fordert. Herzl traf mit seinen Prophezeiungen oft ins Schwarze.

Rabbiner und ihre Wähler sind eine strake Kraft in der Knesset.
Rabbiner und ihre Wähler sind eine strake Kraft in der Knesset.

Soll die neue Gesellschaft nur für Juden oder auch für andere offen sein? Herzls Antwort ist unmissverständlich. In seinem Roman prangert Herzl Rabbi Geyer als Rassisten an, der aus persönlicher Machtgier die neue Gesellschaft spalte und sich von den Grundsätzen der Staatsgründung und den wahren Werten des Judentums entfremde. Er nennt Geyer „einen Anstifter und Dieb der Meinung unseres himmlischen Vaters“. Herzl erklärt im Buch, nach den vielen Verfolgungen, die Juden im Exil erlitten haben, nur weil sie Juden waren, „dürfen wir niemanden fragen, welcher Rasse oder Religion er angehört. Er muss ein Mensch sein.“

Bei einem der Höhepunkte des Buches schildert Herzl den schicksalhaften Wahlkampf in der neuen Gesellschaft in Israel, bei dem die Vertreter der verschiedenen Parteien der Wählerschaft ihre Weltanschauung erklären. Der Vertreter von Rabbi Geyer schlägt eine Politik der Diskriminierung von Nichtjuden vor. Herzl erklärt, dass der Weg von Geyer und seinen Anhängern das Land verwüsten wird. Man darf Menschen keine Rechte verweigern, nur weil sie keine Juden sind. Es ist unsere Pflicht, so Herzl im Buch, Meinungsfreiheit, Geduld, Liebe für alle Menschen zu dulden. Nur dann ist Zion ein wahres Zion!

Israelis sind trotz aller Schwierigkeiten ein glückliches Volk.
Israelis sind trotz aller Schwierigkeiten ein glückliches Volk.

„Wenn ihr Geyers Partei wählt, seid ihr nicht würdig, das die schöne Sonne über dem Haupt unseres heiligen Landes scheint“, sagte Herzl vor 120 Jahren. In dem imaginären Wahlkampf verliert der Rabbi die Wahl. Herzl beschreibt den jüdischen Staat als einen toleranten Ort, an dem Juden, Moslems und Christen Seite an Seite leben und gleiche Rechte genießen. Die einzigen, die in Herzls neuer Gesellschaft keinen Platz haben, sind diejenigen, die wie Rabbi Geyer Nicht-Juden die Gleichberechtigung verweigern. „Wenn ihr wollt, ist dies kein Märchen“, unterstrich damals Theodor Herzl.

Wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass Herzls Traumland wenig mit dem Israel von heute zu tun hat. Herzl beschrieb eine friedliche Gesellschaft, in der Juden und Araber Seite an Seite lebten, was in unserer Gesellschaft nicht immer eine Tatsache ist. Das ist der Unterschied zwischen Utopie und Realität.

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Patrick Callahan

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