Ein Funke genügte und das Feuer war entfacht: Ein Zusammenstoß zwischen jüdischen Jugendlichen und israelischen Soldaten am Wochenende bei Kfar Malik brachte nicht nur die Region zum Brodeln, sondern wurde von internationalen Medien zu einem politischen Flächenbrand aufgeblasen. Schlagzeilen wie „Angriff auf das letzte christliche Dorf im Heiligen Land“ überschwemmten deutsche Redaktionen. Der Vorwurf: radikale Siedler hätten das palästinensisch-christliche Dorf Taiybe überfallen – das letzte seiner Art in Samaria. Doch vor Ort zeigt sich ein anderes Bild: kein Angriff, kein zerstörtes Kloster, keine Christen in Panik. Vielmehr wurde ein ohnehin eskalierender Konflikt zwischen jungen Siedlern und israelischen Sicherheitskräften zum Narrativ umgedeutet, das Israel in ein möglichst dunkles Licht stellt. Wer genau hinsieht, erkennt: Taiybe war nie das Ziel – es war das Symbol, das man brauchte.
Ein Zusammenstoß zwischen IDF-Soldaten und jüdischen „Siedlern“ sorgt für Aufsehen in Israel. Die Konfrontation am Wochenende nördlich von Jerusalem löst gegenseitige Anschuldigungen aus. Im Ausland wurde ein jüdischer Angriff auf das einzige und letzte christliche Palästinenserdorf Taiybe in Samaria in den Medien hochgespielt.
„Jüdische Siedler greifen Taiybe an – das einzige vollständig christliche Dorf im Westjordanland. Seitdem herrschen Angst und Wachsamkeit“, berichten Dorfbewohner der WELT.
Oder:
„Westjordanland: Brutaler Angriff israelischer Siedler auf das letzte Christendorf. Im Westjordanland wurde das letzte christliche Dorf im Heiligen Land Ziel eines Überfalls durch israelische Siedler“, so das Freilich-Magazin.
Das christliche Palästinenserdorf Taiybe war nur ein Aushängeschild für die ausländischen Medien, um das Image Israels nur noch mehr zu ruinieren. Taiybe gehört nicht zu dem Fiasko, als das die Medien es gerne darstellen wollten.
Heute wurden wir mit einer Flut von E-Mails und deutschsprachigen Artikeln überhäuft. Darin hieß es, jüdische Siedler hätten das einzige christlich-palästinensische Dorf in Samaria, Taiybe, angegriffen. Ich kenne das Dorf und habe dort mit zwei palästinensischen Christen geredet, die mir beide am Telefon betonten, dass ihr Dorf kein Ziel war. Die Namen darf ich leider nicht preisgeben, da sie bekannt sind. Auch Yehuda Amrani, Sprecher der Siedlerbewegung und Medienbeauftragter, stellt im Gespräch mit uns klar: „Taiybe wurde nicht angegriffen und die palästinensischen Christen sind nicht unser Problem.“ Weiter sagte er mir gegenüber: „Die Spannungen in der Region gehen überwiegend von muslimischen Arabern aus, die uns auf Straßen und Feldern angreifen“, erklärte Amrani am Telefon. „Mit den Christen in der Gegend pflegen wir in der Regel ein respektvolles Miteinander. Wer uns nicht provoziert, ob Christ oder Muslim, hat von uns nichts zu befürchten.“
Nach Angaben der Armee hatte sich eine kleine Gruppe jüdischer Bewohner außerhalb des palästinensischen Dorfes Kfar Malik, nordwestlich von Ramallah, versammelt. Israelische Soldaten, die die Gruppe bemerkten, bewegten sich auf die Versammlung zu, um sie aufzulösen. Daraufhin trafen weitere jüdische Aktivisten an diesem und weiteren Orten in der Region ein und richteten in mehreren Dörfern, darunter auch im nahegelegenen christlichen Dorf Taiybe, Schäden an palästinensischem Eigentum an.
Am Brennpunkt bei Kfar Malik kam es zu einer gewaltsamen Konfrontation zwischen Soldaten und einer Gruppe jüdischer Bewohner. Die Armee berichtet, dass die jüdischen Randalierer Steine auf die Soldaten warfen, Militärfahrzeuge beschädigten und versuchten, Soldaten mit einem Fahrzeug zu überfahren.
Die Organisation „Honenu“, die einige der beteiligten Aktivisten rechtlich vertritt, erklärte dagegen, dass IDF-Soldaten scharfe Munition eingesetzt und einen jüdischen Jugendlichen am Oberkörper getroffen hätten: „Die Kugel drang durch den Arm ein und blieb im Rücken stecken. Er erlitt Knochenbrüche an Schulter und Arm, eine Lungenverletzung durch die Explosion sowie Splitterverletzungen.“ Die Armee wies zurück, scharf auf jüdische Randalierer geschossen zu haben, kündigte jedoch eine Untersuchung des Vorfalls an.
Amrani räumt ein, dass es in den vergangenen Monaten fast jedes Wochenende zu Provokationen arabischer Gruppen gegen jüdische Bewohner der Hügelregionen gekommen sei. Aus Wut und Frust hätten sich einige jüdische Jugendliche am Donnerstagabend zu einer verbotenen Aktion entschlossen und im Dorf Kfar Malik randaliert – ein Verhalten, das Amrani scharf verurteilt: „Das war falsch. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Siedlerführung lehnt solche Handlungen strikt ab und duldet keine Selbstjustiz.“
Das christliche Dorf Taiybe liegt etwa zwei Kilometer von Kfar Malik entfernt. „Taiybe war nie Ziel dieses Übergriffs“, versichert Amrani. „Ich habe dort Freunde, war schon oft zu Besuch, auch um das lokale ‚Taiybe Bier‘ zu trinken. Viele Christen aus dem Dorf arbeiten in unseren Siedlungen. Wir leben seit Jahren friedlich nebeneinander.“

Dennoch könne es, so Amrani, in Einzelfällen zu Missverständnissen kommen: „Wenn jemand Arabisch spricht, erkennen manche Jugendliche nicht sofort, ob es sich um einen Muslim oder einen Christen handelt. Aber das entschuldigt nichts. Gewalt gegen Unschuldige – ob Christ oder Muslim – ist inakzeptabel und eine Sünde.“
Bezogen auf die jüngste Eskalation zwischen jüdischen Jugendlichen und der israelischen Armee, bei der ein jüdischer Jugendlicher durch scharfen Schuss verletzt wurde, betont Amrani: „Ein trauriger, verwerflicher Vorfall.“ Israel Ganz, Vorsitzender des Yesha-Rates (Rats der Siedlungen in Judäa und Samaria), habe sich in einer offiziellen Stellungnahme klar gegen jede Form von Gewalt ausgesprochen. Gleichzeitig forderte er eine umfassende Untersuchung sowohl des Armeeverhaltens als auch des Schusswaffengebrauchs.
Zum Schluss zieht Amrani einen Vergleich: „Wenn ein Drogendealer in Tel Aviv festgenommen wird, sagt auch niemand, ganz Tel Aviv sei kriminell. Genau so sollten Einzelvorfälle auch bei uns im biblischen Kernland Judäa und Samaria bewertet werden. Wir verurteilen solche Taten – ohne Wenn und Aber.“

IDF-Generalstabschef Eyal Zamir erklärte nach dem Vorfall: „Ich verurteile jede Gewalt gegen Soldaten der IDF, der Grenzpolizei und aller Sicherheitskräfte aufs Schärfste. Ich erwarte von den Justiz-, Polizei- und Sozialbehörden, dass sie dieses Phänomen umfassend und entschieden bekämpfen.“
Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich: „Ich verurteile die Krawalle in der Region Benjamin, bei denen IDF-Soldaten angegriffen wurden, auf das Schärfste. Der Staat Israel ist ein Rechtsstaat. Niemand darf das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Der Vorfall muss gründlich untersucht werden, und das Gesetz ist mit voller Härte gegen alle durchzusetzen, die es gebrochen und gegen unsere Soldaten gehandelt haben.“ Netanjahu betonte, dass es sich um einen „kleinen radikalen Rand“ innerhalb der jüdischen Bevölkerung in Judäa und Samaria handle, der nicht die gesamte Siedlerbewegung repräsentiere.
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte: „Ich verurteile die schweren Gewalttaten und Angriffe auf IDF-Soldaten in der Region Benjamin entschieden. Ich fordere die Strafverfolgungsbehörden auf, unverzüglich alle Beteiligten ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen – wie überall sonst auch. Ich appelliere an Rabbiner und Siedlungsführer, diese Taten öffentlich zu verurteilen und sich davon zu distanzieren. Der Staat Israel wird weder Gewalt noch Selbstjustiz dulden, ebenso wenig wie Angriffe auf IDF-Soldaten, die Tag und Nacht gegen palästinensischen Terror kämpfen und die Sicherheit der Siedler schützen.“
Viele jüdische Bewohner des biblischen Kernlands beklagen, dass die Behörden nicht ausreichend gegen täglichen palästinensischen Terror vorgehen, aus Angst vor internationaler Kritik. Ein sehr kleiner Teil dieser Bewohner greift daher gelegentlich selbst zu Racheaktionen gegen palästinensische Dörfer, um „Abschreckung zu erzeugen“. Diese Aktionen werden jedoch regelmäßig von führenden Persönlichkeiten der Siedlungsbewegung massiv verurteilt. Diese Minderheit muss klar verurteilt und konsequent bestraft werden. Wer sich der Staatsgewalt widersetzt und die israelische Armee angreift, muss mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen.





„Viele jüdische Bewohner des biblischen Kernlands beklagen, dass die Behörden nicht ausreichend gegen täglichen palästinensischen Terror vorgehen, aus Angst vor internationaler Kritik.“
Diese Kritik ist ja auch berechtigt. Siedler haben im Kernland der Palästinenser nicht verloren genauso wie umgekehrt Palästinenser aus der West Bank nicht in IL siedeln dürfen.
Siedlungen sind nach internationalem Recht nicht erlaubt. Wer sich nicht an recht und Gesetz hält, muss auch mit Folgen rechnen.
@ Herrn Meier: Das würde heissen: Juden haben nichts in Judäa verloren!? Das beisst sich, oder? Deshalb nennen es jene Kräfte, die das Land teilen wollen “West Bank”!
PS: Der Ihnen wohl bekannte Jüdische Historiker in Deutschland hat seine Meinung nach dem 7. Oktober über die Siedler geändert:”die Siedler sind Sicherheitspolitisch wichtig für Israel” und “Die Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen, Gush Katif 2005 war ein Fehler!”