Zwischen Raketen und Käse

Trotz der ständigen Raketenalarme wurde bei uns Schawuot gefeiert, wie es sich gehört.

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Raketeneinschlag in Ashdod Foto: Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Das Lächeln fällt mir in diesen Tagen schwer

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich meinen Text zum Beginn des Tages beginnen soll. Schon der „gute“ Morgen bereitet mir Probleme. Natürlich wünsche ich Ihnen und uns allen einen guten Morgen, aber in den vergangenen Tagen ist wenig Gutes geschehen. Auch mit meinem hier immer erscheinenden Bild habe ich zurzeit ein Problem. Ich kann doch in Tagen wie diese nicht einfach weiter lächeln, als sei alles normal, wenn die Radio- und Fernsehsendungen fast alle halbe Stunde durch die Raketenwarnungen gestört werden. Daher ist das Bild heute etwas ernster.

Auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen wird von einem Direkteinschlag in ein Haus  im Grenzgebiet zum Gazastreifen berichtet. Das Haus stand zum Glück leer, da viele Bewohner im Süden ihr Haus verlassen und eine etwas sicherere Gegend gefahren sind, die weniger von den Raketen aus Gaza bedroht ist.

Wenn alles normal wäre, hätte ich Ihnen heute früh bestimmt von einem schönen durch den Schawuot Feiertag verlängerten Wochenende berichtet. Aber momentan ist eben fast gar nichts normal. Im Zimmer unseres Sohnes, der zum Glück das Wochenende und den Feiertag mit uns verbringen konnte (es gibt eben doch ein paar schöne Dinge zu berichten), haben wir das Fenster immer schon halb mit der Stahltür geschlossen, dann ist es einfacher, sie im Notfall vollständig zu schließen. Denn sein Zimmer ist gleichzeitig auch unser Sicherheitsraum. Ganze viermal durften wir in der letzten Woche dort verharren, um zu warten, bis die Gefahr vorbei war. Mit den vier Raketenalarmen, die es in Modiin gab, waren wir eigentlich noch gut bedient, denn bei unserem Sohn in Tel Aviv gab es viel mehr Raketenalarme als bei uns.

Ramat Gan, letzte Woche

Im Großraum von Tel Aviv ist die Gefahr deutlich größer, von einem der hunderten Raketen, die vom Gazastreifen aus täglich auf uns abgeschossen werden, etwas abzubekommen. Das wurde mir spätestens am Schabbat bewusst, als in Ramat Gan, einer Stadt, die unmittelbar an Tel Aviv grenzt und wo sich auch die Hochschule unserer Tochter befindet, ein Mann durch eine Rakete getötet wurde (siehe Bild oben). Es hätte wirklich jeden erwischen können.

In dem Haus, wo unser Sohn wohnt, gibt es keinen Sicherheitsraum, wie in vielen alten Häusern in Tel Aviv. In Falle eines Raketenalarms geht man dort einfach in das Treppenhaus und hofft, dass nichts passiert. Schade, dass wir uns in einer Situation befinden, wo man  bei der Wahl des Wohnorts an Dinge wie diese denken muss. Irgendwie verrückt, oder? Statt sich um die Himmelsrichtung der Wohnung zu kümmern, muss man bei uns daran denken, wo im Land weniger Raketen auf einen fallen könnten.

Seit Donnerstagabend ist es bei uns in Modiin ruhig. Es gab keine Sirenen mehr. Wir scheinen das Glück zu haben, ein für die Terroristen nicht ganz so interessantes Ziel zu sein, auch wenn wir uns in der Nähe des Flughafens befinden. Allerdings konnte ich am Wochenende sehr gut die Explosionen der Raketenabwehr hören,  nur wenige Kilometer von uns entfernt sah die Situation ganz anders aus. Sogar bei IKEA, nur knappe 20 Autominuten von uns entfernt, war eine Rakete heruntergefallen, zum Glück ohne Schaden anzurichten.

Und nun stellt sich die Frage, wie wir aus diesem Schlamassel wieder herauskommen können. In den Nachrichten spricht man, wie zu Coronazeiten, wieder von der Politik der Rückkehr in die Normalität. Was für eine Ironie. Wer denkt heute überhaupt noch an Corona bei uns.

Rakete direkt in die Küche, Ashkelon am Abend des Schawuot Festes

Aber trotz allem haben wir Schawuot gefeiert. Jetzt erst recht, könnte man fast sagen. Wie es sich zu diesem Feiertag gehört, gab es bei uns viel Käse und andere milchige Gerichte zu essen. Wir lassen uns das fast doch nicht verderben. Der Fernseher war natürlich ständig eingeschaltet. Wir haben das Beste aus dieser nicht so einfachen Situation gemacht. Irgendwie sind wir Israelis darin besonders gut. Und daher gibt es jetzt auch mal wieder das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Meist sonnig mit für die Jahreszeit normalen Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 26 Grad, Tel Aviv 24 Grad, Haifa 23 Grad, Tiberias am See Genezareth 31 Grad, am Toten Meer 33 Grad, Beersheva 30 Grad, Eilat am Roten Meer 35 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist seit Freitag um zweieinhalb Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209,235 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 43,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

In einem Kibbutz in Emek Yizrael im Norden wurde Schawuot gefeiert, wie es sich gehört.

Während des gesamten Wochenendes und des Feiertages haben wir Sie auf unserem Telegram Kanal über die Ereignisse bei uns informiert. Da wir auch mit sehr vielen Cyberattacken auf unsere Internetseiten zu kämpfen hatten, konnten wir Sie auf diesem Wege weiter informieren.

Wenn auch Sie mit dabei sein wollen und kein wichtiges Ereignis in Israel mehr verpassen möchten, dann klicken sie einfach HIER.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Dienstag, vielleicht wird es ja ein guter Tag. Machen Sie es gut.

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