Sagt mal, wer von euch hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, dass Jerusalem kein einziges Mal in den ersten fünf Büchern der Bibel – in der Tora – erwähnt wird? In einer Welt, in der jedes Wort der Tora sorgfältig abgewogen ist, stellt sich eine gewaltige Frage: Wie kann es sein, dass die heiligste Stadt des jüdischen Volkes – Jerusalem – nicht ein einziges Mal namentlich in der Tora erscheint? Gerade jene Stadt, die erwählt wurde als Ort des Tempels, der Wohnung der göttlichen Gegenwart, als Stadt Davids und Zentrum der geistigen wie nationalen Geschichte, bleibt in der schriftlichen Tora ohne ausdrückliche Nennung. Stattdessen spricht die Tora immer wieder von „dem Ort, den der Ewige erwählen wird, um Seinen Namen dort wohnen zu lassen“. Eine scheinbar allgemeine, vage Formulierung, die den Leser mit Spannung zurücklässt. Wo ist dieser erwählte Ort?
Ein göttliches Rätsel – und eine schrittweise Enthüllung. Auf dieses auffällige Schweigen bin ich ehrlich gesagt erst kürzlich gestoßen, denn in der Bibel kommt Jerusalem hunderte Male vor, nur nicht in den ersten fünf Büchern Mose. Um das zu verstehen, muss man die Ideen und Hintergründe zwischen den Worten und Sätzen der Bibel erkennen.
Wäre in der Tora ausdrücklich genannt worden, dass Jerusalem der Ort des Tempels sein soll, hätten sich andere Stämme benachteiligt gefühlt. Warum liegt die heilige Stadt nicht in unserem Gebiet – wie etwa in Dan, Manasse oder anderen Stammesgebieten? Jerusalem liegt an der Grenze zwischen dem Stamm Juda und dem Stamm Benjamin. Hätte die Tora dies offengelegt, hätte das Neid oder Streit hervorrufen können. Um vorzeitige Konflikte zu vermeiden, ließ Gott die konkrete Wahl des Ortes zunächst offen, um politische Spaltungen zu verhindern. Kann es sein, dass Gott aus Jakobs „Fehler“ gelernt hat, nicht nur einem Sohn – Josef – einen bunten Rock zu geben, was schließlich zur Eifersucht innerhalb der Familie führte?
Die Wahl ist oft dynamisch und nicht selbstverständlich. Die Formulierung „der Ort, den der Ewige erwählen wird“ zeigt, dass die Wahl Jerusalems nicht automatisch geschieht, sondern abhängig ist vom Verhalten des Volkes, vom Fortschritt in der Geschichte und vom geistigen Reifungsprozess. Jerusalem wird letztlich erwählt, aber diese Wahl muss sich entfalten – sie ist ein Prozess, kein gegebenes Faktum.
Die Stadt Jerusalem ist angedeutet, aber nicht direkt genannt. Obwohl der Name „Jerusalem“ nicht in der Tora auftaucht, gibt es zahlreiche Hinweise. Melchisedek, König von Schalem (1. Mose 14) – „Schalem“ ist Teil des späteren Namens „Jeruschalaim“. Die Bindung Isaaks findet im „Land Moria“ statt, dem zukünftigen Berg, auf dem der Tempel Gottes errichtet wird. Die Kombination von „Jereh“ (יראה), wie Abraham sagt: „auf dem Berg wird sich der Ewige sehen lassen“ (ירא + ה‘) und „Schalem“ (שלם) ergibt zusammen das Wort „Jeruschalaim“ – die Stadt des Friedens und der Offenbarung. Schalem stammt ebenso vom Wort „Schalom“ – Frieden. Diese Andeutungen formen einen dramatischen Prozess stufenweiser Enthüllung. Jerusalem wird nicht sofort genannt, sondern wächst aus der biblischen Geschichte, dem Glauben und der geistigen Reise heraus.
Jerusalem in den ersten fünf Büchern Moses ist nicht nur ein geografischer Ort – sie ist ein geistiges Ziel. Ein Symbol für Ganzheit und Offenbarung. Ein Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren, aber auch ein Ort, zu dem der Mensch sich aufmachen muss – im Geiste und im aktiven Handeln. Wie heißt das hebräische Lied des Jerusalemer Gitarristen Avner Strauss aus den 80er Jahren? „In Jerusalem ist der Himmel tiefer.“ Als Teenager habe ich bei Avner Anfang der 80er Jahre meine ersten Gitarrengriffe gelernt. Jerusalem ist keine leichte Stadt – komplex, aber einzigartig auf dieser Welt. Obwohl ich im Kibbuz Einat geboren bin, lebe ich bereits seit 47 Jahren in Jerusalem – „auf dem Berg, wo sich der Ewige sehen gelassen hat“.
Das Fehlen des Namens „Jerusalem“ in diesen Büchern lehrt uns: Heiligkeit beginnt nicht mit einem Ort, sondern mit Menschen, die bereit sind, sich auf ihn zuzubewegen, für ihn zu kämpfen, für ihn zu beten und in ihm das zu sehen, was Gott sieht. So wird Jerusalem nicht nur zur erwählten Stadt, sondern zur prüfenden Stadt – eine Stadt, die unsere Absichten, unseren Glauben und unsere Hoffnungen immer wieder auf den Prüfstand stellt.

In unserer Generation ist die Rückkehr Jerusalems in jüdische Hände nicht nur ein politisches oder militärisches Ereignis, sondern die lebendige und pulsierende Erfüllung uralter Prophetien:
„Freuet euch mit Jerusalem und jauchzet über sie, alle, die sie lieben! Frohlocket mit ihr im Jubel, alle, die über sie getrauert haben.“ (Jesaja 66,10)
Gerade nach zweitausend Jahren der Zerstreuung war es die Sehnsucht nach Jerusalem, die unsere Identität bewahrte. Und gerade bei unserer Rückkehr zu ihr haben wir erkannt, wie sehr sie noch immer „der Ort ist, den der Ewige erwählen wird“. Auch wenn sie in der Tora nicht ausdrücklich genannt wird, lebt sie in der jüdischen Seele. Jerusalem lebt immer zwischen Prophetie und Wirklichkeit.
Und in dieser Stunde kämpfen unsere Feinde darum, die jüdische Verbindung zu Jerusalem zu leugnen. Sie versuchen, Geschichte umzuschreiben und unsere Souveränität zu bestreiten. Doch genau dieses Schweigen der Tora, das Fehlen des Namens „Jerusalem“ in den ersten fünf Büchern Moses, hallt gerade jetzt als Ausdruck von Stärke wider. Sie verschwand nur, um in jeder Generation aufs Neue erwählt zu werden.
Die Propheten sahen das Ziel der Reise voraus, denn der Prophet Sacharja (8,4–5) sagt:
„Es werden noch Greise und Greisinnen sitzen auf den Straßen Jerusalems … und die Straßen der Stadt werden voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen.“
Und gleichzeitig gaben sie uns die göttliche Zusage: „Ich werde dich nicht vergessen.“
„Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Und wenn sie ihn vergäße – ich werde dich nicht vergessen.“ ((Jesaja 49,15))
Auch wenn ihr Name nicht in der Tora geschrieben steht – er ist eingeschrieben in das Herz des Volkes.
Und heute, da das erbaute Jerusalem Vergangenheit und Ewigkeit verbindet, Erde und Heiligkeit, Realität und Prophetie, leben wir inmitten der Frucht jenes anfänglichen Verbergens, das zur Offenbarung wurde. Jerusalem ist der Ort, den „der Ewige erwählt hat“, und diese Stätte wird Gott niemals vergessen. Jerusalem ist mehr als eine Stadt – sie ist das irdische Abbild der himmlischen Stadt Gottes (Jesaja, Offenbarung), ein Ort göttlicher Gegenwart. So heißt es auch im Psalm (132,13):
„Denn der Herr hat Zion erwählt, er hat sie zu seiner Wohnung begehrt.“
Tacheles – es ist ein Vorrecht, in Gottes Wohnung zu leben!
Testet euer Bibelwissen zu Jerusalem – und gewinnt Preise von israelheute.com und JLMBox.de!





Ja, das irdische Jerusalem (als Stadt) wird für das Volk Israel erst ein Thema mir Beginn der Landnahme unter Josua und der damit beginnenden Erfüllung der Verheißung des Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Josua Kapitel 10:
1 Als aber Adoni-Zedek, der König von Jerusalem, hörte, dass Josua Ai erobert und an ihm den Bann vollstreckt und mit Ai samt seinem König getan hatte, wie er mit Jericho und seinem König getan hatte, und dass die von Gibeon Frieden mit Israel gemacht hätten und mitten unter ihnen wohnten, 2 fürchteten sie sich sehr; denn Gibeon war eine große Stadt wie eine der Königsstädte und größer als Ai, und alle seine Männer waren Helden. 3 Und Adoni-Zedek, der König von Jerusalem, sandte zu Hoham, dem König von Hebron, und zu Piram, dem König von Jarmut, und zu Jafia, dem König von Lachisch, und zu Debir, dem König von Eglon, und ließ ihnen sagen: 4 Kommt herauf zu mir und helft mir, dass wir Gibeon schlagen; denn es hat mit Josua und den Israeliten Frieden gemacht. …
Weshalb sollte Jerusalem in der Tora erwähnt werden, wenn die Tora am Sinai dem Volk Israel gegeben wurde und erst David die Jebusiter bekämpft und Jerusalem erobert hat?