Umstrittene Rückkehr in den Alltag

Besonders im Ausland scheinen sich viele Menschen über Israels Umgang mit der Corona-Krise aufzuregen. In den Netzwerken gab es einige Reaktionen, die mich sehr schockiert haben.

Umstrittene Rückkehr in den Alltag
Miriam Alster/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Es ist schon Dienstag. Wie ich ihnen bereits im vergangenen Sommer schrieb, gilt dieser Tag hier bei uns als ein besonders guter Tag, oder wie wir auf Hebräisch sagen: “paamaim ki tov“ (פעמיים כי טוב), also doppelt so gut. Ich denke an vielen Dienstagen daran, keine Ahnung, warum. Und dann war dieser Tag tatsächlich sehr oft ein sehr schöner Tag. Und so könnte es auch heute wieder sein. Immerhin ist dieser Dienstag der dritte Tag, an dem alle Geschäfte wieder geöffnet sind, an dem man wieder ins Schwimmbad gehen oder sich eine Vorstellung ansehen kann. In den Nachrichten werden mit großer Aufregung Bilder von vollen Einkaufszentren, den ersten Konzerten israelischer Sänger oder die Öffnung der Fitnesscenter und Schwimmbäder gezeigt. 

Es kann wieder “geshoppt” werden, wie hier im Dizengoff Center in Tel Aviv

Ich gebe zu, auch ich war emotionell berührt von dieser gewissen Rückkehr in ein fast normales Alltagsleben. Sie sehen, ich bin noch etwas vorsichtig mit der Wahl meiner Worte. Denn ganz normal ist dieser neue Alltag eben noch nicht. In den Geschäften darf sich nur eine bestimmte Anzahl von Kunden befinden, der Rest muss nach wie vor am Eingang warten. In den Restaurants darf noch nicht gesessen werden, es ist weiterhin nur “Take Away” erlaubt. Das komische ist, dass wir uns schon fast an diesen Zustand gewöhnt haben.

Und dann ist da die Sache mit den Veranstaltungen und den Fitnesscentern und Schwimmbädern. Diese sind zwar offen, aber eben nicht für alle, darüber hatte ich Ihnen ja schon am Sonntag geschrieben. Auf unserer Facebookseite hatte dieser Bericht sehr viele Reaktionen und zum Teil heftige Diskussionen ausgelöst.

Endlich sind die Schwimmbäder wieder geöffnet – aber nicht für alle.

Ja, so ist es leider. Nicht alle haben diese neue Freiheit zurückbekommen. Nur diejenigen, die bereits zweimal geimpft wurden, können die Rückkehr in den Alltag voll genießen. Eine umstrittene Regelung, das gebe ich zu. Allerdings ist mir aufgefallen, dass sich die Menschen im Ausland viel mehr daran stören als wir Israelis. Aber natürlich gibt es auch bei uns Gegner der Corona-Maßnahmen und auch der Impfungen. Über Israel wurde in den ausländischen Medien in den letzten Tagen sehr oft berichtet. Ich sah einen Bericht der ARD, diesen hier:

Auf Facebook las ich  dann sehr viele Reaktionen, zum Teil auch einige sehr unschöne, wie Israel, oder auch die  Juden, hätten aus der Geschichte wohl nichts gelernt, war ein Kommentar, den ich mehrere Male finden konnte. Noch schlimmer war der Vorschlag, dass man die Nicht-Geimpften ja besser gleich mit einem Stern kennzeichnen könnte. Ich gebe zu, ich war entsetzt. Jedes weitere Wort ist wohl überflüssig. Vergleiche mit den Ereignissen des Holocaust ist ein absolutes No-Go.

Diese Corona-Krise ist für uns alle auf der Welt noch immer etwas, mit dem wir nie zu tun hatten. In allen Ländern wird versucht, damit klar zu kommen. Wir sollten diesen Versuchen eine Chance geben. Übrigens liegt für das am Donnerstag beginnende Purim-Fest eine nächtliche Ausgangssperre in der Luft. Darüber soll heute jedenfalls in der Regierungssitzung entschieden werden

So, und nun zurück zum Dienstag, es soll doch ein guter Tag sein. Und das wird er auch, jedenfalls bei uns. Wir werden heute Besuch von unserem Sohn aus Tel Aviv bekommen und auch unser jüngster Sohn wird nach Hause kommen, er hat sich zwei Tage Urlaub von seinem Armeedienst genommen. Und so werden wir heute, Mitten in der Woche, mit der ganzen Familie zusammen sein. Also, wenn das kein guter Dienstag ist. Und nun das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Im Süden und im Zentrum des Landes soll es heute wieder regnen und auch etwas donnern. Dabei weht ein starker östlicher Wind. Im Norden wird es etwas wärmer. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 13 Grad, Tel Aviv 22 Grad, Haifa 19 Grad, Tiberias am See Genezareth 23 Grad, am Toten Meer 22 Grad, Beersheva 18 Grad, Eilat am Roten Meer 26 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um zweieinhalb Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,34  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen noch 54 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Name, meiner Kollegen von Israel Heute wünsche ich ihnen einen angenehmen und doppelt so guten Dienstag. Noch haben wir die Corona-Krise nicht hinter uns, wir müssen uns noch etwas gedulden. Machen Sie es gut und bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Modiin!

 

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