Israel Heute Morgen – Ruhe bis zur nächsten Runde

Im Süden ist wieder die Ruhe eingekehrt. Doch dafür musste wohl erst ein israelischer Soldat ums Leben kommen. Ein trauriges Wochenende, das mit der Hoffnung auf eine bessere Zeit und der Erinnerung an die Zerstörung des Tempels zu Ende ging. Heute ist „Tisha b’Av“,

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Guten Morgen liebe Leser!

Das war wohl nichts mit dem ruhigen Wochenende. Das heisst, der Shabbat war ein ruhiger Shabbat, ohne Ballons, Drachen und Raketen. Die Bewohner im Grenzgebiet zum Gazastreifen konnten den so ruhigen Shabbat sogar am Zikim-Strand verbringen der sonst immer geschlossen wurde, wenn es unruhig war. Aber dieser ruhige Shabbat hat niemanden bei uns glücklich gemacht, nachdem am Freitag der 20-jährige israelische Soldat Aviv Levi am Grenzzaun von arabischen Scharfschützen erschossen worden war.

Als am Freitag im Fernsehen von intensiven Angriffen der israelischen Luftwaffe berichtet wurde, waren wir uns alle sicher, dass es jetzt losgeht, die Operation im Gazastreifen, ein neuer Gazakrieg. Die Angriffe wären eine Reaktion auf einen Vorfall am Grenzzaun, hieß es in den ersten Meldungen. Arabische Scharfschützen hätten auf eine Gruppe israelischer Soldaten geschossen. In allen israelischen TV-Sendern gab es Sondersendungen, die Experten und hochrangigen Journalisten waren im Studio und sprachen über die Situation im Süden und die mit hoher Wahrscheinlichkeit nun beginnenden Offensive der israelischen Armee im Gazastreifen. Zu der Zeit wurde noch nicht vom Tod eines israelischen Soldaten berichtet, stattdessen sprach man von einem „schweren Zwischenfall“ am Grenzzaun (Einzelheiten über die Ereignisse am Wochenende in unseren Nachrichten). Da wir schon etwas Erfahrung mit Meldungen dieser Art haben, befürchtete ich, dass vielleicht ein Soldat gefallen sein könnte. Denn man sprach in der Meldung noch nicht einmal darüber, ob es Verletzte gegeben hat. Und das ist immer ein schlechtes Zeichen. Erst nach Mitternacht in der Nacht zum Shabbat wurde berichtet, dass ein israelischer Soldat durch die Schüsse am Grenzzaun ums Leben gekommen wäre. Als ich dann ins Bett ging, war ich mir sicher, dass wir jetzt vor einem neuen Gazakrieg stehen.

Doch als ich früh morgens am Shabbat dann den Fernseher einschaltete, war ich zunächst überrascht, dass ein neuer Waffenstillstand verkündet worden war. Die Bürger könnten mit dem alltäglichen Leben fortfahren, der Strand in Zikim wurde wieder geöffnet. Ein ruhiger Shabbat konnte beginnen.

Im Süden ist gestern wieder der Alltag zurückgekehrt, der Zikim-Strand (Foto: Tomer Neuberg/Flash90)

Die Angriffe der israelischen Luftwaffe scheinen die Hamas wohl doch etwas gestresst haben, so dass sie um eine Pause gebeten haben, vielleicht so eine Art “Time Out”. Gestern Abend wurde dann der Name des gefallenen Soldaten bekanntgegeben, Aviv Levi. Einerseits sollte man jetzt vielleicht zufrieden sein, dass es nicht zu einem neuen Krieg im Gazastreifen gekommen ist, doch so richtig glücklich ist wohl niemand. Der Tod des jungen Soldaten scheint sinnlos gewesen zu sein. Wenn wir dadurch jedenfalls die Hamas endgültig in die Knie hätten zwingen können, andererseits wären bei einer Operation im Gazastreifen vielleicht weitere israelische Soldaten ums Leben gekommen. So sollten wir vielleicht doch zufrieden damit sein, dass es jetzt ruhig ist im Süden, bis zur nächsten “Runde”. Der Geruch der verbrannten Erde wird uns jedoch noch eine ganze Weile begleiten. Hoffentlich wird der Süden bald wieder grün werden.

Doch wir haben Sommer und in den nächsten Tagen soll es wieder deutlich wärmer werden, nachdem wir gestern und heute früh eine angenehme leichte Abkühlung verspüren konnten. Bis der Süden also wieder grün wird, wird es eine Weile dauern.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter bis wolkig mit für die Jahreszeit etwas zu niedrigen Temperaturen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 30 Grad, Tel Aviv 30 Grad, Haifa 29 Grad, Tiberias am See Genezareth 37 Grad, am Toten Meer 38 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 38 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.845 m unter dem Meeresspiegel.

Jetzt haben wir wieder Zeit, uns mit anderen Problemen auseinanderzusetzen. Es gibt genug. Heute ist Tisha b’Av, der Tag, an dem wir der Zerstörung des ersten und zweiten Tempels gedenken. Cafes, Restaurants und Vergnügungsstätten waren schon gestern Abend geschlossen. Dieser Tag wird auch dazu verwendet, miteinander zu sprechen, über ´gute Taten für Freunde und die Akzeptanz des Anderen. An vielen Orten finden heute Gesprächskreise statt. Eigentlich sollte jeder Tag so sein, an dem wir in uns hineinschauen und über unser Leben und unsere Beziehungen zu anderen nachdenken, auf Hebräisch wird das “Cheshbon Nefesh” genannt, die “Abrechnung mit der Seele”. So wünsche ich Ihnen nun einen angenehmen Sonntag, versuchen auch Sie, etwas “Cheshbon Nefesh” zu machen, wir alle sollten versuchen, den Anders Denkenden und Glaubenden mehr zu akzeptieren. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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