D er hebräische Aphorismus shiv’im punnim laTora – „Siebzig Facetten hat die Thora“ – taucht im Mittelalter auf. Das Konzept existierte jedoch schon Jahrhunderte zuvor. Hier wird dem Gedanken Ausdruck verliehen, dass es eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten der Thora [Pentateuch] gibt, die dann auf den gesamten Tanach angewandt werden können, also auf die Gesamtheit der hebräischen Schriften.
Die im masoretischen Text vorhandenen Vokalpunkte und Kantillationszeichen, die Ende des ersten Jahrhunderts von den Masoreten, einer Gruppe Schriftgelehrter aus Tiberias, eingeführt worden waren, darf als Beispiel einer Interpretation eines „nackten Textes“ herhalten. Die Einführung der Punkte und Zeichen diente dabei vordergründig der korrekten Lesung genannter Texte. Hierbei wird auch davon ausgegangen, dass sich die Masoreten auf die Tradition korrekter Lesart stützten, die über Jahrhunderte weitergegeben worden war und wahrscheinlich bis zur Zeit Esras zurückgeht.
Man beachte die Betonung des Wortes vordergründig. Die Kantillationszeichen mögen sehr wohl die Akzentuierung zur Verfügung stellen, jedoch fehlen dem Text Hilfszusätze wie Ausrufe- oder Fragezeichen. Im Beispiel des Bibelverses unten bliebe, auch wenn...
Werden Sie Mitglied
-
Alle Mitglieder-Inhalte lesen
Zugang zu exklusiven, ausführlichen Berichten aus Israel!
-
Kostenlose Zoom-Veranstaltungen
Verbinden Sie sich mit Israel, direkt von Zuhause aus!
-
Jetzt eine Stimme der Wahrheit und Hoffnung erheben
Unterstützen auch Sie den zionistischen Journalismus in Jerusalem!
Schon Mitglied? Hier anmelden.




