Katars staatlich finanzierter Fernsehsender Al Jazeera nutzt seine digitalen Tochterplattformen, um die Wahrnehmung junger Amerikaner von Israel, Gaza und dem weiteren Nahen Osten zu prägen. Das geht aus öffentlichen Dokumenten sowie der Beobachtung der Online-Plattformen des Senders hervor.
Im Zentrum dieser Bemühungen steht AJ+, die auf soziale Medien ausgerichtete Videoplattform von Al Jazeera, die 2014 gegründet wurde, um ein junges Publikum auf Plattformen wie Instagram, TikTok, YouTube, Facebook und X zu erreichen. Das Projekt wurde für kurze, leicht teilbare Inhalte im Stil von Aktivistenkampagnen entwickelt und stellt Israel häufig mit Begriffen wie Kolonialismus, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen dar.
Der Sender präsentiert sich als unabhängiges journalistisches Medium. Das US-Justizministerium kam jedoch 2020 zu dem Schluss, dass AJ+ sich nach dem Foreign Agents Registration Act registrieren müsse. Es stellte fest, dass das Al Jazeera Media Network von Katar kontrolliert und finanziert werde und dass AJ+ in den Vereinigten Staaten im Auftrag eines ausländischen Auftraggebers politische Aktivitäten ausübe.
Durch diese Einstufung wurde die Plattform eher dem Bereich ausländischer Einflussnahme als gewöhnlichen inländischen Medien zugeordnet. Für Kritiker ist dieser Unterschied von zentraler Bedeutung: AJ+ sei nicht lediglich ein weiteres Online-Nachrichtenportal im Wettbewerb um Klicks, sondern Teil eines staatlich unterstützten Kommunikationssystems, das von einer der wohlhabendsten Regierungen der Welt finanziert werde.
Katar hat erhebliche Mittel investiert, um seinen weltweiten Einfluss durch Medien, Bildung, Diplomatie und kulturelle Einrichtungen auszubauen. Berichten zufolge verfügte AJ+ bereits bei seiner Gründung über ein Budget in Millionenhöhe, während Katars umfassenderes Einflussnetzwerk in den Vereinigten Staaten – einschließlich Partnerschaften mit Universitäten und Maßnahmen der öffentlichen Diplomatie – im Laufe der Jahre weitaus größere Summen umfasste.
Das Thema Israel gehört zu den beständigsten Schwerpunkten des Senders. Inhalte von AJ+ stellen häufig palästinensische Narrative in den Mittelpunkt, werfen Israel systematischen Missbrauch vor und widmen dem Terror der Hamas, dem Massaker vom 7. Oktober oder den vom Iran unterstützten bewaffneten Terrorgruppen, die den Konflikt prägen, nur begrenzte Aufmerksamkeit.
Die Plattform war zudem wiederholt Gegenstand von Kontroversen. Im Jahr 2019 suspendierte Al Jazeera zwei Mitarbeiter von AJ+, nachdem ein arabischsprachiges Video nahegelegt hatte, Juden hätten das Ausmaß des Holocaust übertrieben. Dies löste internationale Verurteilung aus.
Das Ergebnis ist eine wirkungsvolle und zugleich irreführende Medienpipeline: Von Katar finanzierte Botschaften werden für westliche progressive Zielgruppen aufbereitet und direkt auf die Smartphones amerikanischer Studenten verbreitet.




