Israel

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Israel Heute Morgen

Gestern früh hatte ich mich noch über etwas frische Luft und eine leichte Abkühlung gefreut, am Nachmittag war davon nichts mehr zu spüren. Ein paar Worte über Tisha Be Av, dem Tag, an dem wir der Zerstörung der Jüdischen Tempel gedenken, weswegen ich fast meinen Bus verpasst hätte, ein Lauf um die Mauern der Altstadt und natürlich das Wetter für heute in Israel.

Guten Morgen liebe Leser!

Gestern früh hatte ich mich noch über etwas frische Luft und eine leichte Abkühlung gefreut, am Nachmittag war davon nichts mehr zu spüren. Als ich gestern die Redaktion verließ und meinen Fußmarsch zu meinem Bus nach Modiin begann, wurde ich von einem Schwall heißer Luft empfangen. Um so mehr freute ich mich über die ausgezeichnete Klimaanlage im Bus. Aber als ich dann in Modiin ausstieg ,war es noch heißer als in Jerusalem. Nach fünf Minuten zu Fuß kam ich dann völlig durchgeschwitzt zuhause an und suchte sofort die Fernbedienung unserer Klimaanlage.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter. Überdurchschnittlich heiß und trocken im Landesinneren und in den Bergen. An der Küste schwül. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 33 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 30 Grad, Tiberias am See Genezareth 40 Grad, am Toten Meer 41 Grad, Eilat am Roten Meer 42 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist seit gestern um zwei Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.61 m unter dem Meeresspiegel.

Heute früh hätte ich fast meinen Bus nach Jerusalem verpasst. So etwas passiert mir eigentlich nie, die berühmte deutsche Pünktlichkeit ist auch nach 29 Jahren in Israel immer noch ein Teil von mir. Mein Bus erreicht meine Busstation immer so gegen 6:50 Uhr. Daher bin ich immer schon um 6:45 Uhr an der Station. So habe ich mir auch heute noch eine Tasse Kaffe gegönnt und ein wenig die Zeitung durchgeblättert. Es war kurz nach halb sieben. Ich plante, wie immer um zwanzig vor aus dem Haus zu gehen. Die Haltestelle ist gerade mal 5 Gehminuten von mir entfernt. So nahm ich also in aller Ruhe einen Schluck aus meiner Kaffeetasse. Dann schaute ich auf mein Handy, dort habe ich eine App, die mir die Buszeiten in Echtzeit meldet. „Buslinie 114 in 5 Minuten“ stand da plötzlich auf meinem Display. Vor Schreck hätte ich mich fast verschluckt, sprang dann von meinem Sofa, stieg in meine Sandalen, Rucksack auf den Rücken und raus. Draußen gesellte ich mich dann zu den dort rennenden Joggern, ich rannte. Dann schaute noch einmal auf mein Handy. Noch 2 Minuten. Dabei war es doch gerade erst zwanzig vor sieben. Als ich mich der Haltestelle näherte, drosselte ich die Geschwindigkeit, da ich zwei Menschen sah, die noch auf den Bus warteten. Um diese Zeit sind es immer dieselben Menschen. Kaum hatte ich atemlos die Haltestelle erreicht und meine Mitfahrer begrüsst, kam auch schon der Bus um die Ecke. Unglaublich. Ich fragte den Fahrer, warum er heute so schnell gewesen wäre. „Der Bus ist fast leer“, sagte er. „Tisha be Av.“

Ich wusste ja, dass heute Tisha Be Av ist, der Tag, an dem wir der Zerstörung der Tempel gedenken. Gestern hatten die Geschäfte daher alle schon gegen 19 Uhr geschlossen. Aber dass der Bus deswegen fast leer war? Daran hatte ich nicht gedacht. Viele nehmen sich frei an diesem Tag. Tisha Be Av ist der traurigste Tag im Jüdischen Kalender. Vor genau 1949 Jahren wurde der zweite Tempel zerstört, das Jüdische Volk aus seinem Land vertrieben. Tisha Be Av ist ein Tag der Trauer. Es wird gefastet. gestern Abend versammelten sich tausende an der Klagemauer, viele verbrachten auch die Nacht dort, schliefen auf dem Boden, auf den Steinen, so wie man auch in der Trauerwoche nach dem Tod eines Familienmitglieds auf dem Boden sitzt. Auch darf man sich an diesem Tag, wie auch am Jom Kippur, nicht waschen und rasieren. Jede Körperpflege ist verboten. Lederschuhe sind verboten, man trägt Schuhe aus Stoff . Wer nicht so gerne auf dem Boden sitzt, darf sich auf einen niedrigen Stuhl setzen.

Gestern Abend an der Klagemauer (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

Tisha Be Av hat sich auch zu einem allgemeinen Tag der Trauer entwickelt, an denen man auch anderer traurigen Ereignissen gedenkt. Auch soll man an diesem Tag mit sich selbst abrechnen. Am Abend des Tisha Be Av werden oft Treffen verschiedener Sektoren veranstaltet, um sich näher zu kommen, gegen den Hass zu kämpfen, denn dieser sinnlose Hass soll damals zur Zerstörung des zweiten Tempels geführt haben. So ist dieser Tag ein Tag des Zusammenkommens. Der Kabbalah zufolge hat der Tisha Be Av also auch eine andere Bedeutung. Wir trauern nicht nur wegen der Zerstörung des Tempels, der Steine, sondern auch wegen der Zerstörung unseres Herzens, der Beziehungen unter den Menschen. An diesem Tag sollen wir in uns schauen., auf die Beziehung zwischen uns als einzelne und als Teil eines Volkes. Der Kabbalah zufolge hätten wir am Tisha Be Av auch die gegenseitige Rücksichtnahme verloren, und seitdem fällt es uns schwer, sie wiederzufinden. So scheint dieser Tag wichtig zu sein für den Wiederaufbau. Erst mussten wir alles verlieren, um dann wieder zu uns zu finden. Ein interessanter Gedanke.

Gestern Abend fand bereits zum 23. Mal der Lauf um die Mauern der Altstadt Jerusalems statt. Organisiert wird dieser Lauf von der Organisation „Frauen in Grün“, die 1993 nach dem Unterzeichnen der Osloer Verträge ins Leben gerufen wurde. Damals demonstrierten Frauen mit einer grünen Mütze gegen das Osloer Abkommen und gegen ein Israel innerhalb der grünen Linie (daher die grüne Mütze). Die haben sich dem Ziel gewidmet, das biblische Heimatland zu beschützen. Ihr Motto ist „Das Land Israel dem Volk Israel“. Wegen der angespannten Lage in Jerusalem seit den letzen zwei Wochen, hatte die Polizei den Lauf erst kurze Zeit vor dem Beginn genehmigt. Ihr war bekannt, dass unter den Arabern Aufrufe verteilt worden waren, den Lauf zu stören. Trotz der Drohung entschied sich die Polizei am Ende, den Lauf stattfinden zu lassen. Mehrere tausend Menschen nahmen daran teil. Der Lauf begann in der Stadt und von da ging es dann zu den Toren der Altstadt. Am Löwentor, jenem Tor, das in der letzten Woche Schauplatz der Unruhen war, gab es eine Kundgebung.

Zum 23. Mal fand gestern der Lauf um die Mauern der Jerusalemer Altstadt statt.

Viele Israelkritiker werden jetzt sicher sagen,dieser Lauf sei nichts anderes als eine Provokation. Sie verstehen nicht die Beziehung des Jüdischen Volkes zum Tempelberg, auch die UNESCO hat diese Beziehung ja für nichtig erklärt. Es gibt sogar Stimmen, die sagen, es sei überhaupt nicht sicher, dass der Tempel überhaupt auf dem Tempelberg gestanden hätte. Ich werde mich dazu nicht äußern. Wo man auch gräbt in Jerusalem und anderswo in Israel, findet man Spuren jüdischen Lebens. Der Lauf ist friedlich vonstatten gegangen.

Und zum Schluss noch eine Bemerkung zu einem Kommentar von gestern. Mir wurde geschrieben, dass sich meine Stadt Modiin in der sogenannten Westbank befinden würde, ich demnach ein Siedler sei und daher mein 16 jähriger Sohn schon von der Armee erfasst werden würde. Ich habe keine Ahnung, wie er dazu kam, Modiin liegt innerhalb der vorhin erwähnten grünen Linie, in den international anerkannten Grenzen. Das nur zur Information.

Heute gedenken wir also der Zerstörung der Tempel, der Vertreibung der Juden aus Israel. Jetzt sind wir wieder da. Ich wünsche mir, dass wir uns nach diesem Tag mehr zusammengehörig fühlen würden, ohne Streit und ohne Hass. „Am Israel Chai“ (Das Volk Israel lebt). Auch Ihnen wünsche ich einen angenehmen und friedlichen Dienstag, seien sie nett zueinander. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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Patrick Callahan

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