Israel hat seine Maßnahmen gegen die Hisbollah im Südlibanon verschärft und zwei Mitglieder der Terrororganisation gezielt ausgeschaltet. Gleichzeitig führte die israelische Armee ihr größtes Militärmanöver seit Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023 durch – ein deutliches Signal, dass trotz Waffenstillstand die Lage im Norden weit von Entspannung entfernt ist.
Nach Angaben der IDF wurde Ali Hussein al-Mousawi im Bekaa-Tal getötet. Er soll maßgeblich am Schmuggel von Waffen aus Syrien zur Hisbollah beteiligt gewesen sein. Kurz darauf wurde nahe Naqoura Abd Mahmoud al-Sayed ausgeschaltet, der laut israelischem Militär für Rekrutierungsnetzwerke, Geldflüsse und Kontakte zwischen Hisbollah-Zellen und der Zivilbevölkerung im Südlibanon verantwortlich war. Israel wertet beide als zentrale Figuren beim Versuch der Hisbollah, ihre Infrastruktur südlich des Litani-Flusses wieder aufzubauen – entgegen der Vereinbarungen des Waffenstillstands vom November 2024.
🔴ELIMINATED: The IDF conducted precise, intelligence based strikes in southern Lebanon, eliminating:
• Ali Hussein Al-Mousawi, a terrorist in charge of weapons purchasing & smuggling between Syria to Lebanon for the Hezbollah terrorist organization
• Abd Mahmoud Al-Sayed, a… pic.twitter.com/BGUEcxOXei— Israel Defense Forces (@IDF) October 26, 2025
Parallel dazu meldete die IDF den Abschluss einer fünftägigen Großübung entlang der Grenze zum Libanon. Geleitet von der 91. Division und dem National Ground Training Center simulierte das Manöver extreme Verteidigungsszenarien, die schnelle Mobilisierung von Reservisten und den Übergang zu Offensivoperationen. Es war das umfangreichste Training seit dem 7. Oktober 2023 und basierte auf Erfahrungen aus fast zwei Jahren gleichzeitiger Kämpfe in mehreren Einsatzgebieten.
Obwohl Israel die meisten Bodentruppen nach Kriegsende abgezogen hat, kontrolliert die Armee weiterhin fünf strategische Positionen im Südlibanon. Regierungsvertreter in Jerusalem betonen, dass ein Rückzug erst erfolgen werde, wenn die libanesische Armee nachweislich in der Lage sei, die Sicherheit zu gewährleisten und die Rückkehr der Hisbollah an die Grenze zu verhindern.
Der libanesische Außenminister Youssef Raggi erklärte am 9. September, die Streitkräfte würden innerhalb von drei Monaten die Hisbollah im Süden entwaffnen. Doch nur wenige Tage später trat der stellvertretende Hisbollah-Chef Naim Qassem im Fernsehsender Al-Manar auf und widersprach vehement. Der Besitz von Waffen sei ein „legitimes Recht des Widerstands“. „Selbst wenn uns nur unsere Fingernägel oder ein Stock bleiben – wir hören nicht auf“, sagte er.
Diese widersprüchlichen Aussagen zeigen das Dilemma im Libanon: Die Regierung verpflichtet sich offiziell zur Umsetzung der UN-Resolution 1701 von 2006 – sie fordert die Entwaffnung der Hisbollah, den Einsatz der libanesischen Armee und von UNIFIL im Süden. In der Realität aber fehlt Beirut die Macht, die vom Iran unterstützte Organisation zu kontrollieren. Israel handelt daher eigenständig – aus seiner Sicht aus reiner Verteidigung.
Aus Washington kam unterdessen Unterstützung: US-Präsident Donald Trump genehmigte 230 Millionen Dollar für die libanesischen Sicherheitskräfte. Laut dem US-Außenministerium soll die Hilfe dazu beitragen, die libanesische Souveränität zu stärken und die Resolution 1701 vollständig umzusetzen – als „einzigen realistischen Rahmen für dauerhafte Sicherheit für Libanesen und Israelis“. In Jerusalem begegnet man solchen Zusagen jedoch mit Skepsis. Ohne Kontrolle vor Ort blieben Resolutionen wirkungslos.
Die Hisbollah hat bislang keine großangelegte Vergeltung angekündigt. Beobachter gehen davon aus, dass die Organisation einen offenen Konflikt vermeiden will, während sie ihre Fähigkeiten im Verborgenen weiter aufbaut. Gleichzeitig ist die Botschaft aus Israel eindeutig: Waffenruhe auf dem Papier bedeutet keinen Verzicht auf Selbstverteidigung. Der Norden ist ruhig – aber es ist die Ruhe eines „Krieges zwischen den Kriegen“, in dem ein einziger Funke ausreichen kann, um alles neu zu entflammen.




