Iranischer Oberrabbiner: Israel repräsentiert nicht das Judentum

Israelis persischer Herkunft sagen, iranische Juden hätten keine andere Wahl, als diesen Hass für ihr eigenes Überleben zu zeigen.

Iranischer Oberrabbiner: Israel repräsentiert nicht das Judentum
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Inmitten der wachsenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran hat sich nun der Oberrabbiner in der Islamischen Republik zu Wort gemeldet. Und er ist ganz und gar nicht auf der Seite des jüdischen Staates.

Rabbiner Yehuda Gerami dient als Oberrabbiner der verbleibenden jüdischen Gemeinde im Iran. Anlässlich des Quds-Tages, einem alljährlich von den Ayatollahs veranstalteten anti-israelischen Fest, wurde Rabbi Gerami gebeten, die folgende an Israel gerichtete Fernseherklärung auf Hebräisch abzugeben:

“Wir iranischen Juden wollen diese Botschaft an die Zionisten und in erster Linie an Netanjahu senden. Wisset, dass ihr Zionisten weder das Judentum noch das jüdische Volk repräsentiert. Sie repräsentieren nur die Idee einer politischen Bewegung, deren Ideen und Werte den Ideen und Werten unserer heiligen Thora und der jüdischen Religion entgegenstehen. Wir verurteilen ihre aggressiven Handlungen auf das Schärfste und betonen dies gegenüber der ganzen Welt: Es besteht ein großer Unterschied zwischen Judentum und Zionismus.”

Auch Irans einziger jüdischer Parlamentarier, Moreh Sedgh, markierte den hasserfüllten Feiertag, indem er den jüdischen Staat als “Katastrophe des Zionismus” beschimpfte und die Juden auf der ganzen Welt dazu aufrief, sich gegen Israel zu erheben.

Solche Äußerungen von jüdischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Iran sind nicht ungewöhnlich. Man könnte annehmen, dass die dortigen Juden einfach Angst haben, irgendetwas anderes zu sagen. Doch auch wenn Gerami und der Abgeordnete Sedgh persönlich Israel hassen, versichern iranischstämmige israelische Juden immer wieder, dass die Mehrheit der jüdischen Menschen im Iran den jüdischen Staat lieben.

Rani Amrani betreibt Radio Ran, einen israelischen Sender, der in persischer Sprache sendet. In einem Interview mit dem ultra-orthodoxen Nachrichtenportal Behadrei Haredim erklärte er kürzlich, warum die Juden, die im Iran verblieben sind, so oft als Gegner Israels gesehen werden:

“Sie haben Angst vor Antisemitismus und Verfolgung. Viele Male während der Demonstrationen zum Quds Tag kommen die Juden heraus und protestieren gegen Israel, weil sie befürchten, sonst schikaniert zu werden. Sie befinden sich in einer Situation, in der sie beweisen müssen, dass sie nichts mit dem Zionismus zu tun haben”.