Guten Morgen Israel – Zweiklassen-Gesellschaft?

Rückkehr ins Leben? Zum ersten Mal gibt es ab heute zwei verschiedene Gruppen von Bürgern, die „Geimpften“ und die „Nicht-Geimpften“.

Schnee Golan Foto: Anat Hermony/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Genau zwei Wochen nach dem Beginn des Ausstieges aus dem Lockdown beginnen wir heute den neuen Corona-Alltag. Alle Geschäfte und Einkaufszentren können heute nun endlich wieder öffnen, nachdem sie fast zwei Monate lang geschlossen waren. Auch Fitnesscenter, Schwimmbäder und Hotels sind ab heute wieder offen. Und nach fast einem Jahr können ab heute auch kulturelle Veranstaltung wie Schauspiele und Konzerte und Sportereignisse mit Publikum wieder stattfinden. „Rückkehr ins Leben“, nannte unser Gesundheitsminister Edelstein diese bedeutendste Lockerung der Einschränkungen seit Beginn der Coronakrise vor fast genau einem Jahr.

Heute werden wir sicher wieder Bilder wie dieses sehen. Die Einkaufszentren dürfen nach fast 2 Monaten wieder öffnen.

Aber, ja es gibt hier ein recht großes „Aber“, diese zurückgewonnene Freiheit gilt nicht für alle Bürger Israels. Wohl können alle wieder Geschäfte, Einkaufszentren und sogar Museen und Büchereien besuchen, natürlich unter den Bedingungen des sogenannten „Violetten Abzeichens“ (Tav Sagol), also 2 Meter Abstand, Maske und nur eine bestimmte Anzahl von Kunden im Geschäft, aber z.B. Konzerte, Sportveranstaltungen, Fitnesscenter und Hotels sind nur den bereits gegen Corona zweimal geimpften Israelis vorbehalten. Ja, so ist es. Es ist das erste Mal, dass es hier bei uns offiziell zwei verschiedene Sorten von Bürgern gibt, die Geimpften und die Nicht-Geimpften. Klingt irgendwie problematisch, oder?

Ja, das mag sein. Auch wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass es Menschen gibt, die nicht geimpft werden können, auch wenn sie es wollten. Darunter sind auch die Kinder, die ja bekanntlich von der Impfaktion ausgeschlossen sind. Wir leben nun mal leider in einer problematischen Zeit, niemand weiß wirklich, wie man mit dieser Krise, mit diesem verflixten Virus umgehen soll. Auch nach fast einem Jahr wissen wir einfach nicht genug darüber. Und da sind wir ja nicht alleine. Bei uns kann man sich schon seit zwei Wochen die Haare schneiden lassen, während Sie in Deutschland darauf noch bis zum 1. März warten müssen. Wir sitzen alle im selben Boot, jeder Schritt, jede Maßnahme wird von irgendeiner Seite kritisiert. Vielleicht sollten wir uns einfach noch etwas gedulden und den Entscheidungsträgern, auch wenn es ihnen oft schwerfällt, Entscheidungen zu treffen, die Chance geben, zu versuchen, auf diesem Weg zu lernen, mit dem Virus zu leben. Es sollte klar sein, dass der heute beginnende Zustand, wo wir praktisch eine Zweiklassengesellschaft haben, nicht ewig dauern kann, darf und auch nicht wird.

Netanjahu und sein Gesundheitsminister Edelstein im Fitnesscenter. Der grüne Pass sei der Weg zur Öffnung des Landes.

Sie fragen sich sicher, wie das Ganze jetzt kontrolliert werden kann. Nun, wir Israelis lieben Technologien und unser Handy. Die Kontrolle über den Besuch in Fitnesscentern, Hotels oder Veranstaltungen soll über eine besondere App erfolgen, in der das neue sogenannte „Grüne Abzeichen“ gespeichert sein wird (Tav Jarok auf Hebräisch). Das bekommt man, online über diese neue App, die Ramzor heißt, also „Ampel“. Das Grüne Abzeichen ist dann einen Monat gültig, danach muss es neu über die App angefordert werden. Recht auf dieses Grüne Abzeichen haben gegen Corona geimpfte und von Corona genesene. Die Berechtigung, den Ort oder die Veranstaltung zu besuchen wird dann mit dem Barcode in der App kontrolliert werden. Doch, wie so oft, ist nicht alles so, wie man es gerne hätte. Die App hinkt noch ein wenig, viele haben es nicht geschafft, sich dieses Grüne Abzeichen zu besorgen. Daher wird in den kommenden zwei Wochen die Impfbescheinigung die Eintrittskarte für die „Rückkehr ins Leben“  werden. Na, ich bin gespannt, ob das alles so klappen wird, wie geplant. Auch, wenn ich die Sorgen verstehe, es sieht einfach nicht gut aus, wenn nicht alle Bürger die gleichen Rechte haben.

Auch am Strand von Tel Aviv kann man sich schnell impfen lassen.

Mir ist klar, das viele nicht einverstanden wein werden mit der Art und Weise, wie hier bei uns mit der Krise umgegangen wird. Auch ich sehe das alles mit gemischten Gefühlen. Warten wir einfach etwas ab. Schließlich gibt es auch gute Dinge, die ab heute wieder möglich sind. Wir können wieder einkaufen gehen und das eben nicht nur im Supermarkt oder im Drogeriemarkt, die einzigen Attraktion der letzten zwei Monate. Und auch das jetzt wieder sonnige Wetter lädt zu Ausflügen in unserem wunderschönen Land ein.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 12 Grad, Tel Aviv 17 Grad, Haifa 14 Grad, Tiberias am See Genezareth 17 Grad, am Toten Meer 18 Grad, Beersheva 17 Grad, Eilat am Roten Meer 22 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist am Wochenende um weitere sieben (!) Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,365  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 56,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Mit dieser optimistischen Meldung vom See Genezareth wünsche ich Ihnen im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute einen wunderbaren Sonntag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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