Guten Morgen Israel – Trübe Aussichten

Der Nebel der letzten Tage zeigt uns, wie hilflos wir sind. Corona hält uns weiter in Schach. Hauptsache wir bewahren einen klaren Kopf für die kommenden Wahlen.

Guten Morgen Israel – Trübe Aussichten
Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

In den letzten Tagen wird unser Land früh am Morgen und gegen Abend von einer zum Teil sehr dicken Nebeldecke  umhüllt. Als ich vorgestern die Rollläden öffnete, sah ich außer dem Nebel erstmal gar nichts. In den Medien wurden beeindruckende Bilder aus Tel Aviv gezeigt.

Dieser Nebel ließ mich über die Situation nachdenken, in der wir uns befinden. Wie hilflos wir doch sind, wenn uns die weite Sicht genommen wird. Und wir können nichts dagegen tun, außer abzuwarten, bis der Nebel sich langsam wieder auflöst und die Sonne wieder auf uns scheint. Wir müssen uns nur gedulden.

Wie geht es weiter? Nicht nur Tel Aviv liegt im Nebel.

Genau so, wie wir hilflos gegenüber dem Nebel sind, wissen wir eigentlich auch nicht, wie wir mit diesem Coronavirus (verzeihen Sie mir, dass ich immer noch darüber schreibe) fertig werden sollen. Morgen Abend um Mitternacht, also in der Nacht zum Freitag, beginnt bei uns ein strenger Lockdown, nachdem allen klar geworden war, dass der momentane Lockdown eigentlich überhaupt keiner war. Es hat wie immer sehr lange gedauert, bis sich unsere Regierung dazu entschieden hatte, aber das sind wir leider schon gewohnt. Entscheidungen werden meiner Meinung nach immer etwas zu spät gefällt.

Ich muss an die Inhaber der Geschäfte denken, die schon seit 10 Tagen geschlossen sind. Dieser bisherige “Fake-Lockdown” hat überhaupt nichts gebracht, die Zahl der Neuinfizierungen steigt immer weiter, jeden Tag wird ein neuer Rekord gebrochen. Hätte man vielleicht schon vor 1o Tagen gleich mit einem strengen Lockdown begonnen, wären wir heute vielleicht schon in einer etwas besseren Situation. Und diesmal hatten die Geschäftsinhaber sogar darum gebeten, einen kurzen aber strengen Lockdown durchzuführen, damit sie dann relativ schnell wieder ihre Geschäfte öffnen können. Aber da Entscheidungen hier immer auch politische Hintergründe haben, wurden die letzten 10 Tagen einfach für nichts verschwendet. 8164 neue Coronafälle wurden für gestern gemeldet.

Die Ladeninhaber sind verzweifelt. Makabrer Protest mit aufgehängter Schaufensterpuppe in Tel Aviv, gestern.

So langsam muss ich mich auch darüber nachdenken, wem ich bei den nächsten Wahlen meine Stimme geben soll. Die Auswahl dafür wird immer größer. Jeder meint, er hätte das Erfolgsrezept, Israel aus dieser verflixten Lage zu retten. Unter den neuen Parteien die wie Pilze aus dem Boden schießen, haben wir die “Neue Hoffnung” (Tikva Chadasha – תקווה חדשה) von Ex-Likudnik Gideon Saar, “Anschub” (Tnufa – תנופה) von Ofer Shelach, der sich von Jesh Atid und Jair Lapid getrennt hat, eine “Wirtschaftspartei” von Jaron Zalicha, einem früheren Generalbuchhalter des Finanzministeriums und schließlich “Die Israelis” (Ha Israelim – הישראלים) des amtierenden langjährigen Bürgermeisters von Tel Aviv, Ron Huldai. Dazu kommen die bereits bekannten Parteien, eine Riesenauswahl also, ein enormes Durcheinander, Balagan (בלגן) nennt man das auf Hebräisch.

Ron Huldai scheint sich allerdings nicht so sicher zu sein mit seiner Partei, denn er will seinen Posten als Bürgermeister nur verlassen, wenn er einen Sitz in der Knesset bekommt. Er scheint also nicht mit den ganzen Herzen dabei zu sein. Und was soll eigentlich der Parteiname “Die Israelis”? Sind die anderen keine echten Israelis? Eigentlich wurde über Tel  Aviv immer gesagt, die Menschen dort würden dort in einer Blase leben, im Land Tel Aviv. Sollen das die eigentlichen Israelis sein? Huldai möchte seine lokale Politik auf das gesamte Land ausbreiten. So sagte er in seiner Rede zur Parteigründung: “geschlossene Läden am Schabbat? Das sind wir nicht!”  In einer letzten Umfrage soll seine “Tel Aviv Partei” um die 6 Sitze in der Knesset bekommen, Aber wir wissen ja, wie das mit den Umfragen so ist. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass Huldai seinen Posten als Bürgermeister lieber noch nicht verlässt. Na gut.

Das Land Tel Aviv

Bis zu den Wahlen dauert es ja noch eine Weile, es kann noch viel geschehen. Ich glaube nicht, dass sich diese ganzen kleinen Parteien allein zur Wahl stellen werden. Wenn sie eine reale Chance haben möchten, dass müssen sie sich zusammentun. Na, ich bin gespannt.

Und nun bereiten wir uns auf den totalen Lockdown vor, für uns wird es eigentlich keinen Unterschied machen, wir sind eh meistens zu Hause. Es ist nur schade, dass wir unseren Sohn in Tel Aviv nicht treffen können. Aber da müssen wir durch. Und wir sind nicht allein, auch bei Ihnen ist es ja nicht anders, liebe Leser. Wir schaffen das. Morgen können wir uns auch darüber gerne unterhalten, an unserem Israel-Heute-Stammtisch. Ich freue mich auf Sie.

 

Das Wetter für heute in Israel

Nach Auflösung des Morgennebels wird es teilweise bedeckt sein mit ähnlichen Temperaturen wir gestern. Der Regen wird noch bis Mitte höchster Woche ausbleiben.  Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 19 Grad, Tel Aviv 22 Grad, Haifa 22 Grad, Tiberias am See Genezareth 25 Grad, am Toten Meer 25 Grad, Beersheva 25 Grad, Eilat am Roten Meer 28 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um anderthalb Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.935 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 113,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen trotz der nicht einfachen Situation einen angenehmen Tag. Machen Sie das beste daraus und bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Modiin!

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