Guten Morgen Israel – Dritter Lockdown?

Es ist ein tolles Gefühl, sich wieder frei bewegen zu können. Aber ist der dritte Lockdown nur eine Frage der Zeit?

Guten Morgen Israel – Dritter Lockdown?
Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Gestern haben wir unseren ersten Tag in der wiedergewonnen Freiheit genossen. Endlich konnte man wieder völlig grundlos durch die Stadt fahren, ganz egal, wie weit man sich vom eigenen Haus entfernt. Allerdings scheinen sich die Menschen noch an die neue Realität gewöhnen zu müssen, jedenfalls hier bei uns in Modiin. Denn als ich gestern Morgen unseren Sohn zum Treffpunkt fuhr, wo ein Bus der Armee auf ihn wartete, waren die Straßen fast leer. Das mag daran liegen, dass diejenigen, die wieder arbeiten dürfen, schon am frühen Morgen weggefahren sind. Denn die Geschäfte sind weiterhin geschlossen, es gibt also keinen Grund für viel Verkehr auf den Straßen. Dennoch war es ein anderes Gefühl, jetzt, wo wir wieder alleine entscheiden können, wohin wir fahren wollen. So empfand ich es jedenfalls, nachdem ich mich von meinem Sohn verabschiedet und ihm eine gute Woche in der Armee gewünscht hatte.

Gestern Abend haben wir dann, jetzt nur noch zu dritt, wie zu Zeiten des strengen Lockdowns, einen Spaziergang gemacht. Aber diesmal nicht in unserem Stadtviertel. Nein, jetzt, wo wir uns wieder so weit vom Haus entfernen dürfen, wie wir wollen, war klar, dass wir das ausnutzen mussten. Wir wollten diese neue Freiheit spüren. So fuhren wir mit dem Auto in unser neues Stadtzentrum (hier in Modiin wurden erst die Stadtteile gebaut und erst dann, mehr als 20 Jahre nach der Gründung der Stadt, das Stadtzentrum). Die meisten Gebäude stehen noch leer, es gibt kaum Geschäfte, niemand öffnet ausgerechnet im Coronajahr ein neues Geschäft. Aber das neue Stadtzentrum gefällt uns dennoch und ich bin sicher, dass es sich nach Corona schnell entwickeln wird. Auf der neuen Haupttrasse gibt es eine Promenade, wo es schon ein paar Restaurants gibt, die jetzt wieder Take Away anbieten können. Natürlich ist das nicht genug, es ist nicht einfach, unter diesen Bedingungen durchzuhalten. So haben wir uns entschlossen, einer Eisdiele zu helfen und etwas zu kaufen.

Spaziergang am Abend in Modiin ohne Einschränkungen

Wieder zu Hause angekommen war es dann Zeit für die Nachrichten im Fernsehen. Dort wurde schon über den dritten Lockdown gesprochen, der nach Meinung von fast 60 Prozent der Bürger und auch von Experten unvermeidlich ist und schon im Dezember passieren könnte. Denn schon jetzt sieht es so aus, als würden sich unsere Entscheidungsträger wieder mehr von der Politik beeinflussen lassen und scheinen nicht in der Lage zu sein, ihre eigenen Entscheidungen auch so auszuführen, wie beschlossen. Besonders kritisiert wurde die Öffnung der Jeschiwas in den orthodoxen Städten. Denn ausgerechnet dort ist die Infektionsrate noch sehr hoch, viele orthodoxe Städte gelten als “rote Städte”, wo die Einfahrten in die Stadt von der Polizei kontrolliert werden. Aber niemand will sich mit der orthodoxen Gemeinde anlegen. Gegen die Öffnung der Schulen dort wurde kaum etwas getan. In diesen Städten gilt das, was der Rabbi sagt und nicht die israelische Regierung.

Ein Kontrollpunkt der Polizei am Eingang in die orthodoxe Stadt Bnei Brak

Aber auch von der anderen Seite gibt es Druck. Die Geschäftsinhaber wollen nicht weitere vier Wochen warten, sie wollen schon in der nächsten Stufe der Lockerungen mit dabeisein. Einige Restaurants hatten schon gestern geöffnet, gegen die Anweisungen. Sie waren bereit, die Geldstrafe zu zahlen. Daher habe ich den Eindruck, dass unsere Politiker auch diesmal nicht dem Druck standhalten können, schließlich wird es irgendwann auch wieder Wahlen geben, da will man es sich doch nicht mit den potenziellen Wählern verderben, oder?

Ein Straßencafé in Tel Aviv. Man möchte nicht mehr warten.

Wie wird es also weitergehen? Das werden wir vielleicht in zwei Wochen wissen, wenn wir die Ergebnisse unseres Verhaltens nach den ersten Lockerungen des Lockdowns sehen werden. Wir sollten wirklich nicht zu eilig in die sogenannte Normalität zurückkehren. Normal ist sowieso nichts, solange das Coronavirus unser Leben bestimmt. Und jetzt das Wetter.

Das Wetter für heute in Israel

Es wird noch etwas wärmer. Wo ist der Herbst? Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 30 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 37 Grad, am Toten Meer 34 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 36 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist am Wochenende um einen Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.895 m unter dem Meeresspiegel angegeben. Es fehlen 109,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Montag und einen guten Start in die neue Arbeitswoche. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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