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Gedanken zum Schabbat

Wochenlesung – אַחֲרֵי מוֹת – Achare Mot – Nach dem Tod
3.Mose 16,1 – 18,30   –   Amos 9:7-15

Schabbat

„Nach dem Tod der beiden Söhne Aarons“, so beginnt die Wochenlesung an diesem Schabbat. So schmerzhaft es auch ist, auch wir befinden uns in ähnlicher Weise in einer Zeit nach dem Tod von über tausend Geschwistern im Volk, die am schwarzen Schabbat von Terroristen abgeschlachtet worden sind. Zudem wurde Israel ein Krieg aufgezwungen, während Hunderte von Familien mit der schmerzhaften Realität des Lebens nach dem Tod ihrer Kinder und Eltern klarkommen müssen. In der Lesung geht es um Sühnung und Blut. Blut ist die Seele und ohne Blut existiert kein Leben, keine Seele. Im Hebräischen Bibeltext werden dafür Nefesch (נֶפֶשׁ) und Neschama (נְשָׁמָה) verwendet, wobei diesbezüglich Konzepte nicht immer mit dem christlichen Gedanken übereinstimmen.

 


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Im Hebräischen Bibeltext wird wie in dieser Wochenlesung für Seele Nefesch verwendet. Nefesch bezeichnet die menschliche Kehle und nahm die Bedeutung von Atem und Lebenshauch an, um mit dem Leben gleichgestellt zu werden. In den deutschen Bibelübersetzungen heißt es: „Und jetzt verschmachtet unsere Seele (נַפְשֵׁנוּ יְבֵשָׁה), nichts ist da, nur auf das Manna sind unsere Augen gerichtet!“ Übersetzt würde dies „unsere Kehlen/Seelen sind trocken“ heißen. Was in den Menschen hineingeht (Atem, Nahrung oder Wasser) und was aus ihm herauskommt, konzentriert sich im Engpass der Gurgel/Kehle. Dabei handelt es sich um alles Nötige zum Leben. In den Psalmen 42 sowie 63 dürstet die Seele nach Gott: „O Gott, ich suche dich, es dürstet nach dir meine Seele, es lechzt nach dir mein Leib im Land der Dürre, des Ermattens, ohne Wasser“.

Aus diesem Grund verbietet Gott in dieser Wochenlesung seinem Volk, Blut zu konsumieren und zu trinken, was zur biblischen Zeit in der Antike üblich war. „Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich habe es für euch auf den Altar bestimmt, Sühne zu erwirken für eure Seelen, denn das Blut, es erwirkt Sühne an der Seele.“ Einer biblischen und jüdischen Schlächterei ist deswegen bei der Schlachtung eines Tieres nur die Tötung per Kehlenschnitt erlaubt.

Das Neue Testament sieht den Menschen als Wesen, der aus Leib, Seele und Geist besteht (1.Thes. 5,23). Auch in Lukas (8,55) wird der Geist als eine mit dem Atem und dem Leben untrennbar verbundene Kraft charakterisiert, die allen Gemütsbewegungen zugänglich ist. Das Blut Jesu stellt dabei Vergebung und Reinigung, Erlösung und Leben dar. Durch Sein Blut ist der Mensch gerechtfertigt (Römer 5,9), erlöst (Epheser 1,7), geheiligt (Hebräer 13,12) und von allen Sünden gereinigt (1. Johannes 1,7). Fundiert auf die Gebote, die Gott seinem Volk unterwegs in der Wüste mitteilte.

Über die Seele kann man unendlich viel schreiben und auslegen, aber bemerkenswerterweise hat Gott seine Regeln für das Volk Israel zwischen zwei Stationen in der Geschichte der Kinder Israels festgelegt. Unterwegs in der Wüste. „Ihr sollt nicht tun, was man im Lande Ägypten getan hat, wo ihr gewohnt habt, und sollt auch nicht tun, was in Kanaan gemacht wird, dahin ich euch führen will, und ihr sollt nicht nach ihren Satzungen wandeln“. Der Gott Israels hat seinem Volk das Fundament auf neutralem Boden gegeben, nicht dort wo sie wohnten (in Ägypten) und auch nicht dort, wo sie hinzogen, nach Kanaan ins Gelobte Land. Gott hat seinem Volk seine Regeln, Gebote und Verbote außerhalb der Grenzen, zwischen den Ländern vorgelegt.

Zwischen Start und Ziel formte Gott sein Volk, damit es erzogen nach Seinen neuen Werten und Maßstäben das glorreiche Ziel erreichen konnte. Vorher oder nachher, innerhalb der Grenzen anderer Länder mit anderen Göttern, funktioniert eine neue Erziehung nicht. In diesen fremden Zonen hält uns zu viel von Gott ab und irritiert Menschen. Gott benötigt unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Aber genau das symbolisiert unser Leben mit Gott. Sagt man nicht, dass ein Leben mit Gott eine Reise ist? Ein privates Leben mit Gott hat irgendwo einmal gestartet und führt zum Ziel. Dazwischen, unterwegs im Leben, formt Gott die Menschen – wie zwischen Ägypten und Kanaan, Sklaverei und Freiheit, Gefangenschaft und Erlösung. Das ist ganz einfach gesagt Leben! Die Seele und das Blut eines Menschen wird von Gott beansprucht, denn „die Seele des Fleisches ist im Blut und sein Blut, das ist seine Seele“ – Leben.

 

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Patrick Callahan

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