Wochenlesung – תּוֹלְדֹת – Toldot – Geschlechtsregister ; 1.Mose 25,19 – 28,9 ; Maleachi 1,1 – 2,7
In dieser Parascha lernen wir die Söhne von Isaak und Rebekka kennen, Esau und Jakob, und zwar bereits im Mutterleib. Schon dort befinden sie sich in einem Konflikt, der sich durch ihr gesamtes Leben zieht. Es ist ein Kampf um die Erstgeburt und den Segen, um ihren Platz in der Familie und um das Leben selbst. Ein Konflikt zwischen den Eltern. Ein Konflikt in der Familie. Ein Konflikt zwischen Geist und Körper.
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Diese Wochenlesung spiegelt in besonderer Weise den Konflikt zwischen Körper und Geist wider und zeigt, was geschieht, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist. Der Körper wird hier durch Esau repräsentiert – den Jäger, den Mann des Feldes, der Erdverbundene. Der Geist wird durch Jakob verkörpert – den „naiven (תם) Mann, der in den Zelten weilt“. Üblich wird dies mit „Jakob aber war ein sittsamer Mann“ übersetzt.
Dieser Kampf ist zunächst ein innerer, bevor er nach außen dringt. Seine Wurzeln liegen im schwierigen Verhalten der Eltern. Jeder Elternteil entscheidet sich, eines der Kinder zu bevorzugen. Das bedeutet, dass jedes Kind den Mangel an Liebe von einem der Elternteile erlebt.
Die 20 Jahre, in denen Rebekka kinderlos war, scheinen zu einer Distanz zwischen ihr und Isaak geführt zu haben. Zudem scheint die Angst, die Rebekka bereits bei ihrer ersten Begegnung mit Isaak empfand, niemals zu weichen. Warum sonst gibt es keinen Dialog zwischen den beiden?
Warum erzählt Rebekka Isaak nicht von der Prophezeiung, die sie während ihrer Schwangerschaft erhielt? Warum teilt sie ihm nicht mit, dass sie Jakob segnen möchte? Das Leben geht seinen Lauf, Entscheidungen werden getroffen, doch die beiden reden nicht miteinander.
Was bleibt zwischen ihnen? Ein Konflikt, der sich in Schweigen, Täuschungen, Konkurrenz und Kämpfen ausdrückt. Es gibt nur einen einzigen Satz, den Rebekka zu Isaak sagt, und zwar unmittelbar, nachdem die Täuschung, Jakob anstelle Esaus zu segnen, aufgedeckt wird.
„Und Rebekka sprach zu Isaak: Es verdrießt mich zu leben mit den Töchtern Hets, wenn Jakob ein Weib nimmt von den Töchtern Hets, wie diese da, von den Töchtern des Landes, was soll mir das Leben!“
Einige Verse zuvor wird erwähnt, dass sowohl Isaak als auch Rebekka mit Esaus Wahl seiner Ehefrau unzufrieden waren. Rebekka, die Jakob vor Esau in Sicherheit bringen will, baut ihre Argumentation auf diesem einzigen Punkt der Übereinstimmung zwischen ihr und Isaak auf.
Doch selbst als sie endlich mit ihm spricht, ist es ein manipulatives Gespräch. Und wann greifen wir zu Manipulationen? Wenn wir Angst haben. Wenn wir weder uns selbst noch dem anderen vertrauen. Es wird über Isaak gesagt: „Er war alt, und seine Augen waren trübe geworden, sodass er nicht sehen konnte.“ Dies bezieht sich nicht nur auf eine physische Sehschwäche, sondern auch auf eine spirituelle Blindheit, in der er sich zu dieser Zeit befand. Rebekka nutzt dies aus und plant jedes Detail ihrer Täuschung gemeinsam mit Jakob sorgfältig.
Sie bereitet Isaaks Lieblingsspeisen zu, da sie weiß, wie sehr er gutes Essen schätzt. Sie kleidet Jakob so, dass er sich wie Esau anfühlt und riecht. Interessanterweise macht sie sich keine Sorgen um Jakobs Stimme, denn die Stimmen von Jakob und Esau sind identisch. Das kenne ich gut von meinen eigenen Söhnen – alle drei haben eine ähnliche Stimme, und ich verwechsle sie manchmal.
Doch es gibt einen entscheidenden Punkt, an den Rebekka nicht denkt. Und genau dieser Punkt führt dazu, dass Isaak misstrauisch wird und mehrmals überprüft, ob die Person vor ihm tatsächlich Esau ist. Diese Momente des Misstrauens markieren zugleich den Beginn von Isaaks spirituellem Erwachen. Er wundert sich über die Schnelligkeit, mit der Esau angeblich vom Feld mit der Jagdbeute zurückgekehrt ist.
Isaak: „Warum warst du so schnell, mein Sohn?“ Jakob: „Weil der Herr, dein Gott, es mir geschickt hat“. An diesem Punkt wird Isaak misstrauisch. Er kennt Esau gut genug, um zu wissen, dass dieser nicht auf diese Weise sprechen würde. Esau ist ein Mann des Feldes, seine Sprache ist einfach und volkstümlich. Jakob hingegen ist ein Mann des Geistes, ein Gelehrter, dessen Ausdrucksweise entsprechend gehoben ist.
Daher heißt es: „Die Stimme ist die Stimme Jakobs, aber die Hände sind die Hände Esaus.“ Es sind Jakobs Worte und die Intonation, die seinen Vater stutzig machen, nicht der Klang seiner Stimme. Dieser Vers beschreibt den Höhepunkt des innerfamiliären Konflikts – den Kampf zwischen Geist und Körper. Ein Sohn ist geistlich, der andere materiell. Einer studiert, der andere arbeitet.
Wegen dieser unterschiedlichen Eigenschaften wird der eine von seiner Mutter und der andere von seinem Vater bevorzugt. Der Geistige lässt andere für sich arbeiten und unterscheidet nicht klar zwischen Gut und Böse. Der Körperliche unterschätzt die Kraft des Geistes und erkennt die Konsequenzen seines Handelns nicht, wie bei der leichtfertigen Aufgabe seines Erstgeburtsrechts. Beide leben in einem Zustand des Ungleichgewichts. Wenn Geist und Körper im Konflikt stehen, verlieren alle Beteiligten. Wo ein Mangel an Balance besteht, entstehen innere und äußere Kämpfe.
Keiner von beiden ist besser oder überlegen. Für ein gesundes und harmonisches Leben ist ein Gleichgewicht zwischen Geist und Körper notwendig. Beide Aspekte sind wichtig. Nach der Täuschung zerbricht die Familie. Sie ist momentan nicht in der Lage, zusammenzuleben, und der angestaute Konflikt muss sich entladen. Die ganze Familie muss einen Weg finden, Gleichgewicht und Frieden wiederherzustellen – jede Person mit sich selbst und die Familie als Ganzes.
Leider steht die Familie an einem tragischen Punkt:
- Esau will Jakob töten.
- Jakob flieht und verbringt 21 Jahre im Exil.
- Rebekka wird ihren geliebten Sohn nie wiedersehen.
- Und Isaak, der glaubte, sein Tod stünde kurz bevor, lebt noch viele Jahre weiter.
Schabbat Schalom.
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
- Jerusalem – Beginn 15:55, Ausgang 17:14
- Tel Aviv – Beginn 16:16, Ausgang 17:16
- Haifa – Beginn 16:04, Ausgang 17:13
- Beersheva – Beginn 16:18, Ausgang 17:17
- Eilat – Beginn 16:11, Ausgang 17:20





Danke, ich habe diese Geschichte schon oft in der Bibel gelesen, aber nie ist mir aufgefallen wie gestört die Beziehung zwischen Isaak und Rebekka war, wegen der schlechten bzw. keine Kommunikation in der Ehe. Dazu hatte dann auch noch jeder sein Lieblingskind, nicht wirklich förderlich für den Zusammenhalt. Und wer hätte das Gedacht, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, denselben Fehler wiederholt Jakob dann mit seinen Söhnen, er hatte nämlich auch zwei Lieblingssöhne, Joseph und Benjamin. Dass diese Familie dann auch wieder gestört wird, allein schon durch den Konkurrenzkampf der beiden Frauen Jakobs, die sich auf die Kinder teilweise übertragen haben, ist kein Wunder. Und das Gott trotz allem diese Familie gebraucht und wieder versöhnt, um ein großes Volk in Ägypten zu erschaffen, das bis heute besteht, es sind Gottes Wege, die man nicht verstehen kann! Gott gebraucht oft das Schwache, Kaputte, kleine und Unscheinbare und macht große Dinge daraus, damit alle erkennen, dass es Gott war. Die Bibel ist absolut unglaublich, kein Mensch könnte sich sowas ausdenken. Zeitlos und ewig sind die Worte, die man für die Bibel gebrauchen kann.