Vor wenigen Tagen veröffentlichte Israel Heute den Artikel „Ein bayerischer Skandal bringt die deutsche Holocaust-Schuld ans Licht“. Ein Antisemitismus-Skandal erschüttert Deutschland, in dessen Mittelpunkt Hubert Aiwanger, der stellvertretende Ministerpräsident Bayerns, steht. Dem heute 52-jährigen Aiwanger wird vorgeworfen, als Jugendlicher im Jahr 1987 ein bösartiges antisemitisches Flugblatt verfasst zu haben, das den Holocaust parodiert und an seiner Schule verteilt wurde, woraufhin er von einem Disziplinarausschuss bestraft worden sei.
In Deutschland wird dieses Thema heftig debattiert, daher hatten wir uns in Jerusalem entschlossen, den Meinungsartikel von Ben Cohen dazu zu veröffentlichen. Das gehört zur Arbeit und passt in die Grenzen, worüber wir schreiben dürfen.
Die Reaktionen auf den Meinungsartikel waren vielfältig. Es gab positive, aber auch viele negative Kommentare. Etliche hatten den Punkt, den Ben Cohen in seinem Artikel treffen wollte, nicht verstanden.
Uns erreichten viele E-Mails, darunter eine, die mich persönlich adressierte:
„Sehr geehrter Herr Schneider, ich bin seit Jahrzehnten Leser ihres Heftes… das ich irgendwann mal abbestellt habe, sowie regelmäßiger Leser ihrer Internetseite, – aber nun haben Sie den Bogen überspannt! Was geht Israel Heute – also Sie – die bayerische Innenpolitik an??? Der Mann hat vor 3 Jahrzehnten als Teenager, wohl einen Fehler gemacht und Sie stehen wie so viele Israelis und die deutsche Medienlandschaft mit erhobenen Zeigefinger da… das muss einmal aufhören!“
Der liebe Herr, der mir dies schrieb, hat sich darüber aufgeregt, dass wir uns aus Israel in die deutsche Innenpolitik eingemischt haben, genauer gesagt, in die bayerische Innenpolitik. Und noch mit erhobenem Zeigefinger, als ob wir in Israel alles besser wüssten. Das machte mich stutzig.
Ich gebe hier gern zu, dass wir in Israel bestimmt nicht alles besser wissen. Und nicht nur das, wir machen große Fehler und bezahlen dafür. Darüber habe ich erst kürzlich geschrieben. Das Oslo-Abkommen vor dreißig Jahren war ein Fehler, und hier erhebe ich mir selbst den Zeigefinger. Herr Aiwanger zu vergeben, ist eine individuelle Sache. Was Menschen in ihren Jugendjahren machen, würden viele als Erwachsene bestimmt nicht tun. Ich mische mich nicht ein, nein, ob man ihm vergeben sollte oder nicht, sollte jeder für sich entscheiden. Und das ist auch nicht der Punkt meines Anliegens.
Mein Punkt ist: Was ist Israel erlaubt? Darf sich Israel woanders einmischen oder nicht?
Die gesamte Welt mischt sich ununterbrochen in Israels Politik ein, besonders in den letzten Monaten. Israel ist in eine innenpolitische Rechtskrise gestürzt und alle Zeitungen und Webseiten auf diesem Erdkreis wissen, für Israel, was gut und was nicht gut für das Volk in Zion ist.
Die meisten Medien kritisieren die rechtsnationale Regierungskoalition wegen der Krise im Land, mit erhobenem Zeigefinger. Keiner von uns hat sich darüber aufgeregt, dass die bayerischen Medien ihre Nase in die israelische Innenpolitik steckte, und nicht nur einmalig, sondern rund um die Uhr und das über Jahre. Was für Kritik und Reportagen musste Israel über Jahrzehnte hinweg von den ausländischen Medien dulden und über sich ergehen lassen. Ich habe niemals gehört, dass in Jerusalem jemand den anderen Völkern deren Einmischung in Israels Politik untersagt oder kritisiert hat.
Die Völker „lieben“ den Nahost-Konflikt, denn dieser weiß immer große Schlagzeilen zu verfassen, besonders seit der jüdische Staat Israel in dieser Region existiert. Das winzige Land Israel macht größere Schlagzeilen in den ausländischen Medien als alle anderen großen und mächtigen Völker. Das allein erhebt Fragen und keinen Zeigefinger. Die Bevölkerung Israels macht um die 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung dieser Welt aus und dennoch regt der Judenstaat die Völker mehr auf als andere Nationen.
Auch wenn sich die israelischen Medien in die bayerische Innenpolitik eingemischt haben (und wir waren nicht die einzigen) sollte man sich deswegen nicht aufregen. Wenn wir uns wegen all dem ausländischen Einmischen der Medien in Israel über alles aufregen würden, dann hätten wir keine Zeit, das Leben zu genießen.
Über die Jahre hinweg habe ich vieles mehr verstanden, Menschen haben für Israel ein begrenztes Verständnis, eine begrenzte Liebe und einen begrenzten Einblick. Besonders in den letzten vier Jahren, in denen die Welt auf den Kopf gestellt wurde und keine leichte Zeit mitmachen musste. Die ausländischen Medien und Regierungen meinen oft, sie wissen alles besser, wie man den Nahostkonflikt mit den Palästinensern lösen sollte, was für eine Demokratie in Israel wichtig sei, Reformen und keine Reformen im Rechtssystem und vieles mehr.
Jedenfalls lade ich alle Kritiker immer sehr gerne zu einem Kaffee nach Jerusalem ein, denn hier können wir uns von Angesicht zu Angesicht so lange ausreden, bis wir uns einig sind, dass wir uns nicht geeinigt haben oder doch. Auch wenn sich Israel ab und zu in ausländische Politik einmischt und nur selten in die bayerische Innenpolitik, dann ist das Okay. So wie wir alles schlucken müssen, so sollten das auch die anderen lernen.
Und nun wünsche ich allen unseren Lesern eine gesegnete neue Woche und ein schönes Rosch HaSchana – das jüdische Neujahr, besonders dem lieben Herrn, der mir böse war.
Schabbat Schalom und Schavua Tov!





Es gibt immer Menschen die alles besser wissen und können, glauben sie, bitte nicht aufregen. Ich schäme mich für diese Leute und erst recht wenn sie zu unserem Volk gehören. Aber eins kann ich sagen für mich gibt es keine begrenzte Liebe für Israel und ich kenne viele die genau so denken wie ich.
Liebe Grüße an euch alle und macht so weiter.
Andreas Schmidt
Egal was die Gegner Israels auch noch alles versuchen, die Verheißungen Gottes werden sich erfüllen. Ich stehe zum Volk Gottes.
Diesem aufgeregten Herrn
Danke Aviel, absolut einverstanden.
Diesem aufgeregten Herrn empfehle ich zum Thema Aiwanger, die Weltwoche Nr. 35 den Artikel „Der Fall Aiwanger“ zu lesen. Da stehts geschrieben, dass der besagte Artikel vom Bruder Herbert geschrieben wurde. Informieren an der richtigen Stelle, statt einfach abschreiben.
SHALOM über Israel mit Grüßen aus der Schweiz.
Lieber Aviel
Ich stehe voll und ganz hinter deinen Gedanken. Lass diesen aufgebrachten Herr, der diesen emotionalen Kommentar geschrieben hat, ziehen. Er ist untauglich für die Unterstützung des jüdischen Volkes und die jüdische Nation.
Beim Skandal sehe ich es dagegen eher wie Prof. Michael Wolffsohn, der im Interview mit der „Welt“ diejenigen entlarvt hat, welche in Deutschland innenpolitische Süppchen kochen und dazu die Juden als Objekte nehmen. Sein trauriges Fazit gipfelt in der Erkenntnis, dass tote Juden verteidigt werden, wenn es um Auschwitz geht, dass wenn es aber um Interessen und Gefühle lebender Juden geht, die Juden dann nur Objekte sind.
Sehr geehrter Herr Kunz,
Ihren Kommentar will ich hiermit voll und ganz bestätigen, das sehe ich genau so und unterschreibe den somit.
Aviel Schneider hat genau richtig auf den 🇩🇪Zeigefinger-Schreiber geantwortet.
So sind viele🇩🇪wie der Herr mit dem verbalen Zeigefinger. Ich vergleiche und erwähne hier gerne die Aussage von der ehem. Kanzlerin bez. einer Anerkennung zur Hauptstadt Jerusalems (🇩🇪Botschaft ist immer noch in Tel Aviv). Sie sagte, sie überlasse diese Entscheidung einer höheren Stelle, meinte verm. die EU oder gar die antisemitisch durchsetzte UN. Als ob 🇩🇪 nach dem Mauer-Fall den Staat 🇮🇱je gefragt hat, ob 🇮🇱mit der Wahl zu Berlin einverstanden wäre. Allein dieses groteske & heuchlerische Verhalten vs. 🇮🇱ist schwer erträglich, zeigt mir, wessen Freund/in (nicht nur diese Frau) sie gewesen ist.
Alles Gute Ihnen und dem jüdischen Staat🇮🇱, ebenso allen Juden auf dieser Welt! Danke an Aviel und liebe, gesegnete Grüße nach Jerusalem!
Danke!!! Sehr guter Hinweis mit Berlin.
Ich und viele viele Deutsche waren damals gegegn Berlin und für die Beibehaltung der Hauptstadt Bonn. Leider gibt es bei uns keine Volksabstimmungen bei solch elementaren Fragen!
Lasst uns zu Israel mit Judäa und Samaria und zur Hauptstadt Jerusalem, stehen :
…“Sie sind Israeliten, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Gott, der da ist über allem, sei gelobt in Ewigkeit. Amen….“
Liebe Aviel,
ich bitte herzlich darum im Fall Aiwanger mehr und in anderen Quellen zu recherchieren.
Hubert Aiwanger hat das Flugblatt weder verfasst noch verteilt. Es war sein Bruder.
Es ist auch eine ganze Menge weiterer Fragen in Bezug auf die Veröffentlichung der Meldung und der politische Hintergrund offen.
Vielen lieben Dank.
Shalom, Hans-Peter 🕎✝️
Danke, Roland Kunz, dass Sie Prof. Wolffsohn nochmal erwähnen. Ich hatte
dazu auch einen Kommentar geschrieben – nicht weil ich die bayerische Politik, sondern das jüdische Volk liebe, das schon wieder einmal mißbräuchlich behandelt wird.
Lieber Aviel, Sie haben vollkommen recht. Genug eigene Probleme sind im Heiligen Land, dessen Geschichte kaum noch bekannt ist. Es sind aber einige
Beter auf dem Plan. Dabei finden Sie mich auch. In Gedanken bin ich längst in Zion, bin auch gespannt auf den Bericht der Wüstenwanderung.
Shalom – der Allmächtige ist größer als alles!