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„Byron“ im Anmarsch: Israel erwartet heftigen Wintersturm

Ein Sturm zieht auf – und schon zeigt sich wieder, wie schnell Israel beim ersten Regen ins Stolpern gerät.

Regen in Jerusalem. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Israel erwartet den ersten großen Wintersturm der Saison. „Byron“, so nennt die griechische Wetterbehörde das Tief, das dort bereits für überflutete Straßen und verwüstete Viertel gesorgt hat, zieht jetzt weiter ostwärts und soll heute und besonders morgen kräftig über uns hinwegziehen. Die Meteorologen sprechen von mehr als 100 Millimetern Regen in wenigen Stunden, Sturzflutgefahr im Süden und Osten und Windgeschwindigkeiten, die lokal bis zu 80 km/h erreichen können. Kurz gesagt: Es wird ungemütlich.

„Byron“ über der Stadt Hod Hasharon:

Doch bevor „Byron“ überhaupt richtig angekommen ist, zeigte sich schon heute Morgen, wie empfindlich unser Land auf ein paar Tropfen reagiert. In mehreren Pendlergruppen berichteten Reisende, dass Züge gestrichen wurden und die Informationen der Bahn kaum zu durchschauen waren. Mein Sohn kam wegen der Ausfälle zu spät zu seinem Kurs. Ein bisschen Regen – und Israel stolpert schon, als hätte man uns den Boden weggezogen.

Während ich die Liveberichte aus Tel Aviv und Jerusalem verfolgte – Reporter mit Regenschirmen, glänzende Straßen, dunkle Wolken –, musste ich unweigerlich an die Bilder denken, die wir noch vor nicht allzu langer Zeit kannten: dieselben Städte, dieselben Perspektiven, aber damals waren es Raketen, die am Himmel zu sehen waren, und nicht Regenwolken. Die Livekarten zeigten Einschlagsorte, heute zeigen sie Niederschlagsmengen. Das wirkt fast surreal. Und doch steckt in diesem Kontrast etwas Beruhigendes: Wir sprechen wieder über Wetter und nicht über Krieg.

Es ist schon komisch: Gegen Raketen, Drohnen und andere Bedrohungen können wir uns hervorragend verteidigen. Aber ein bisschen Regen – und plötzlich kommt halb Israel ins Straucheln. Vielleicht gehört dieses Chaos einfach zu unserem Alltag. Und trotz aller Unordnung ist es ein gutes Zeichen: Unsere Probleme heißen heute nasse Schuhe, Stau und verspätete Züge – und nicht Sirenen. Allein das ist ein Fortschritt.

Die Behörden richten sich jedenfalls auf das Schlimmste ein. In vielen Städten werden Abflusssysteme gereinigt, Rettungsdienste in Bereitschaft versetzt, und die Bevölkerung wird gewarnt, möglichst nicht in gefährdete Gebiete zu fahren. Besonders problematisch könnten wieder jene Regionen werden, in denen die Natur schnellen und heftigen Regen kaum aufnehmen kann: die judäische Wüste, die Arava und der Bereich des Toten Meeres.

Dass „Byron“ ernst genommen werden muss, zeigte bereits sein Weg durch Griechenland. Dort fielen innerhalb von 24 Stunden nahezu 25 Zentimeter Regen. Straßen verwandelten sich in Flüsse, Autos trieben davon, Schulen mussten geschlossen werden. Natürlich hoffen wir, dass es bei uns nicht so weit kommt. Doch die Vorhersagen lassen vermuten, dass uns zwei intensive Tage bevorstehen.

Gleichzeitig erinnern uns diese Wetterlagen daran, wie verwundbar unser kleines Land ist – und wie schnell es aus dem Rhythmus gerät. Aber sie erinnern uns auch daran, dass wir leben, dass wir funktionieren und dass das Leben weitergeht. Wenn die größte Sorge eines Tages ist, ob der Zug fährt oder ob die Schuhe trocken bleiben, dann ist das – bei allem Ärger – auch eine gute Nachricht.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “„Byron“ im Anmarsch: Israel erwartet heftigen Wintersturm”

  1. Judith Bahmann-Hänke sagt:

    Ja. Wunderbar geschrieben. Die Normalität des Winters. Ein Geschenk von oben. Möge kein Menschenschaden und sonstige großen Schäden sein.

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