Die Kirche und ihr neuer Bund sind an die Stelle der Juden und des Alten Bundes getreten – das lehrt zumindest die Ersatztheologie, genauer wäre: Substitutionstheologie. Dass die Juden sich selbst als erwähltes Volk sehen, fordere sie zur Rechenschaft wegen der Vernachlässigung des mosaischen Bundes, so das Argument der Ersatztheologen.
Die Ersatztheologie liefert aber auch Argumente, die nicht einfach vom Tisch gewischt werden können. Wäre beispielsweise der mosaische Bund noch immer gültig, läge es doch nahe, in Bezug auf das Land die Legitimation eines säkularen Staates abzulehnen.
Eine kritische Haltung von Christen gegenüber der Ersatztheologie hat bei der Verwirklichung des Traumes der Juden, nach Zion zurückzukehren, immer eine Rolle gespielt. Britische pro-zionistische Christen wirkten bei der Entstehung der Balfour-Erklärung mit. Und britische anti-zionistische Christen trugen ihren Teil dazu bei, die britische Regierung dagegen einzustimmen.
In den 1940ern verfasste F.W.G. Blenkinsop, der stellvertretende Beauftragte für den südlichen Jaffa-Distrikt, ein Memorandum, in dem er es eine „nüchterne Tatsache“ nennt, dass „Palästina nicht länger das Verheißene Land der Juden“ sei. „Jene Unterstützer des...
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