(JNS) Israel müsse seine militärischen Erfolge in politische Gewinne umwandeln, sagte der Abgeordnete der Partei Jesch Atid, Mickey Levy, am Mittwoch in einem Interview mit JNS in seinem Büro in der Knesset in Jerusalem.
„Wir haben eine Armee von Helden. Es ist eine kleine Armee, die Großes leistet. Sie ist eine der stärksten im Nahen Osten, aber wir können nicht ewig so weiterleben. Wir sind ein junges Land. Vor rund 3.000 Jahren haben wir den Krieg gegen die Babylonier verloren. Wir verbrachten 2.000 Jahre im Exil. Wir können es uns nicht leisten, noch einen Krieg zu verlieren“, sagte Levy.
„Am Ende brauchen wir politische Lösungen. Nachdem der Zweite Weltkrieg 60 Millionen Menschen das Leben gekostet hatte, setzten sich die Staats- und Regierungschefs an einen Tisch und unterzeichneten Abkommen. Es gibt keine Alternative zu politischen Vereinbarungen. Es ist schwierig, aber notwendig“, fügte er hinzu.
Levy bekleidete mehrere leitende Positionen bei der israelischen Polizei. Besonders hervorzuheben ist seine Tätigkeit als Kommandeur des Polizeibezirks Jerusalem während der Zweiten Intifada von 2000 bis 2004.
„Wenn Sie mich an irgendeinem Tag außer am Schabbat angerufen hätten, hätte ich entweder in meinem Auto oder im Büro geschlafen, weil ich Angst hatte, dass etwas passieren könnte und ich nicht da wäre“, sagte Levy.
Während eines palästinensischen Terroranschlags erlitt Levy einen Herzinfarkt, leitete jedoch trotz der Schmerzen weiterhin die Evakuierung der Verletzten. Erst 34 Minuten später begab er sich selbst ins Krankenhaus.
„Ich war kein Held, und auch die Polizeibeamten, die mit mir waren, waren keine Helden. Die wahren Helden waren die Menschen in Jerusalem, die nicht zerbrachen, die jeden Tag zur Arbeit gingen, die ihre Kinder in Busse schickten, die manchmal explodierten, oder in Restaurants gingen“, sagte er. „Sie waren die wahren Helden, die die Stadt zusammenhielten, damit sie nicht fiel.“
Später diente Levy als Polizeiattaché Israels an der israelischen Botschaft in Washington, D.C. Er kehrte nach Israel zurück, als seine Tochter das Alter für den Militärdienst erreicht hatte, weil er nicht wollte, dass sie als sogenannte „Lone Soldier“ dient.
Über einen gemeinsamen Bekannten kam Levy mit dem Vorsitzenden von Jesch Atid, Yair Lapid, in Kontakt und zog 2013 erstmals in die Knesset ein. Er war stellvertretender Finanzminister in der 33. Regierung Israels, gehörte acht Jahre lang dem Finanzausschuss der Knesset an und war Sprecher der 24. Knesset.
Als stellvertretender Finanzminister beaufsichtigte Levy die israelische Steuerbehörde und bekämpfte nicht gemeldetes Kapital sowie Geldwäsche. Im Gespräch mit JNS betonte er die Bedeutung des Abbaus der israelischen Staatsverschuldung, die auf 1,3 Billionen Schekel (rund 427 Milliarden US-Dollar) geschätzt wird.
„Dieses Land fließt durch meine Adern“
„Wir leben in einem komplexen Land, und die Politik hier ist komplexer als irgendwo sonst auf der Welt. Wir sind immer noch Stämme, die nicht miteinander verbunden sind. Jedes System hat seine Probleme. Dieses Land fließt durch meine Adern. Wenn Sie meine Kinder fragen, was ihr Vater über das Land sagt, werden sie antworten: ‚Zuerst das Land und dann die Familie, denn ohne das Land gibt es keine Familie.‘ Das ist der Schlüssel“, sagte er.
„Das Land steht über allem. Alles, was ich tue, tue ich für mein Land. Meine Eltern kämpften gegen das britische Mandat. Mein Vater wurde gefasst und saß zwei Jahre lang im britischen Gefängnis in Latrun. So bin ich erzogen worden, und so wurden auch meine Kinder erzogen. Wir haben vier Kinder. Alle haben in Kampfeinheiten gedient. Unsere jüngste Tochter diente aufgrund ihrer Englisch- und Spanischkenntnisse im Bereich der Auslandsbeziehungen“, fügte er hinzu.
Levy sagte, er sei besonders stolz auf ein bestimmtes Gesetz, das die finanzielle Unterstützung betrifft, die Soldaten nach Abschluss ihres verpflichtenden Dienstes in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) erhalten.
Vor der Verabschiedung dieses Gesetzes hätten Soldaten begründen müssen, wofür sie die Beihilfe verwenden wollten. Erst danach sei sie ausgezahlt worden. Zulässige Verwendungszwecke seien Studium, Immobilienerwerb, Unternehmensgründung oder Heirat gewesen.
„Ich habe nachgeprüft und festgestellt, dass der Staat auf 50 Millionen Schekel [16,4 Millionen US-Dollar] saß, die ehemaligen IDF-Soldaten zustanden, die das Geld jedoch nie beantragt hatten. Ich habe ein Gesetz verabschiedet, das festlegt, dass Soldaten ihre Beihilfe nach drei Jahren automatisch erhalten – unabhängig davon, wofür sie verwendet wird“, sagte er.
Obwohl Levy zahlreiche Gesetze verabschiedet habe, die sich mit der Entwicklung der Peripherie und der Unterstützung benachteiligter Bevölkerungsgruppen befassen, sagte er, ein Abgeordneter dürfe nicht allein nach der Anzahl der von ihm eingebrachten Gesetze beurteilt werden. Levy belegt derzeit den zweiten Platz unter den Knessetabgeordneten mit der höchsten Anwesenheit, gemessen an den in der Knesset verbrachten Stunden.
Mit Blick auf die für den 27. Oktober angesetzten Parlamentswahlen sagte Levy, dass sich die nächste Regierung auf die Wirtschaft, das Bildungswesen und die innere Sicherheit konzentrieren werde.




