Israel-Heute-Korrespondent und Nahostexperte Edy Cohen spricht in diesem ausführlichen Interview mit Scheich Mohammad Mehdizade über die historische Entwicklung der schiitischen Glaubensrichtung und ihre heutige Wahrnehmung im Spannungsfeld von Religion und Politik.
Mehdizade schildert seinen persönlichen Werdegang von Aserbaidschan über seine Studienzeit im Iran bis nach Nadschaf im Irak und schließlich nach Europa. Dabei beschreibt er die Erfahrungen, die ihn dazu veranlassten, zwischen religiöser Lehre und politischer Ideologie klar zu unterscheiden. Nach seiner Darstellung sei die schiitische Tradition im Laufe der iranischen Revolution zunehmend politisch geprägt worden, was bis heute das öffentliche Bild der Schia beeinflusse.
Im Gespräch erläutert der Geistliche die historischen Ursprünge der Schia nach dem Tod des Propheten Mohammed, die Rolle von Imam Ali sowie die Bedeutung von Hasan und Husain. Auch das Gedenken an Aschura und die Erwartung des Mahdi werden thematisiert. Zadeh betont, dass zentrale religiöse Inhalte nicht mit Gewalt oder militanten Gruppierungen gleichgesetzt werden dürften.
Zudem geht er auf verbreitete Vorwürfe und Verschwörungstheorien ein, wonach das schiitische Denken fremde Ursprünge habe, und weist diese als historisch unbegründet zurück. Das Interview bietet damit einen Einblick in innerislamische Perspektiven und zeigt, dass innerhalb der schiitischen Welt unterschiedliche Auffassungen existieren – auch Stimmen, die sich von politischem Extremismus distanzieren und eine klare Trennung zwischen Glauben und Machtpolitik fordern.




