Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat unmittelbar nach seiner Ankunft in Washington hochrangige Vertreter des US-Präsidenten getroffen. Im Gästehaus der US-Regierung, dem Blair House, kam es zu einem Gespräch mit dem amerikanischen Sondergesandten für den Nahen Osten, Steve Witkoff, sowie dem leitenden Berater des Weißen Hauses, Jared Kushner. Nach Angaben des Büros des Ministerpräsidenten standen „regionale Fragen“ im Mittelpunkt – insbesondere die jüngsten Kontakte zwischen Washington und Teheran.
An dem Treffen nahmen außerdem Israels Botschafter in den Vereinigten Staaten, Yechiel Leiter, sowie Netanjahus Militärsekretär Roman Gofman teil. Aus Jerusalem hieß es, Witkoff und Kushner hätten den Ministerpräsidenten über die erste Gesprächsrunde mit dem Iran informiert.
Netanjahus Reise ist seine siebte Visite in den USA seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Bereits auf dem Rollfeld des Ben-Gurion-Flughafens machte er deutlich, worum es in Washington geht: „Ich werde dem Präsidenten unsere Sicht auf die zentralen Prinzipien in den Verhandlungen darlegen – Prinzipien, die aus meiner Sicht nicht nur für Israel wichtig sind, sondern für jeden, der Frieden und Sicherheit im Nahen Osten anstrebt.“
Iran im Zentrum strategischer Abstimmung
Hintergrund der Konsultationen sind die wieder aufgenommenen indirekten Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Während Washington diplomatische Kanäle offenhalten will, drängt Jerusalem darauf, dass mögliche Vereinbarungen nicht allein das Atomprogramm betreffen. Israel fordert seit Jahren, auch Irans ballistische Raketenprogramme sowie die Unterstützung regionaler Stellvertreterorganisationen wie Hisbollah und Hamas in eine umfassende Sicherheitsarchitektur einzubeziehen.
In israelischen Sicherheitskreisen wird betont, dass ein reines Nuklearabkommen ohne strukturelle Begrenzung der Raketenreichweite und ohne Eindämmung der regionalen Expansion Teherans aus Sicht Jerusalems unzureichend wäre. Netanjahu dürfte diese Position auch im Weißen Haus mit Nachdruck vertreten.
Treffen mit Rubio vor Gespräch mit Trump
Für Mittwochmorgen ist zudem ein Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio angesetzt, bevor es zu einem privaten Treffen mit Präsident Trump im Oval Office kommt. Die Terminabfolge unterstreicht die strategische Dimension des Besuchs: Zunächst Abstimmung mit dem außenpolitischen Establishment, anschließend die politische Grundsatzentscheidung auf höchster Ebene.
Beobachter in Washington weisen darauf hin, dass Trump in seiner zweiten Amtszeit versucht, seine Nahostpolitik neu zu strukturieren. Während er einerseits auf wirtschaftlichen Druck und diplomatische Hebel setzt, hat er zugleich mehrfach klargemacht, dass ein nuklear bewaffneter Iran für ihn nicht akzeptabel sei. Ob daraus ein verschärfter Sanktionskurs oder ein modifiziertes Abkommen resultiert, ist derzeit offen.
Gaza und regionale Dynamik
Neben dem Iran dürfte auch die Lage in Gaza zur Sprache kommen. Die Diskussion um eine Nachkriegsordnung, internationale Verwaltungsmodelle sowie Sicherheitsgarantien für Israel bleibt eng mit der Iran-Frage verknüpft. In Jerusalem gilt Teheran weiterhin als zentraler strategischer Akteur hinter der militärischen Aufrüstung islamistischer Gruppierungen.




