Im aktuellen Torah-Wochenabschnitt „Bo“ lesen wir von der zehnten Plage, mit der Gott die Ägypter heimsuchte. Es ist „der Tod aller Erstgeburt in Ägypten“, der über das Land zieht und auch vor dem Palast des Pharao keinen Halt macht. Als alle Erstgeborenen um Mitternacht getötet wurden, hat Pharao endlich ein Einsehen und erlaubt den Israeliten, Ägypten zu verlassen.
„Und es geschah um Mitternacht, da schlug der Herr alle Erstgeburt im Land Ägypten, von dem erstgeborenen Sohn des Pharao, der auf seinem Thron saß, bis zum erstgeborenen Sohn des Gefangenen, der im Gefängnis war, auch alle Erstgeburt des Viehs.“
„Da stand der Pharao auf in derselben Nacht, er und alle seine Knechte und alle Ägypter; und es war ein großes Geschrei in Ägypten, denn es gab kein Haus, in dem nicht ein Toter war. Und er rief Mose und Aaron zu sich in der Nacht und sprach: Macht euch auf und zieht weg von meinem Volk, ihr und die Kinder Israels, und geht hin, dient dem Herrn, wie ihr gesagt habt! Nehmt auch eure Schafe und eure Rinder mit euch, wie ihr gesagt habt, und geht hin und segnet auch mich!“
(2. Mose 12:29-32)
Nach jüdischer Tradition war auch der Pharao selbst ein Erstgeborener und hätte in dieser Nacht sterben sollen. Weil Gott jedoch an ihm ein Exempel statuieren wollte, ließ er ihn am Leben. Das wusste Pharao jedoch nicht, und die jüdische Tradition besagt weiter, dass er mitten in der Nacht panisch durch Ägypten lief und Mose suchte, um sein Leben zu retten.
Daraus ist wiederum eine neue jüdische Tradition entstanden, nämlich das Kinderlied „Paro b’Pyjama b’Emza haLaila!“ – auf Deutsch: „Pharao im Pyjama mitten in der Nacht“. Das Lied wird nicht nur in jüdischen Kindergärten gesungen, sondern hat es sogar in die moderne Popkultur geschafft, wie im folgenden Video zu sehen ist:
Für die jüdischen Kinder, die dieses Lied singen, nimmt es etwas von dem Schrecken vor diesem Bösewicht der jüdischen Geschichte, einem der frühesten Judenfeinde. Bisher war Pharao ein hartherziger Diktator gewesen, der die Israeliten zu schrecklicher Sklavenarbeit verdammt hatte, der Kinder im Nil ertränken ließ und der trotz aller vorherigen Plagen nicht bereit war, das Volk ziehen zu lassen.
Am Ende war er jedoch nur eine weitere Witzfigur der Geschichte, die sich für einen Gott hielt, aber schließlich im Schlafanzug durch die Straßen Ägyptens watschelte.
Ähnlich erging es im Laufe der Geschichte immer wieder Machthabern, die glaubten, das jüdische Volk auslöschen oder brechen zu können. In der jüdischen Erinnerung bleiben sie selten als mächtige Gestalten zurück, sondern oft als tragikomische Figuren, die ihre eigene Bedeutung überschätzten.
Vielleicht ist genau das eine der stillen Lehren dieses Kinderliedes: Wer sich für allmächtig hält, endet nicht selten als Randnotiz – oder als Lied im Kindergarten.





absolut „cooles“ Lied…etwa für einen Kinderfasching….aber auch für Erwachsene….