Monate lang standen sie an vorderster Front: Soldaten der 2. Reserve-Infanteriebrigade „Carmeli“ der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) haben ihren inzwischen sechsten operativen Einsatz im Gazastreifen abgeschlossen. Entlang der sogenannten Gelben Linie – jener Waffenstillstandslinie, die den israelischen Truppenabzug markiert – wurden nach Angaben des Militärs Dutzende Terroristen getötet und umfangreiche Hamas-Infrastruktur zerstört.
Während der Einsätze entdeckten und neutralisierten die Reservisten ein breites Arsenal an Waffen: Sprengsätze, Mörser, Granaten, Minen sowie Raketenabschussvorrichtungen und Raketen, die für Angriffe auf Israel vorgesehen waren. Darüber hinaus zerstörten sie Hunderte terroristische Einrichtungen, darunter mehrere Tunnelschächte, die Hamas-Kämpfern als Verstecke, Aufenthaltsorte über längere Zeiträume und Ausgangspunkte für Angriffe auf IDF-Soldaten dienten.
Mit dem Abschluss der Mission wird die Carmeli-Brigade nun von Soldaten der 16. Reserve-Infanteriebrigade „Jerusalem“ abgelöst. Die IDF betonte, dass die Truppen des Südkommandos weiterhin im Einsatz seien – in Übereinstimmung mit dem geltenden Waffenstillstandsabkommen und mit dem klaren Auftrag, jede unmittelbare Bedrohung zu beseitigen.
Auch in den vergangenen Tagen kam es entlang der Waffenstillstandslinie zu weiteren Zwischenfällen. Am Montag fanden israelische Soldaten bei Razzien nahe der östlichen Stadt Rafah Waffen und Überwachungsausrüstung der Hamas. Die Golani-Brigade stellte unter anderem Kalaschnikows und Panzerabwehrwaffen sicher sowie Kameras, mit denen Hamas die Bewegungen der IDF im südlichen Gazastreifen überwachte. Gleichzeitig wurden weitere terroristische Strukturen zerstört und Dutzende Kämpfer getötet, die sich in Tunneln aufhielten und eine akute Gefahr darstellten.
Einen Tag später erschossen israelische Soldaten im Süden des Gazastreifens einen Terroristen, der die Gelbe Linie überschritten hatte und sich den Truppen mit einem „verdächtigen Gegenstand“ näherte. Nach Angaben der IDF stellte er eine unmittelbare Bedrohung dar.
Die militärische Realität vor Ort wird zunehmend auch politisch aufgeladen. US-Präsident Donald Trump erklärte am Montag im Weißen Haus, seine geplante internationale Stabilisierungsmission für Gaza sei de facto bereits im Gange. Weitere Länder würden sich anschließen und auf Anfrage Truppen entsenden – trotz Jerusalems Vorbehalten, vor der Rückführung der sterblichen Überreste der letzten israelischen Geisel in eine zweite Phase des Waffenstillstands einzutreten.
Eine zentrale Rolle in der aktuellen Sicherheitsarchitektur spielt die Gelbe Linie selbst. Bereits am 7. Dezember hatte IDF-Generalstabschef Ejal Zamir erklärt, diese Linie sei „eine neue Grenzlinie“. Israel behalte die operative Kontrolle über große Teile des Gazastreifens und werde auf diesen Verteidigungslinien bleiben. Die Gelbe Linie diene künftig als vorgelagerte Schutzlinie für die israelischen Gemeinden – und zugleich als Raum für militärische Operationen.
Nach der ersten Phase des von Trump vorgeschlagenen Waffenstillstandsplans kontrolliert Israel rund 53 Prozent des Gazastreifens. Für die Soldaten vor Ort bedeutet das vor allem eines: Wachsamkeit. Die jüngsten Einsätze zeigen, dass der Waffenstillstand fragil bleibt – und dass die Gelbe Linie nicht nur eine politische Markierung ist, sondern ein realer, gefährlicher Frontabschnitt.




