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Gedanken zum Schabbat

Was treibt einen Menschen dazu, sich gegen eine gottgegebene Ordnung aufzulehnen – und dabei nicht einmal zu merken, dass er sich vor allem auf sich selbst bezieht? Es heißt doch: „Derjenige, der tadelt, tut es oft im Schatten seiner eigenen Fehler.“

Korach

Wochenlesung –  קֹרַח– Korach – Korah ; 4.Mose 16,1 – 18,32 ; 1.Samuel 11,14 – 12,22

Korachs Geschichte ist kein ferner Mythos, sondern eine zeitlose Mahnung: Wenn wir nicht innehalten, in uns selbst blicken und unsere inneren Beweggründe ehrlich benennen, laufen wir Gefahr, an unserer eigenen Gier nach Anerkennung zugrunde zu gehen. Nicht immer reißt sich die Erde auf – doch Beziehungen, Vertrauen und Klarheit können ebenso verschwinden. In einer Zeit, in der wir in Israel im Krieg sind, können wir es uns nicht leisten, auch noch im Innern zu zerbrechen. Die Geschichte Korachs lädt uns ein, nicht nur über ihn nachzudenken, sondern über uns selbst – über die Macht unserer Emotionen, unserer Worte und unserer Wahl: zu zerstören oder zu heilen.

 

Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.   


 

Diese Woche lesen wir in der Wochenlesung von der großen Rebellion, die im Lager Israels stattfand. Korach, der Cousin von Mose und Aaron, den Anführern, der Cousin von Elizafan, dem Stammesfürsten, der Urenkel von Levi, dem Sohn Jakobs, erhebt sich und rebelliert gegen die Autorität seiner Vettern.

„Und Korach, der Sohn Jizhars, des Sohnes Kahats, des Sohnes Levis, nahm Datan und Abiram, die Söhne Eliabs, und On, den Sohn Pelets, die Söhne Rubens, und sie empörten sich wider Mose, samt 250 Männern aus den Kindern Israel, Hauptleuten der Gemeinde, Berufenen der Versammlung, angesehenen Männern. Und sie versammelten sich wider Mose und Aaron und sprachen zu ihnen: Ihr beansprucht zu viel; denn die ganze Gemeinde ist überall heilig, und der HERR ist in ihrer Mitte! Warum erhebet ihr euch über die Gemeinde des HERRN?“ Sein Vorwurf war, dass Mose und Aaron sich über das Volk erheben, obwohl doch das ganze Volk heilig war und von Gott auserwählt – nicht nur sie beide.

Korach wählte interessante Worte. Er sagte nicht, dass das Volk wegen Mose in der Wüste litt. Er beschwerte sich nicht über die schwere Strafe, die darin bestand, dass sie in der Wüste umherwandern mussten, bis sie sterben sollten. Er beklagte sich nicht über die Bedingungen, über die Lage oder über die ungewisse Zukunft. Er kritisierte das Verhalten Moses und sagte: „Willst du dich auch noch zum Herrscher über uns machen?“ Im Grunde genommen beschuldigte Korach Mose und Aaron der Arroganz, des Machtmissbrauchs, der Absonderung und der Überheblichkeit. Ich glaube, dass wir im Leben aus den Gefühlen und Mustern heraushandeln, die in uns vorhanden sind. Und so kann man über Korach sagen, dass seine Wortwahl ziemlich genau widerspiegelt, was in seinem Inneren geschah.

Es gibt ein Sprichwort auf Hebräisch, das dies wunderbar ausdrückt: „Der Tadler tadelt in seinem eigenen Makel.“  Das heißt, wer andere kritisiert oder verurteilt, offenbart durch seine Kritik oft seine eigenen Fehler und das innere Lebensgefühl, mit dem er durch die Welt geht. Durch seine Kritik können er und andere etwas über ihn und das, was in ihm vorgeht, lernen. Das Gefühl, das wir der äußeren Welt gegenüber empfinden, ist in Wahrheit ein Spiegel unserer inneren Welt.

Korach beobachtet das Geschehen um sich herum und erkennt darin Arroganz, Machtgier, Überheblichkeit. Und genau das sind die Eigenschaften, die in ihm selbst vorhanden sind und durch die er auf die Wirklichkeit blickt. Er selbst handelt auf diese Weise, das ist das vorherrschende Gefühl in seinem Leben. In ihm existiert der Gedanke, dass er besser ist als andere, dass ihm mehr zusteht, dass er es besser weiß, und das ist der wahre Grund, warum er sich erlaubt, sich gegen Mose und Aharon aufzulehnen. Sein Lebensgefühl, sich selbst für besser und würdiger zu halten, lässt ihn seine Anführer so sehen und in solch scharfer Weise zu ihnen sprechen. Korach ist in bestimmter Weise der erst Oppositionär in der biblischen Geschichte.

Wenn das Lebensgefühl eines Menschen dem eines Opfers gleicht, das glaubt, dass alle anderen schlechter seien, dann wird die Wirklichkeit zu einer harten, unerbittlichen Erfahrung, die zu giftigem Reden und zur Erzeugung von Zerstörung führt. Doch in jeder Realität, so schwer sie auch sein mag, geschieht auch Gutes. Eine solche Sichtweise auf das Leben ermöglicht Wachstum und einen gesunden Umgang mit Schwierigkeiten. Die Realität kann dieselbe bleiben, aber das Erleben verändert sich vollständig. Denn die innere Stimmung führt uns an andere Orte.

Ich erlebe dieses Phänomen in diesen schweren Tagen ganz deutlich. Die äußere Realität ist hart, gefährlich. Mächtige Raketen werden auf uns abgefeuert und bedrohen unser Leben zu jeder Zeit. Es gibt keinen Tag und keine Nacht, die Erschöpfung nimmt zu, die Nerven liegen blank. Die Zukunft ist ungewiss. Und doch, das Einzige, was uns bei Verstand und optimistisch hält, ist unsere innere Haltung: die Hoffnung, die in uns aufkeimt, der Glaube an Gott, der Glaube an das Leben, die Liebe zur Familie, zu den Kindern, zur Armee und zu den Soldaten. All das hilft mir, auch in schwierigen Momenten Freude zu empfinden – und das bewahrt mich oft vor mir selbst und vor anderen.

Die Wochenlesung Korach zeigt uns, wie Gier nach Ehre und Neid einen Menschen aus der Welt reißen und in den Untergang führen können. Lassen wir uns nicht täuschen, diese Gefühle sind Teil des gesamten Gefühlspektrums, das wir alle in uns tragen. Doch durch Korachs Geschichte können wir lernen, nicht durch diese Gefühle zu handeln, sondern uns selbst zu betrachten, sie zu erkennen als Ursache einer zerstörerischen Welterfahrung und in uns das zu heilen, was uns fehlt.

So übernehmen wir Kontrolle über unser Leben und vor allem über unsere Sprache, die sehr zerstörerisch sein kann. Korach hielt nicht inne zur Selbstbetrachtung. Er sorgte nicht für die Erhebung seiner Seele. Im Gegenteil, er zügelte seine Zunge nicht, die seine innere Haltung offenbarte. Und genau diese verabscheuungswürdigen Eigenschaften führten ihn ins Verderben, bis hin zur Öffnung der Erde, die ihren Mund auftat und ihn verschlang.

 

Schabbat Schalom!

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 19:09, Ausgang 20:32
  •  Tel Aviv – Beginn 19:31, Ausgang 20:33
  •  Haifa – Beginn 19:22, Ausgang 20:35
  •  Beersheva – Beginn 19:29, Ausgang 20:31
  •  Eilat – Beginn 19:14, Ausgang 20:26

 

 

Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.  

 

About the author

Patrick Callahan

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