Was ist das Gute an einem Aussatzschaden und was will die Bibel in ihrer Schilderung dieser Fälle damit betonen? Handelt es sich nur um eine ansteckende Krankheit oder steckt mehr dahinter? Warum ist die Quarantäne, in der sich der Aussätzige befindet, nicht immer negativ? Ein Thema über Quarantäne, Ausgangssperre und mehr Menschenliebe. Eine Pause im Leben, die Menschen zum Nachdenken bewegt. Kann König Usija ein Beispiel für Israels Regierung sein?
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Die Wochenlesung Tasria (תַזְרִיעַ) behandelt in den folgenden zwei Kapiteln rituelle Unreinheits- und Reinheits-Gesetze. Das hebräische Wort Tasria stammt aus der Wortwurzel Sera (זרע) was übersetzt Samen heißt, daher kann man Tasria auch mit „Samen säen“ verstehen. „Wenn ein Weib fruchtbar wird (תַזְרִיעַ) und ein Knäblein gebiert, so soll sie sieben Tage lang unrein sein, ebenso lange wie sie unrein ist, wenn sie unwohl wird, soll sie unrein sein.“
Ich möchte heute näher beleuchten, was hinter dem Begriff Nega Zaraat (נֶגַע צָרָעַת) steckt, der in Kapitel 13,2 erwähnt wird. „Wenn bei einem Menschen auf der Haut seines Fleisches ein Mal oder ein Ausschlag oder ein Fleck entsteht und auf der Haut seines Fleisches zu einem Aussatzschaden (נֶגַע צָרָעַת) wird, so werde er gebracht zu Aharon, dem Priester, oder zu einem von seinen Söhnen, den Priestern.“
Nega Zaraat wird in diesem Vers mit Aussatzschaden übersetzt. Das Wort Nega (נֶגַע) kommt von Negia (נגיע) und heißt berühren/antasten. Der Prophet Jeremia (12,14) schreibt: „Alle meine bösen Nachbarn, die das Erbteil antasten (נֹּגְעִים), welches ich meinem Volk Israel gegeben habe: Siehe, ich will sie aus ihrem Lande herausreißen und will das Haus Juda aus ihrer Mitte wegreißen.“ Die Bibel beschreibt, dass Zaraat (Aussatz) eine übernatürliche Plage (נֶגַע) ist, die auch Kleidungsstücke betreffen kann. Werden weiße oder rosa Flecken auf der Haut entdeckt, sogar dunkelrote oder grüne Flecken auf der Kleidung, dann muss ein Priester herbeigerufen werden.
In den deutschen Bibelübersetzungen kommt das Wort Nega im Zusammenhang mit Aussatz nicht so richtig zum Ausdruck. Aussatz verbreitet sich durch Berührung und ist daher wie eine Plage. Der Begriff Nega ist für beide Worte – sowohl Berührung als auch Plage – gültig.
Aussatz (צָרָעַת) ist ein hartes Wort. Sowohl das Enge (צר) als auch das Böse (רע) befinden sich im hebräischen Wort. Beim Aussatz handelt es sich nicht wirklich um eine Krankheit, sondern um ein geistliches Phänomen, das sich durch Berührungen am Körper manifestiert. Eine ganzheitliche Betrachtung von Körper und Geist. Die Bibel betrachtet Krankheiten wie Aussatz als Gottes Strafe für Sünden und beschreibt den Aussatz als Strafe für eine schlechte Zunge, was zur Vergiftung der Gesellschaft führt. Aussatz ist ein anschauliches Bild von der Sünde und ihrer tückischen Wirkung. Wie der Aussatz bewirkt die Sünde einen unreinen Zustand. Miriam, die Schwester von Mose und Aaron, wurde mit Aussatz bestraft, weil sie schlecht über Mose sprach. Sie war mit Moses äthiopischer Frau nicht einverstanden und sprach sich dagegen aus. Gott bestrafte Miriam mit Aussatz und machte sie schneeweiß, ein Kontrast zur schwarzen Frau.
Im Neuen Testament heilte Jesus einen Aussätzigen. Dieser bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: „Willst du, so kannst du mich reinigen“. Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: „Ich will’s tun; sei rein! Und er wurde rein“.
Die Bibel sieht im Aussatz eine Art Dialog zwischen Himmel und Erde, Gott und Menschen. Gott warnt die Menschen, die Ehre anderer Menschen nicht zu ruinieren. König Usija galt als einer der größten Könige des südlichen Königreiches Juda. Er machte Juda und Jerusalem zur wirtschaftlichen Macht, etablierte eine regionale Herrschaft und sein politischer Status in der internationalen Gemeinschaft war überall anerkannt. Usija ist ein ernstes Beispiel für jemanden, der richtig wandelte, bis er „mächtig“ war, und der versuchte, den Priesterdienst auszuüben, obwohl er von Gott nicht dazu auserwählt war. Seine Geschichte bestätigt die Wahrheit, dass es furchtbar ist, „in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“. Aber dann, als „sich Usija mächtig fühlte, überhob sich sein Herz zu seinem Verderben, und er vergriff sich an dem HERRN, seinem Gott, indem er in den Tempel des HERRN ging, um auf dem Räucheraltar zu räuchern“. Aussatz brach auf seiner Stirn aus. Gott hatte ihn geschlagen. Die Priester rannten von ihm weg und der König verließ in Ungnade seinen Königsthron und verbrachte seine Zeit in einem entfernten Haus, in Quarantäne. (2.Chronik 26)
Der Punkt ist, wir dürfen niemals vergessen, wer wir sind und was unsere Position gegenüber Gott und unseren Mitmenschen ist. König Usija atmete Gipfelluft, näher am Himmel und vergaß, dass ein Herrscher kein Herr ist, sondern nur ein Diener Gottes, der dem Volk dient. Aussatz betrifft alle Menschen, denn es handelt sich um eine soziale und moralische Botschaft, die Grenzen im Leben definiert, ob König, Ministerpräsident, Prediger oder was auch immer. Einsamkeit ist eine schwere Strafe. Vielen sehen in diesem Fall Parallelen zu Benjamin Netanjahu.
Menschen, die negativ über andere reden, kreieren Konflikte zwischen Menschen und verursachen damit eine Trennung und Einsamkeit zwischen Menschen, mit dem Nächsten. Aus diesem Grund schickt Gott (aber auch die Gesellschaft) diejenigen, die zur Trennung treiben, selbst in eine Trennung – in eine Quarantäne. Das bringt sie wieder zur Vernunft und dazu, den Kontakt zur Gesellschaft zu suchen. Aus seiner Einsamkeit heraus bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Menschen und die Gesellschaft, von der er getrennt ist, aus der Ferne zu beobachten und neu zu wollen. Er erkennt erneut die Vorteile der anderen. Dies korrigiert seine negative Sichtweise, weswegen er sich von ihnen trennte. Die Einsamkeit bringt zur Ruhe, zu neuen Einblicken und zu einer neuen Ordnung. Eine Pause im Leben ist ideal, um alles neu zu verstehen und eine neue Beziehung mit Gott zu fassen.




