Uneinigkeit und Hass beherrschen die Gemüter des Volkes. Alle sehen eine dritte Zerstörung des Tempels als reale Gefahr, aber keiner unternimmt etwas, um diese Gefahr abzuwenden. Jeder beschimpft seinen Nächsten im Volk, der auf der anderen Straßenseite im politischen Konflikt steht. Die Reformgegner sind nicht besser als die Reformbefürworter. Ich verfolge die vielen Kanäle in den Medien und sozialen Netzwerken und sehe, wie die einen die anderen im Volk verunglimpfen. Alle predigen über die Tragödie von Tischa BeAv, aber keiner unternimmt etwas, um das Volk zu schützen. Alle wollen recht haben, aber keiner sucht wirklich nach Gerechtigkeit. Eine halbe Schekelmünze aus dem jüdischen Aufstand gegen die Römer, die kürzlich in einer Höhle in der Wüste gefunden wurde, erinnert mich an die Last Israels.
Die sogenannten Reformgegner oder regierungsfeindlichen Israelis sind in ihrem Verhalten nicht besser als die regierungsfreundlichen Israelis, die eher rechte bis orthodoxe Juden sind. Beide Seiten zeigen auf ihren Kanälen nur das Schlechte. Auf den rechten Kanälen sieht man nur Videos oder Fotos von „linken Anarchisten“, die einen rechten Israeli anschreien, verprügeln oder fast überfahren, weil er ihnen den Weg versperrt hat. Umgekehrt sehe ich dasselbe auf anderen und linken Kanälen, wo genau dieselben Videos und Fotos gezeigt werden, die alles umgekehrt darstellen. Wie „rechte Anarchisten“ einen linken Israeli anschreien, verprügeln oder fast überfahren.

Niemand – oder nur sehr wenige – versteht es, seinen Nächsten auf der anderen politischen Seite zu respektieren, zu loben oder ihm sogar recht zu geben, wenn er recht hat. Wie oft habe ich darüber mit meinen Freunden in Jerusalem gestritten. Die Rechte lobt und preist alles, was die Regierung tut und noch tun will. Sie haben alle Entschuldigungen und Erklärungen dafür. Das Gleiche gilt für meine anderen Freunde, egal ob sie links oder regierungsfeindlich sind. Sie sehen in Bibis politischem Verhalten nur Negatives. Alles, was er tut und sagt, ist schlecht und falsch. Sie können nicht einmal die Abraham-Abkommen loben, nur weil sie von Benjamin Netanjahu geschaffen wurden. Aber nach Dubai und Abu Dhabi fliegen sie gerne, und das verdanken sie Bibi.
Und die rechten Bibiwähler machen es genauso. Sie verherrlichen nur Bibi, auch wenn er „korrupt“ ist und vor Gericht steht. Das spielt keine Rolle, Hauptsache „König Bibi“ führt das Volk Israel. Aus ihrer Sicht kann und darf er ein Schurke und gleichzeitig ihr Erlöser sein. Das beste Beispiel dafür ist König David in der Bibel. Israels größter König und doch kein Vorbild, Schurke und Messias. Alles, was die Reform- und Bibi-Gegner tun, ist aus ihrer Sicht oft nur schlecht und falsch. Nein, nicht alle Urteile des Obersten Gerichtshofes sind schlecht und falsch, nur weil das Gericht als linke Justiz verschrien ist. Auch in christlichen Kreisen im Ausland wird der Oberste Gerichtshof als Sündenbock dargestellt, nur weil er links ist und als Feind von Bibi und der rechten Regierungskoalition gilt. Falsch, das orthodoxe Rabbinat im Land ist nicht besser als das „liberale Rabbinat“. Es sind zwei Weltanschauungen, die den jüdischen Charakter Israels unterschiedlich sehen. Das Volk braucht beide, um ein ausgewogenes Leben in Zion führen zu können.

Ich weigere mich zu glauben, dass alles Böse auf der anderen Seite ist und das Gute bei mir. Gutes und Böses gibt es überall, in allen Gruppen des Volkes. Das Gute und das Böse haben ihren Ursprung in den Herzen der Menschen. (Deshalb ist es mir wichtig, dass bei Israel Heute viele Stimmen zu Wort kommen, denn nur so bekommt ihr ein vollständiges Bild von dem, was in diesem Land geschieht. Und glaubt mir, auch in der Redaktion sind wir uns nicht einig über das, was im Land passiert. Wisst Ihr was? Das ist normal und menschlich.) Und daran scheitert das Volk von Zion immer wieder, und daran hat mich der Fund einer kleinen Münze in der judäischen Wüste erinnert.
Vor kurzer Zeit wurde in einer Höhle in der judäischen Wüste am Toten Meer eine halbe Schekelmünze aus der Zeit des jüdischen Aufstands gegen die Römer gefunden. Es handelt sich um eine hebräische Münze, die von jüdischen Rebellen im Rahmen der jüdischen Untergrundwirtschaft geprägt und zur Zahlung von Abgaben an den Tempel in Jerusalem verwendet wurde. Nach Angaben der israelischen Altertumsbehörde wurde die Münze in der Gegend der Schriftrollen am Toten Meer gefunden. Der große jüdische Krieg gegen die Römer begann 66 n. Chr. in Judäa, ausgelöst durch staatliche und religiöse Unterdrückung, und endete 70 n. Chr. mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Jerusalemer Tempels. Endgültig endete der Krieg erst 73/74 mit dem Fall von Masada. Es folgten noch zwei jüdische Aufstände gegen die Römer im ersten und zweiten Jahrhundert.

Die Münze wurde mit den Worten „Heiliges Jerusalem“ geprägt, und zwar in althebräischer Schrift und nicht in der damaligen griechischen Umgangssprache. „Dies ist eine trotzige Verbeugung vor der jüdischen Identität und der Entscheidung der Juden, ihre eigenen Münzen zu prägen“, erklärte Yaniv David Levy, Numismatiker bei der israelischen Altertumsbehörde. „Fast 200 Jahre lang pilgerten die Juden zu Fuß und benutzten Silbermünzen, um eine Steuer zu bezahlen, die sogenannte Halbschekel-Steuer. Außerdem wurden diese Münzen für die Tempelsteuer und auch für die Binnenwirtschaft während des Aufstandes verwendet“. Auf den von den jüdischen Rebellen geprägten Münzen sind drei Granatäpfel abgebildet. Die andere Seite der Münze zeigt einen Kelch, wie ihn die Priester im Tempel benutzt haben könnten, die Worte „halber Schekel“ und den Buchstaben Aleph, der das erste Jahr des Aufstands gegen die Römer angibt.
Mehr über die Halbschekel-Münze

Der Auslöser für die erste und zweite Tempelzerstörung war immer der Bruderhass im Volk, der das Volk gespalten und damit den Feinden Israels das Leben leichter gemacht hat, bis hin zur Eroberung und Zerstörung Jerusalems. Vor etwa zwei Tagen traf sich die Hamas-Führung in Teheran mit dem Ayatollah-Regime und diskutierte die Frage, ob Israel jetzt angegriffen werden soll. Sie haben beschlossen, einen Angriff aufzuschieben, aus dem einfachen Grund, dass es noch zu früh sei und das Volk Israels sich sofort wieder vereinigen würde. Die Kluft im Volk muss noch tiefer werden, erst dann würde sich der Angriff lohnen.
Jeder weiß von der historischen Gefahr der Zerstörung und predigt gerne darüber. Heute begeht Israel den jüdischen Fasten- und Trauertag Tischa BeAv. Es ist der neunte Tag des jüdischen Monats Av, an dem die Juden der Zerstörung des Tempels in Jerusalem gedenken. Die Münze aus der Zeit der letzten Tempelzerstörung in Jerusalem soll uns eine Mahnung sein. Es ist notwendig, nicht nur Recht zu haben, sondern wirklich nach Gerechtigkeit zu streben. Die Medien in unserem Land sollten weniger Zwietracht säen und ihre Plattform für die Einheit des Volkes nutzen. Wenn wir nicht lernen, zusammenzuhalten, und wenn wir nicht aufhören, beim Nächsten nur das Negative zu suchen, dann haben wir nicht das Privileg, ein Licht der Nationen zu sein.





Lieber Aviel, Ihre große Traurigkeit ist zu spüren – ich empfinde sie auch und würde gerne guten Rat geben. Ist es nicht, wie auch in jedem kleinen Leben, der Familie, der Freunde und Gemeinden? Christen wissen um die Liebe Jesu und haben sie doch nur begrenzt zur Verfügung, streiten genauso wie Menschen ohne den Glauben, der uns doch verändern soll. Bis – ja, bis wir uns besinnen, in uns gehen mit Gebet und Bitte um ein sanfteres Herz, das liebevoller mit dem vermeintlichen Gegner umgehen möchte und doch von sich aus nicht kann.
Es braucht eine Weile, ehe man bereit und in der Lage ist, die eigene Sicht nicht
„einzubläuen“, sondern zwar dabei zu bleiben, aber respektvoll und demütig den anderen zu hören und ernstzunehmen. Auf Augenhöhe, ohne Gewalt.
Sie sprachen von König David, dem von Gott Geliebten. Ja, ein Mörder und vielfacher Sünder – aber er war immer bussfertig und damit vor dem Almächtigen gerecht. Seine Lieder, Gebete, Bitten und Lob des Herrn sind uns in den Psalmen noch heute Wegweisung, Hilfe und Trost und helfen uns den rechten Weg zu finden. Ich bin dem jüdischen Volk sehr dankbar, dass ich Anteil haben darf an dem Erlösungsweg und als „Heidenchrist“ nach ihnen in der zweiten Reihe stehen darf. Als Deutsche mit der Last der Schuld ihres Volkes. Da hoffe ich auch, dass ich Vergebung von euch Juden erfahren kann. Das müsste doch unter Euch Brüdern auch möglich sein. Ich bete aus ganzem Herzen, dass der Weg zu einem friedlichen Miteinander und Sicht auf Gemeinsames und nicht Trennendes bald das jüdische Volk eint. Schalom ist so nötig nach der ganzen entsetzlichen und doch herrlichen Historie des Gottesvolkes.
Die israelischen Bürger müssen lernen, sich wieder zu vertragen, nachdem sie von der Justizdiktatur befreit worden sind.
Ihr Lieben, ich stimme Eurem Gesagten zu. Nur bedenkt Eines bei all der Betroffenheit und dem Schmerz über die offen zu Tage getretene Zerrissenheit. Ist das aktuelle Geschehen nicht die Frucht der von Israel der von Samuel gewollten und verlangte Abwendung von Gott als Ihren König und den Heiden gleich sein zu wollen mit der Forderung nach einem König aus den Menschen als Anführer zum Ebenbild der Königsherrschertum der Heidenvölker begründet? Bei allem Verständnis über die Zustände in Israel, wundert es mich nicht. Tritt doch der tiefe Konflikt nun offen zu Tage. Wie auch in anderen Ländern Konflikte zu Tage treten. Nüchternheit tut Not.
Aviel, heute muss ich Dir widersprechen. Wie Du vielleicht gelesen hast, bin ich überzeugt, dass die Rechtsreform unbedingt notwendig ist. Was soll denn das für eine Rechtsprechung sein, die nicht einmal nach einem Gesetzbuch urteilt? Die Richter haben sich bisher angemaßt, über der Regierung zu stehen, die demokratisch gewählt ist und die Tora beachtet, was man von den Richtern oft nicht sagen kann.
Hast Du gelesen, was der Barak vorhatte? Der hätte Israel sogar ins Chaos stürzen wollen.
In meinen Augen sind die Protestierer keine Gläubigen Juden, sondern Aufrührer mit
falschen Hintergedanken, die Gott nicht achten. Ich habe auch gelesen, dass die Haredim in Bne Brak freundlich mit den Aufrührern umgegangen sind und manche gerührt haben.