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Tacheles mit Aviel – Unsere Auszeit vom Krieg

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. In diesen Tagen befinden wir uns in einer Auszeit. Geht der Krieg danach weiter? Werden wir die Bösen schlagen und vernichten? Gewinnen wir den Krieg oder stehen wir vor einer gefährlichen Kapitulation?

Kundgebung für die Freilassung der von Hamas-Terroristen im Gazastreifen entführten Israelis vor dem Hauptquartier des Verteidigungsministeriums in Tel Aviv, 29. April 2024. Foto: Itai Ron/Flash90

Der Krieg im Gazastreifen und im Norden Israels ist noch nicht zu Ende. Alles hängt von den Verhandlungen über einen möglichen Geiselaustausch ab. Man kann sagen, dass die große Mehrheit der Bevölkerung für die Freilassung der 133 verbliebenen Geiseln im Gazastreifen ist. Man ist sich jedoch uneinig darüber, welchen Preis Israel dafür zahlen muss. Wenn die Freilassung der Geiseln zum Ende des Krieges führt, dann ist ein Teil des Volkes, wie auch der Koalition, strikt dagegen. Das Gefühl sagt „Geiselaustausch jetzt“, der Kopf sagt „Rafah jetzt“. Es ist wirklich keine einfache Entscheidung. Aber inzwischen schwärmen die amerikanischen Vermittler von einem „großzügigen Vorschlag“, den Israel der Hamas gemacht habe. Eine solche Einschätzung macht uns alle stutzig. Warum verdient die Hamas etwas Großzügiges?

Einerseits wollen wir alle Geiseln wieder zu Hause sehen, andererseits besteht die reale Gefahr, dass Israel dafür auf die Vernichtung der Hamas verzichten muss. Ohne eine klare Niederlage im Krieg wird Israel seine Abschreckungsstrategie nicht zurückgewinnen. Das ist eine Tatsache, die Israel nicht einfach ignorieren kann. Ich will beides, aber die Frage ist, ob beides unter den politischen Umständen möglich ist. Die Regierung muss sich entscheiden, ob sie eine langfristige oder eine kurzfristige Lösung will. In der nächsten Ausgabe von Israel Heute werden wir über einen biblischen König schreiben, der von Gott eingesetzt wurde, um eine langfristige Lösung für sein Volk zu finden, und dabei sein Amt riskierte.

Seit 205 Tagen in der Gewalt der Hamas. Angehörige der israelischen Geiseln Omri Miran und Keith Sigal bei einer Pressekonferenz auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv, am 29. April 2024. Die Hamas hat vor einigen Tagen Videos von den beiden Geiseln veröffentlicht. 29. April 2024. Foto: Tomer Neuberg/Flash90

Die israelische Regierungskoalition steckt in einer Zwickmühle und muss sich, so wie es aussieht, zwischen einem Geiseldeal oder einer Bodenoffensive in Rafah entscheiden. Benjamin Netanjahus Regierung drängt in beide Richtungen, Bibi muss die richtige Entscheidung treffen. In beiden Fällen könnte die Koalition zerbrechen. Der Minister Benny Gantz stellt dem israelischen Ministerpräsidenten ebenso wie der rechte Finanzminister Bezalel Smotrich ein Ultimatum: „Die Rückkehr unserer Entführten ist wichtiger als der Einmarsch in Rafah. Dieser kann verschoben werden.“ Smotrich behauptet das Gegenteil und besteht auf dem Einmarsch in Rafah, andernfalls werde die Regierung stürzen. Theoretisch ist Bibis Situation wie ein Catch-22. In beiden Fällen fällt Bibis Regierung, es sei denn, es geschieht etwas Übernatürliches und Netanjahu stellt beide Verbündeten zufrieden.

Israelische Soldaten in der Nähe der israelischen Grenze zum Gazastreifen, im Süden Israels, am 4. März 2024. Foto von Jamal Awad/Flash90

Ich verstehe, dass Israel den Krieg um jeden Preis gewinnen muss. Außerdem hat die Regierung dem Volk feierlich versprochen, die Hamas zu vernichten. Aber die Hamas versteht nur Blut und noch mehr Macht, alles andere macht bei diesen Terroristen keinen Sinn. Hier im Land verstehen wir das, aber die Regierungen und Menschen im Westen verstehen das nicht. Sie sehen nur das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung, nicht aber die existenzielle Not Israels. Aus Mitleid mit den Palästinensern wird die Sicherheit Israels geopfert. Aus nationaler Sicht müssen wir den Krieg beenden, aus familiärer Sicht habe ich wieder wie jeder andere Vater Angst davor, denn meine Söhne werden in diesen Tagen wieder für den Mai in die Reserve einberufen. Das ist normal, und wenn wir wirklich in diesem Land leben wollen, bis der Messias kommt, dann müssen wir uns selbst Sicherheit garantieren können. Wenn nicht, werden wir den Messias in der Diaspora treffen?

Der amerikanische Außenminister Antony Blinken sagte gestern in Saudi-Arabien: „Der Hamas liegt ein Angebot vor, das außerordentlich großzügig ist, und die Hamas muss sich entscheiden, und zwar schnell“. Auch der britische Außenminister David Cameron bezeichnete den israelischen Vorschlag als großzügig. „Der Vorschlag beinhaltet eine anhaltende 40-tägige Waffenruhe und die Freilassung von möglicherweise Tausenden palästinensischen Gefangenen im Austausch für die Freilassung israelischer Geiseln“, sagte Cameron. Ich denke, es ist angemessen, dass die israelische Regierung die Details des „ großzügigen Vorschlags“ dem israelischen Volk offiziell vorstellt, bevor die Regierung zur nächsten Phase übergeht. Der „großzügige Vorschlag“ an die Hamas betrifft letztlich die Sicherheit, das Schicksal und die Zukunft aller Bürger des Staates Israel. Ich denke, dass jeder Bürger des Landes das Recht und die Pflicht hat, alle Einzelheiten des „großzügigen Vorschlags“ zu erfahren. Es geht hier wirklich um eine existenzielle Bedrohung. Ich kann mir vorstellen, dass die Bevölkerung in den nächsten Tagen auf Aufklärung drängen wird.

Gestern wurde zudem bekannt, dass mehrere europäische Mitgliedsstaaten den palästinensischen Staat bis Ende Mai anerkennen werden: Spanien, Irland, Malta und Slowenien. Dies gab der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Rande des Sondertreffens des Weltwirtschaftsforums in Riad bekannt. Israel habe den EU-Ländern erklärt, ein Palästinenserstaat jetzt sei ein Preis für den Terror, der Israels Chancen auf eine Verhandlungslösung schmälere.

Der Westen verliert die Geduld mit Israel und all seinen Konflikten. Und so vermarkten ausländische Vermittler den Terroristen einen „großzügigen Vorschlag“ von israelischer Seite und darüber hinaus spricht die EU von der Anerkennung eines palästinensischen Staates. Das ist nur dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober zu verdanken und nicht einer wirklichen Versöhnung zwischen den Völkern, die schließlich zusammenleben müssen. Natürlich ist das den westlichen Ländern egal, denn aus ihrer Sicht wollen sie nur eine industrielle Ruhe, die nichts bringt, nur eine Selbstbefriedigung. Israels Sicherheit und Abschreckungsstrategie stehen auf dem Spiel. Tausende Reservisten wurden für die Bodenoffensive in Rafah einberufen. Alles soll nach Plan verlaufen, aber alles hängt davon ab, ob die Hamas das großzügige Angebot Israels annimmt oder nicht.

Israelische Soldaten in einer Bereitschaftszone nahe der israelischen Grenze zum Gazastreifen am 26. April 2024. Foto: Tomer Neuberg/Flash90

Für jede freigelassene Geisel erhält die Hamas einen Tag der Waffenruhe, d.h. für 33 Geiseln erhält die Hamas 33 Tage Ruhe. Theoretisch und praktisch ist das nicht gut, und was noch schlimmer ist, während dieser Zeit wird man versuchen, Israel zu überreden, den Krieg zu beenden. Als Bonus wird Israel eine Normalisierung mit Saudi-Arabien und den Palästinensern ein palästinensischer Staat versprochen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Israel für einen Frieden mit dem wichtigsten arabischen Land, dem Königreich Saudi-Arabien, mit der palästinensischen Münze bezahlen muss. Das ist eine große Versuchung für Benjamin Netanjahu, denn in den letzten Jahren war es sein Traum und sein Wunsch, zum Abschluss seiner politischen Karriere diesen Friedensvertrag zu unterzeichnen. Politisch ist das fast unmöglich, aber Israel kann dafür politisch vergewaltigt werden. Aber es ist auch gut möglich, dass die Hamas das großzügige Angebot Israels ablehnt, und dann ist die Pause vorbei und der Krieg in Rafah beginnt. Das Gefühl als Vater eines Soldaten sagt „Geiselaustausch jetzt“, der Kopf, die reine Vernunft und Logik sagen „Rafah jetzt“.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Tacheles mit Aviel – Unsere Auszeit vom Krieg”

  1. Roland Kunz sagt:

    Lieber Aviel
    Deine Gedanken und der Zwiespalt, in dem du lebst, sind so gut nachzuvollziehen. Dass du trotz deiner Ängste und Gefühle als Vater von Reservesoldaten, dich schliesslich von der Logik her für „Rafah jetzt“ entscheidest, zeigt deine Grösse und macht deine Botschaft aus Jerusalem umso authentischer. Wir wollen weiterhin den Gott Israels bitten, dass er die politischen und militärischen Entscheidungsträger wie einst Salomo mit Weisheit ausrüstet, damit ihre Entscheidungen die bestmöglichen sind. Wer anders als der Gott der Bibel, der mit Israel einen ewigen Bund geschlossen hat, kann in dieser komplexen Realität richtig führen und notfalls übernatürlich eingreifen.

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