Selenskyj fordert Israel in seiner Rede an der Hebräischen Universität zur Hilfe für die Ukraine auf

„Sagen Sie mir, wie können Sie den Opfern einer solchen Aggression nicht helfen?“

von Israel Kasnett | | Themen: Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht am 2. März 2022. Quelle: Screenshot.

(JNS) Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich am vergangenen Donnerstag in einer live aus Kiew übertragenen Rede an die Hebräische Universität Jerusalem gewandt und seine Frustration darüber zum Ausdruck gebracht, dass Israel nicht mehr tut, um die Ukraine bei der Verteidigung gegen die russische Invasion zu unterstützen.

Die Rede wurde auf den Social-Media-Kanälen der Universität ausgestrahlt mit anschliessender kurzer Fragerunde mit Studenten und Mitarbeitern.

„Wenn der Krieg zu Ende ist, und ich glaube, das wird er,“ sagte Selenskyj “werden wir uns über viele weitere zukünftige Generationen in die Augen sehen können müssen. Aus diesem Grund wollte ich heute zu Ihnen, der heutigen Generation, sprechen“.

Selenskyj warf Israel mehrmals vor nicht mehr für die Ukraine zu tun. „Hier geht es um Werte“, betonte der ukrainische Präsident und setzte fort, „jeder, der versucht, ein anderes Land zu zerstören, muss zur Rechenschaft gezogen werden. Leider haben wir noch nicht erlebt, dass Israel sich den anderen Ländern anschließt, die Russland boykottieren“ und richtete sich eindringlich an das Publikum,

„sagen Sie mir, wie können Sie den Opfern einer solchen Aggression nicht helfen? Ich stelle diese Frage, weil ich weiß, dass Sie nicht gleichgültig sind. Sie machen sich Sorgen, wie Hunderte von Millionen Menschen auf der ganzen Welt“.

Siehe: Ukraine will Israels Iron Dome zum Schutz vor den Russen

Jewgen Kornijtschuk, ukrainischer Botschafter in Israel, wohnte Selenskyjs Rede bei und bat ebenfalls um mehr Hilfe aus Israel,

„Wir schätzen die Unterstützung, die wir von den Bürgern Israels erhalten haben, und bitten nun auch die israelische Regierung um Unterstützung. Bitte helfen Sie dem ukrainischen Volk in seiner Not.“

Der ukrainische Botschafter in Israel, Jewgen Kornijtschuk, hat den jüdischen Staat wiederholt gebeten, seinem Land im Kampf gegen Russland zu helfen. Foto: Avshalom Sassoni‎‏/Flash90

Israel hat ukrainischen Rettungskräften Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt und war das einzige Land, das in diesem Jahr ein Feldlazarett in der Ukraine betrieben hat, in dem rund 6.000 Patienten behandelt wurden. Darüber hinaus hat Israel Tausende von jüdischen und nichtjüdischen ukrainischen Flüchtlingen aufgenommen.

Auch die Regierung des scheidenden Premierministers Naftali Bennett hat den vertriebenen Ukrainern umfangreiche humanitäre Hilfe zukommen lassen, darunter medizinische Ausrüstung, Kleidung, Lebensmittel und andere Hilfsgüter.

Auf diplomatischer Ebene hat Israel seine Haltung geändert und bei den Vereinten Nationen für eine Verurteilung Russlands gestimmt, nachdem es dies zunächst nicht getan hatte. Die israelischen Streitkräfte (IDF)haben ebenfalls einen Beitrag geleistet und schickten Helme, Splitterschutzwesten und Schutzwesten in die Ukraine.

Während der Fragerunde nach Selenskyjs Rede fragten mehrere Studenten der Hebräischen Universität, was getan werden könne, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Nachrichten über den Krieg in der Ukraine zu lenken. Eine andere Studentin, die in der ukrainischen Stadt Charkiw geboren wurde, erzählte Selenskyj stolz, dass ihr Vater in der Ukraine gegen die Russen kämpft.

„Die ukrainischen Kämpfer und Zivilisten brauchen Medikamente, Trinkwasser und Treibstoff. Die Menschen vergessen, dass in der Ukraine ein Krieg herrscht“, bekräftigte Selenskyj, „egal, wo Sie sind, wo Sie studieren, Sie können den Kämpfenden helfen und führte aus „wir haben viele freiwillige Studenten, die online Spenden sammeln, um Lebensmittel und Medikamente in unsere angegriffenen Städte zu schicken. Wir haben auch freiwillige Studenten, die in den sozialen Medien schreiben, um sicherzustellen, dass die Welt den Krieg nicht vergisst, und um die Wahrheit in der Welt zu verbreiten.“

Israelis versammeln sich zur Unterstützung der Ukraine. Bild: Olivier Fitoussi/Flash90

Selenskyj, der Jude ist, sprach über seine und betonte die Verbindungen seines Landes zum jüdischen Volk: „Mein Büro befindet sich mitten im Zentrum von Kiew. In der Nähe befindet sich das Haus, in dem Golda Meir aufgewachsen ist. Nicht weit davon entfernt lebte Schalom Aleichem. Dies ist das Erbe der Ukraine. … Es sind nicht nur historische Tatsachen sondern vielmehr Menschen, die unsere Kulturen zusammengebracht haben.“

Selenskyj beklagte die Auswirkungen des Krieges auf die nationalen Denkmäler in der Ukraine, einschließlich des Denkmals in Babi Yar, das an die jüdischen Opfer des Holocausts erinnert.

„Die Russen schreckten selbst vor der Bombardierung von Babi Yar nicht zurück“, berichtet er, „wir alle erinnern uns an diese Stätten und schätzen sie. Das alles ist bedroht. Wie kann man Gedenkstätten in einem totalen Krieg erhalten?“

Siehe: Die Ukraine und der Holocaust

Selenskyj wies auf den Unterschied zwischen dem ruhigen und aufmerksamen Auditorium der Hebräischen Universität und dem derzeitigen Zustand an ukrainischen Universitäten hin.

„2.000 akademische Einrichtungen in der Ukraine sind zerstört worden“, beklagte er, „können Sie sich das vorstellen, wenn Sie in Ihrem schönen Hörsaal der Hebräischen Universität sitzen?“ und führte weiter aus „Woche für Woche versuchen die Russen, die Tatsache zu verbergen, dass sie tote ukrainische Zivilisten in nicht gekennzeichneten Gräbern begraben haben. Dabei töten, vergewaltigen und foltern sie unschuldige Zivilisten. … Nach unseren Schätzungen sind mehr als 12 Millionen Ukrainer vertrieben worden. Diese Zahlen haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen.“

In seinen Ausführungen sagte der Präsident der Hebräischen Universität, Prof. Asher Cohen, dass Selenskyjs Rede „eine nahtlose Fortsetzung unserer Politik ist, nicht gleichgültig zu bleiben, wenn unschuldige Menschen getötet, Familien zerstört und das Leben durch einen ungerechten und unnötigen Krieg zum Stillstand kommt.“

Cohen sagte, die Menschen könnten nicht „passiv bleiben“ und „wir müssen alles in unserer Macht liegende tun, um den Menschen in der Ukraine die Hand zu reichen und zu helfen.“

Im Hinblick auf die Zukunft zeigte sich Selenskyj optimistisch, was die Bewerbung der Ukraine um die Mitgliedschaft in der Europäischen Union betrifft.

„Wir bewegen uns auf eine neue Zukunft zu, näher an der europäischen Familie“, sagte er. „Bald werden wir Teil dieser Familie sein. Dies ist für unsere Kinder – ein europäischer Staat zu werden, der Teil der EU sein wird. Das wird uns einen starken Schutz bieten.“

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