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Schnee, Schnee, komm!

Schnee in Israel – ein seltenes Naturereignis, das die Stadt verzaubert, Freude schenkt und zugleich eine tiefere Bedeutung von Reinheit und Sühne in sich trägt.

Schnee
Blick auf den Schnee im Kibbuz Misgav Am, in den Golanhöhen, Nordisrael, 24. Februar 2025. In Jerusalem ist der Schnee dieses Mal leider nicht liegengeblieben. Foto: Ayal Margolin/Flash90

Beginnen wir damit, dass wir uns alle nach Schnee sehnen und auf sein Kommen warten. Schnee in Israel ist ein Fest, das wir in vollen Zügen feiern.

Doch das wahre Fest beginnt erst, wenn es in Jerusalem schneit. Dann strömen die Menschen auf die Straßen, um gemeinsam zu feiern. Man sucht sich ein Café, um mit den Kindern eine heiße Schokolade zu genießen, besucht einander, bereitet zu Hause ein Sahleb-Getränk zu und vergisst dabei nicht, Schneemänner zu bauen und diese mit einer Karottennase zu schmücken.

Am nächsten Tag präsentiert sich die Stadt in einem verwüsteten Zustand: Abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume säumen die Straßen, der Schnee hat sich in Matsch verwandelt, und überall sind Schäden zu erkennen.

Und dennoch bleibt unsere Sehnsucht nach Schnee ungebrochen.

Es zeigt sich, dass Schnee bereits in den alten Quellen erwähnt wird und für Reinheit sowie Sühne steht.

So heißt es im Buch Jesaja:

„Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee“ (Jesaja 1,18)

Das bedeutet, dass jene Sünden, die in scharlachroter Farbe erscheinen, in ein reines Weiß – so strahlend wie Schnee – verwandelt werden sollen.

Auch König David verkündet:

Entsündige mich mit Ysop, so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee!“ (Psalm 51,9)

Hier symbolisiert der Schnee ebenfalls die Reinigung und das Weißwerden der Seele.

Selbst Hiob schließt sich diesem Gedankengang an:

Wenn ich mich auch mit Schnee waschen würde und meine Hände mit Lauge reinigte…“ (Hiob 9,30)

So erweist sich der Schnee als ein Symbol für Reinheit und Sühne – denn er erscheint makellos weiß.

Doch in Wirklichkeit trägt er noch viel mehr in sich.

Schnee glättet und ebnet alles. Der Ort, an den er fällt, verändert sich augenblicklich vollkommen. Plötzlich gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Bürgersteig und Straße. Schrotthaufen verwandeln sich in schneeweiße Hügel, stachelige Büsche in sanfte, sahnige Wellen. Alles wird geglättet, alles ruht in tiefer Stille. Wer das Glück hat, den fallenden Schnee zu erleben, weiß: Schnee verkörpert Stille – kein Lärm, kein Sturm, kein Feuer, sondern eine zarte, fast sakrale Ruhe.

Und genau darin liegt das Geheimnis der Sühne.

Das Wort „Sühne“ (כפרה) leitet sich vom Verb „bedecken“ ab. So wird auch die Hülle der Bundeslade „Kaporet“ (כַּפֹּרֶת) genannt, und der Stoff „Kofer“ (כֹּפֶר) diente dem Überziehen und Bedecken – ganz so, wie Noah angewiesen wurde, die Arche zu umhüllen: „Und du sollst sie von innen und außen mit Pech überziehen.“

Der Schnee bedeckt alles. Und in seiner umfassenden Umhüllung sühnt er alles.

Man sagt, dass Verdrängen oder bloßes Zudecken nicht hilfreich sei, dass man graben, wühlen und in die Tiefe gehen müsse, um zu korrigieren. Doch das trifft nicht immer zu.

Der Schnee, der alles umhüllt, scheint zu sagen: Sieh, wie selbst deine graue Straße für einen Augenblick in einen Wolkenpalast verwandelt werden kann. Schnee verhüllt, verdrängt, verbirgt und umhüllt – und genau deshalb übt er Sühne aus. Das ist sein Geheimnis.

Der Tempel wurde auch „Libanon“ genannt – weil er die Sünden Israels „weiß“ machte (malbin auf Hebräisch). Daher besteht eine enge Verbindung zwischen dem Tempel und den Bergen des Libanon.

In den schneebedeckten Bergen des Libanon begann der Bau des Tempels. Von dort stammten die Bäume, und von dort kam der große Baumeister des Heiligtums: „Ein weiser Mann, der Einsicht hatte… der Sohn einer Frau von den Töchtern Dans, dessen Vater ein Mann aus Tyrus war.“

Die Schönheit des Schnees offenbart sich nicht nur in seinem Fall. Schnee verursacht keine Überschwemmungen wie der Regen, sondern sickert langsam, tropft wie eine sanfte Bewässerung und durchdringt den Boden bis in die tiefsten Schichten.

Israelischer Soldat im Schnee an der israelischen Grenze zum Libanon, am 24. Februar 2025. Foto: Ayal Margolin/Flash90

Schnee über meiner Stadt – er liegt da wie ein Tallit.

Seit Tagen verkündet der Wetterbericht, dass es in Jerusalem schneien wird. Wir bereiten uns darauf vor, mit Lebensmitteln und sogar speziellen Gerichten für den Schnee. Wir haben zusätzliche Heizungen im Haus installiert, lagern Batterien für den Fall eines Stromausfalls und so weiter.

Doch mit jedem vergehenden Tag entfernen wir uns weiter von dieser wunderbaren Vorhersage und erleben stattdessen nur Regen und Kälte.

Ich habe schon lange gesagt, dass man in diesem Land kaum vorhersagen kann, wie der Winter verlaufen wird. Der Sommer hingegen ist stets berechenbar: Es wird heiß, die Sonne wird scheinen – und darin liegt die Wahrheit.

Kurz bevor der Winter hier endet, bete ich noch und sehne mich nach jenem strahlenden, reinen Weiß, das uns reichlich bedecken wird.

 

Vor 10 Jahren, im Februar 2015, gab es Schnee in Jerusalem, wie man hier im Video sehen kann, zusammen mit dem Lied von Naomi Shemer „Scheleg al Iri“, Schnee auf meiner Stadt.

 

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Patrick Callahan

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