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Ryanair droht Israel den Rücken zu kehren

Kostenstreit am Ben-Gurion-Flughafen und politisches Klima setzen dem Markt zu.

Ryanair
Ein Flugzeug von Ryanair startet vom internationalen Flughafen Ben Gurion. 7. April 2025. Foto: Yossi Aloni/FLASH90

Irlands Billigfluggesellschaft Ryanair hat überraschend angekündigt, dass sie möglicherweise gar nicht mehr nach Israel zurückkehrt – selbst wenn sich die Lage nach dem Gaza-Krieg wieder beruhigen sollte. Konzernchef Michael O’Leary sprach in Dublin von erheblichen Hindernissen, die Israels Behörden der Airline in den Weg legten. „Es ist durchaus möglich, dass wir uns den Aufwand gar nicht mehr antun“, sagte er vor Journalisten. „Wir haben anderswo in Europa bessere Wachstumschancen.“

Streit um Terminal 1

Im Zentrum steht ein Streit über die Nutzung von Terminal 1 am Flughafen Ben-Gurion. Dieses Terminal war traditionell für Billigflieger vorgesehen und bot deutlich niedrigere Gebühren, wurde jedoch aus Sicherheitsgründen geschlossen. Ryanair drängt darauf, dauerhaft dorthin zurückzukehren, um die Betriebskosten zu senken. Die israelische Flughafenbehörde verweist bislang auf Sicherheitsauflagen und hält sich zurück. Schon im Januar hatte Ryanair angekündigt, dass eine Wiederaufnahme der Flüge frühestens Ende Oktober möglich sei. Mit der neuen Drohung ist aber selbst dieser Termin in Frage gestellt.

Ein Ausstieg der größten europäischen Billigairline hätte deutliche Folgen. Reisende hätten weniger Auswahl, die Ticketpreise würden steigen, und der ohnehin geschwächte Tourismussektor Israels würde zusätzlich belastet. Währenddessen sucht die Regierung nach Alternativen. Besonders im Gespräch ist ein Stützpunkt der ungarischen Gesellschaft Wizz Air in Tel Aviv, ein sogenannter Hub, von dem aus täglich zahlreiche Flüge nach Europa starten könnten. Doch gerade dieser Plan ist umstritten: Die israelischen Fluggesellschaften El Al, Arkia und Israir laufen Sturm gegen die Idee. Sie warnen vor Wettbewerbsverzerrungen, weil Wizz Air nicht denselben strengen Auflagen unterliege wie die einheimischen Anbieter, etwa bei Sicherheitsverpflichtungen oder staatlichen Genehmigungen. Außerdem befürchten sie, dass ein ausländischer Anbieter im Krisenfall nicht dieselbe Verantwortung übernehmen würde, etwa bei Evakuierungen oder Sonderflügen. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass Wizz Air durch einen Hub wertvolle Start- und Landezeiten am Ben-Gurion-Flughafen beanspruchen könnte – auf Kosten der israelischen Airlines.

Während Ryanair sich ganz aus Israel zurückziehen möchte, plant die ungarische Fluggesellschaft Wizz Air genau das Gegenteil. Foto: Moshe Shai/FLASH90.

Die Regierung hält dem entgegen, dass die Preise für Flüge von und nach Israel seit Jahren überhöht seien und der Markt dringend mehr Wettbewerb brauche. Für Befürworter wäre ein Wizz-Hub daher eine Chance, die Auswahl zu vergrößern und die Preise zu drücken. Doch die Bedenken aus der israelischen Luftfahrtbranche zeigen, dass die Debatte weit über ökonomische Fragen hinausgeht.

Mehr als nur ein Kostenstreit

Doch hinter der Drohung von Ryanair könnte mehr stecken als nur der Streit um Gebühren. Eine zusätzliche Dimension erhält der Fall durch die politische Haltung Irlands im Nahostkonflikt. Dublin verfolgt seit Jahren eine besonders kritische Linie gegenüber Israel, unterstützt offen die Zweistaatenlösung und hat ein Importverbot für Waren aus israelischen Siedlungen auf den Weg gebracht und im Mai 2024 Palästina offiziell als Staat anerkannt. Zwar betreffen solche Schritte offiziell keine Dienstleistungen wie Flugverbindungen, doch sie prägen das politische Klima. Es liegt nahe, dass auch dies ein Faktor sein könnte, warum Ryanair Israel als Markt zunehmend unattraktiv empfindet.

Am Ende geht es nicht nur um ökonomische Kalkulationen. In den Augen internationaler Unternehmen verliert Israel vor allem deshalb an Attraktivität, weil die Stimmung in Europa und weiten Teilen der Welt zunehmend gegen den jüdischen Staat gerichtet ist. Diese negative Atmosphäre wirkt auf Investitionsentscheidungen, selbst wenn es offiziell nur um Kosten oder Sicherheit geht. Ryanairs Drohung ist damit nicht nur ein Warnsignal für den Luftverkehr, sondern ein Spiegelbild der politischen Isolation, mit der Israel derzeit konfrontiert ist.

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Patrick Callahan

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