Bilder aus dem Gazastreifen zeigen Bewohner, die Schilder hochhalten, auf denen unter anderem steht: „Stoppt den Krieg“ und „Die Kinder Palästinas wollen leben“. Dennoch bleibt die Frage, ob die Proteste auch in anderen Gebieten wiederaufleben werden. Trotz des Aufflammens der Proteste in Beit Lahia war es in den letzten Tagen relativ ruhig und es ist unklar, in welche Richtung sich die Protestbewegung gegen die Hamas entwickeln wird.
Aber dann passierte ein Vorfall im Zentrum des Gazastreifens, der in bestimmter Weise auf eine Wende gegenüber Hamas deutet. Sogenannte Polizisten aus den Reihen der Hamas-Terroristen haben den jungen Abd al-Rahman Abu Samra (Foto) erschossen und getötet, als dieser in Deir al-Balah in einer Schlange stand, um Mehl zu kaufen.

Als Reaktion darauf nahmen Familienangehörige des Abu-Samra-Clans den Hamas-Polizisten fest, zogen ihn beiseite und erschossen ihn auf der Straße. Blutrache.
Dies ist zweifellos ein ungewöhnlicher Vorfall, bei dem ein Clan im Gazastreifen am helllichten Tag und mit offenen Gesichtern gegen die Hamas vorgeht.

Die Familie des Hamas-Polizisten Ibrahim, veröffentlichte eine Erklärung, in der sie seine Hinrichtung verurteilt. Sie erklärte, dass die Polizisten lediglich Warnschüsse in die Luft abgegeben hätten, im Rahmen ihres Dienstes, als sie einen Konvoi sicherten, wobei der Abd al-Rahman Abu Samra getötet worden. Die Familie des Hamas-Polizisten ruft alle Seiten zur Zurückhaltung auf, fordert jedoch Rache, dass die Verantwortlichen für seine Hinrichtung vor Gericht gestellt werden.
Hamas-Polizei reagiert mit eigener Erklärung auf die Hinrichtung des Polizisten in Deir al-Balah: „Wir untersuchen den Tod eines Polizisten während seines Dienstes, als er heute Mittag versuchte, einen Clankonflikt in Deir al-Balah zu schlichten. Die Polizei untersucht den Vorfall, um die Täter festzunehmen. Wir werden harte rechtliche Maßnahmen gegen die Verantwortlichen für dieses abscheuliche Verbrechen ergreifen“.
Es scheint ein neuer Wutausbruch im Gazastreifen auszubrechen, denn Israels massiver Druck auf Hamas drängt die Menschen im Gazastreifen in größerer Not. So zum Beispiel stürmten Palästinenser gestern ein Mehllager der UNO.
Angesichts der gewaltsamen Reaktion der Hamas auf die Demonstranten in den letzten Tagen ist es alles andere als sicher, dass die Proteste tatsächlich an Dynamik gewinnen, selbst wenn sie wiederaufleben. Noch dazu fehlt ihnen eine klare Führung. Da es keine politische Alternative zur Hamas gibt, ist es wahrscheinlich, dass der Einfluss dieser Proteste auf die Gesamtsituation im Gazastreifen und den Fortgang der Kämpfe vorerst begrenzt bleibt.




