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Neue Studie: Auswanderung aus Israel erreicht Rekordniveau

In den Jahren 2023 bis 2025 verließen insgesamt 268.509 Israelis das Land für mindestens drei Monate. Eine neue Studie der Universität Tel Aviv warnt vor den möglichen langfristigen Folgen eines anhaltenden Anstiegs der Auswanderung.

Passagiere im Abflugbereich des Ben-Gurion-Flughafens bei Tel Aviv, 26. Juli 2026. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Eine neue Studie eines Forscherteams der Universität Tel Aviv präsentiert besorgniserregende Daten über den Trend der Auswanderung aus Israel. Der Studie zufolge verließen im Jahr 2025 insgesamt 90.922 Israelis das Land für einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens drei Monaten. Diese Zahl entspricht nahezu derjenigen des Jahres 2024 (91.499) und liegt leicht über dem Wert von 2023 (86.509).

In den drei Jahren 2023 bis 2025 verließen damit insgesamt 268.509 israelische Staatsbürger Israel für mindestens drei aufeinanderfolgende Monate. Die Zahlen erreichen ein Rekordniveau im Vergleich zu früheren Jahren. Zum Vergleich: Im entsprechenden Zeitraum des vorherigen Jahrzehnts (2013 bis 2015) verließen lediglich 183.219 Israelis das Land für mindestens drei zusammenhängende Monate. Die Studie basiert auf einer Auswertung von Daten des israelischen Zentralamts für Statistik.

Die Untersuchung wurde von Prof. Itai Ater von der Coller School of Management und Leiter des Forums der Ökonomen für Demokratie, Prof. Netai Bergman, Leiter der School of Economics, sowie Doron Zamir, Doktorand an der Coller School of Management, erstellt. Alle drei Forscher gehören der Universität Tel Aviv an.

Das Forscherteam erklärt: „In unseren früheren Veröffentlichungen zur Auswanderung aus Israel (Februar 2026) nutzten wir den Indikator einer Ausreise von mindestens zwölf Monaten. Ein solcher Wert für das Jahr 2025 liegt derzeit noch nicht vor und wird erst Anfang 2027 verfügbar sein. Um die Auswanderungstrends jedoch bereits jetzt erkennen zu können und nicht bis 2027 warten zu müssen, präsentieren wir die Daten auf Grundlage eines Indikators, der Ausreisen aus Israel von mindestens drei Monaten erfasst.“

Nach Angaben der Forscher besteht zwischen beiden Datensätzen eine sehr hohe Korrelation. Mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,96 eigne sich der Drei-Monats-Indikator als zuverlässige Grundlage, um das Ausmaß der Auswanderung nach dem Zwölf-Monats-Kriterium abzuschätzen. Bleibt diese Korrelation auch 2025 bestehen, rechnen die Wissenschaftler damit, dass zwischen 45.000 und 50.000 Israelis das Land für mindestens zwölf Monate verlassen haben werden.

Zusammenfassend kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Auswanderungswelle, die 2023 begann, auch im Jahr 2025 anhält und sich auf Rekordniveau bewegt.

Prof. Ater ergänzt: „Auch im Jahr 2025 sehen wir sehr besorgniserregende Zahlen von Israelis, die das Land für einen längeren Zeitraum verlassen haben. Diese schließen sich der Auswanderungswelle der Jahre 2023 und 2024 an. Diese Daten stellen für sich genommen noch keine Gefahr für die Widerstandsfähigkeit Israels dar. Mit Blick auf die Zukunft – und sofern sich die Entwicklung nicht ändert – wächst jedoch die Sorge, dass die Auswanderung aus Israel weiter zunimmt und dadurch die Sicherheit sowie die israelische Wirtschaft gefährdet.“

Die Ergebnisse weisen auf einen deutlichen Anstieg der Zahl der Israelis hin, die das Land verlassen haben. Nach vielen Jahren relativer Stabilität in der Migrationsbilanz deuten die Daten auf ein Verlassen dieses Gleichgewichts hin. In den Jahren 2023 bis 2025 verließen nahezu 270.000 Israelis das Land – rund 90.000 pro Jahr. Im Vergleich dazu waren es zwischen 2010 und 2019 durchschnittlich etwa 60.000 pro Jahr.

In einem früheren Bericht hatten die Forscher bereits einen erheblichen und besorgniserregenden Anstieg bei der Auswanderung von Ärzten, promovierten Akademikern, Ingenieuren, Hochschulabsolventen und Personen mit hohen Einkommen festgestellt.

Das Thema Auswanderung ist zwar keineswegs auf Israel beschränkt. Auch Länder wie Griechenland, Ungarn, Venezuela, Argentinien, Südafrika oder der Libanon haben eine erhebliche Abwanderung leistungsstarker Bevölkerungsschichten erlebt.

Dennoch könnte die Auswanderung aus Israel nach Ansicht der Forscher schwerwiegendere Folgen haben als in anderen Staaten. Israels Wirtschaft verfügt nicht über große natürliche Ressourcen und stützt sich in hohem Maße auf qualifiziertes Humankapital, das vor allem in der Hightech-Industrie und anderen wissensintensiven Bereichen konzentriert ist. In zentralen Wirtschaftssektoren wie der Hightech-Branche – einem bedeutenden Wachstumsmotor –, im Gesundheitswesen oder in der wissenschaftlichen Forschung hängt der Erfolg oft von einer vergleichsweise kleinen Zahl besonders wichtiger Fachkräfte ab. Deren Abwanderung aus Israel würde diese Branchen schwer treffen und eine Gefahr für die gesamte israelische Wirtschaft und Gesellschaft darstellen.

Die Forscher betonen jedoch ausdrücklich: Obwohl der Anstieg der Auswanderung aus Israel erheblich und besorgniserregend sei, stelle die derzeitige Zahl der Auswanderer noch keine Bedrohung für die israelische Wirtschaft dar. Die eigentliche Gefahr liege darin, dass das bisherige Gleichgewicht verloren gegangen sei und die Zahl der Auswanderer weiter ansteigen könnte, anstatt auf dem heutigen Niveau zu bleiben.

Weitere negative Erschütterungen – politischer, wirtschaftlicher oder sicherheitspolitischer Art – könnten Rückkopplungseffekte auslösen, die zu einem plötzlichen und starken Anstieg der Auswanderung führen. Jeder weitere Auswanderer erhöhe dabei den Anreiz für andere, ebenfalls das Land zu verlassen. Sobald die Auswanderungszahlen einen bestimmten Schwellenwert überschreiten, werde eine Umkehr dieses Trends äußerst schwierig, möglicherweise sogar unmöglich sein – mit schwerwiegenden makroökonomischen Folgen.

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Patrick Callahan

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