Der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah (64), brüstete sich damit, die israelische Gesellschaft und die politischen Machtverhältnisse in Israel gut zu kennen und die israelischen Medien und die Stimmung im Land aufmerksam zu verfolgen. Er sagte sogar vor laufender Kamera, dass die israelische Gesellschaft sich selbst zerstöre und Israel keine 80 Jahre überleben werde. „Das weiß ich nicht von den Journalisten in Israel, sondern von den Frauen im Land“, sagte er dazu. Doch seit Beginn des Krieges am 7. Oktober hat er strategische Fehler und gravierende Fehleinschätzungen gegenüber Israel begangen. Der Grund: Nasrallah war süchtig nach Israel. Er hat immer die israelischen Medien verfolgt, um etwas über die israelische Gesellschaft zu lernen, aber das hat ihn letztendlich verführt und zu falschen Entscheidungen geführt. Seine beiden größten Fehler gegenüber Israel waren, dass er Israel zweimal wegen des Gazastreifens angegriffen und damit den Libanon in die Hölle gezogen hat. Einmal am 12. Juli 2006 und dann am 8. Oktober 2023. Der Hamas zu helfen, Israel zu zerstören, wurde zum Fluch für die Hisbollah, für Hassan Nasrallah und für den Libanon. Alles begann mit seinem Hochmut, denn er glaubte wirklich, Israel zu einer Periode der modernen Geschichte machen zu können. 32 Jahre herrschte Nasrallah als Führer der Hisbollah im Libanon. Hier einige seiner taktischen Fehler:
- Er glaubte tatsächlich, dass die „zionistische Entität“ bald verschwinden wird.
- Am ersten Kriegstag, dem 7. Oktober, befahl er der an der Grenze zu Israel stationierten Elite der Terrormiliz Radwan nicht, in den Norden Israels einzudringen und Galiläa zu erobern – parallel zum Angriff der Hamas-Terroristen im Süden Israels um den Gazastreifen. Diese Einheiten waren jahrelang für diese Mission trainiert worden und bereit, auf Befehl in Israel einzumarschieren. Damit verpasste Nasrallah eine goldene Gelegenheit, einen großen Sieg gegen Israel zu erringen. An der Grenze zum Libanon waren nicht genügend israelische Truppen stationiert und er hätte relativ leicht den Norden Israels erobern können. Libanesischen Quellen zufolge wurde Nasrallah von Yahya Sinwar nicht über den Zeitpunkt der Hamas-Invasion informiert. Er kannte die allgemeinen Absichten der Hamas, aber nicht den genauen Zeitpunkt der „Operation Al-Aqsa-Flut“. Als er sich von dem Schock erholte, hatte die israelische Armee bereits große Truppenverbände an der Grenze stationiert, das Überraschungsmoment war dahin und die Hisbollah hatte ihre Chance verpasst.
- Nasrallah hatte aus dem Zweiten Libanonkrieg 2006 keine Lehren gezogen und das libanesische Volk erneut in ein gefährliches Abenteuer gestürzt, nur um Irans Agenda in der Region zu unterstützen. Damals gab er öffentlich zu, einen Fehler begangen zu haben, als er den Libanon in einen Krieg mit Israel verwickelte. Auslöser war vor 18 Jahren die Entführung zweier israelischer Soldaten in Gaza, darunter Gilad Shalit, für die Benjamin Netanjahu im Jahr 2011 mehr als 1.000 palästinensische Terroristen aus israelischen Gefängnissen entließ, unter ihnen auch Yahya Sinwar. Nasrallah verknüpfte das Schicksal des Libanon mit dem des Gazastreifens, was ihm sowohl im Libanon als auch in der schiitischen Gemeinschaft, aus der die Hisbollah hervorgegangen ist, heftige Kritik einbrachte. Die Folge waren Zerstörung und Verwüstung im Südlibanon, Hunderte von Toten unter der Zivilbevölkerung und etwa eine halbe Million Vertriebene, die nach Beirut und in andere Teile des Libanon fliehen mussten.
- Nasrallah hat die nationale Widerstandskraft Israels falsch eingeschätzt. Er war davon überzeugt, dass Israel nur in der Lage sei, kurze Kriege zu führen, nicht aber einen langen Zermürbungskrieg im Gazastreifen, der bis heute andauert. Nasrallah ging fälschlicherweise davon aus, dass die internationale Gemeinschaft harte Sanktionen gegen Israel verhängen und es zwingen würde, den Krieg zu beenden. Er war auch davon überzeugt, dass das Thema der israelischen Geiseln die politische Führung Israels in die Knie zwingen würde, um die Forderungen der Hamas zu erfüllen. Damit hat er das Verhalten des israelischen Regierungschefs Netanjahu falsch interpretiert. Netanjahu hat erkannt, dass er diesen Fehler nicht wiederholen darf, auch wenn die Geiseln den Preis dafür zahlen.
- Nasrallah hatte auch die Stärke der israelischen Luftwaffe und des Geheimdienstes falsch eingeschätzt. Die israelische Armee hatte den Krieg an der Nordfront gründlich vorbereitet, eine umfangreiche und präzise Liste von Zielen erstellt, die von der Luftwaffe perfekt zerstört wurden.
Tacheles: Nasrallah hat nicht verstanden, dass Israel in der Region um seine Existenz kämpft und die entschlossenen israelischen Bürger nicht die Absicht haben, das Land zu verlassen. Seine Fehler haben die Hisbollah und das libanesische Volk teuer zu stehen kommen lassen. Sein Image als kluger und erfolgreicher Terrorführer hat schwer gelitten. In letzter Zeit wurde er im Libanon und in der arabischen Welt als gescheiterter, lügender und besiegter Führer gesehen, der die iranische Agenda in der Region unterstützt und nicht, wie er all die Jahre behauptet hat, als jemand, der den Libanon verteidigt. Der Tod von Hassan Nasrallah stärkt die sunnitisch-arabische Achse im Nahen Osten und das muss Israel jetzt ausnutzen.




