Mit Lenny unterwegs in Bethlehem

Ein Besuch bei Lenny Wolfe, ein guter Freund von mir und anerkannter Antiquitätenhändler.

von Aviel Schneider | | Themen: Guten Morgen
Bethlehem vom höchsten Punkt irgendwo auf dem Everest.

Guten Morgen, liebe Leser!

Mitten während der Arbeit in der Redaktion ruft mich Lenny Wolfe an. Ich soll doch schnell mal bei ihm vorbeikommen. Warum nicht, denke ich. Es sind nur 15 Minuten vom Stadtzentrum aus bis nach Musrara gleich hinter der Prophetenstraße.

In seinem arabischen Haus brüht mir der schottische Jude zur Begrüßung einen arabischen Kaffee. Diesmal hat er ihn mir verbrannt, aber egal. „Hör zu“, sagt er mir, „wir können so nicht weiter machen.“ Es sei schlichtweg unmöglich, für jede antike Münze oder Öllampe aus der Zeit Jesu eine Genehmigung zu erhalten.

„Bei der israelischen Altertumsbehörde und dem Staat Israel ist alles so kompliziert, wir verschwenden Stunden am Telefon und Computer, um die Genehmigungen für deine Kunden zu erhalten“, murrt Wolfe, jedoch mit einem Lächeln.

„Aber das sind unsere Kunden wert, Lenny“, ist meine Reaktion. „Ich weiß, aber dennoch. Wir müssen einen Weg finden, um das alles leichter umzusetzen. Das sind Souvenirs aus der Geschichte Israels, die wirklich nicht teuer sind“, erklärt der Archäologe.

Und damit hat er Recht, heutzutage stammen fast alle herkömmlichen Souvenirs in den Basaren aus dem Ausland – Made in China. Echte und erlesene Münzen oder Öllampen sind alle Made in Israel und haben Tausende Jahre überlebt. Ein Preislevel von 100 bis 400 Euro ist für diese antiken Souvenirs wirklich angemessen.

Lennys Telefon klingelt. Er spricht Arabisch.

„Hör zu, ich muss nach Bethlehem fahren, ein arabischer Antikenhändler will mir Münzen zeigen. Willst du mitkommen?“

Ich habe genau drei Stunden Zeit und entscheide mich spontan, mit Lenny mitzufahren. Über eine Nebenstraße bei Beit Jalla geht es im Taxi hinein nach Bethlehem.

Wir sitzen an einem Tisch in einem Garten mit einer wunderschönen Aussicht auf die Geburtsstadt Jesu. Wo genau wir uns gerade aufhalten, weiß ich nicht. Der Araber hat eben vier Münzen aus seiner Tasche gekramt. Lenny checkt die Münzen und sagt, die kleine sei gefälscht und die anderen drei echt. Wobei es sich bei ersterer um eine gefälschte Münze aus der Zeit vor 2000 Jahren handelt. Schon damals haben Menschen Geld gefälscht.

Nun wird gefeilscht, auf Hebräisch und Arabisch. Lenny bietet bis 900 Dollar an. Der Araber greift zum Telefon. Es stellt sich heraus, dass er nicht der Antikenhändler ist, sondern nur ein Mittelsmann. Der arabische Antikenhändler am Telefon bestimmt jetzt die Verhandlungen.

Lenny ist bereit, die Münzen erst einmal in einem Zeitraum von drei Tagen genauestens zu überprüfen. Es besteht Vertrauen. Dann mischt sich plötzlich ein weiterer arabischer Gesprächspartner ein und besteht auf 8000 Dollar. Das Geschäft platzt. Der Treffpunkt muss geheim gehalten werden, Fotos dürfen nicht veröffentlich werden. Auch nicht die Namen der arabischen Kollegen.

Ich frage den Araber, wo er herkomme. Aus El Chader, antwortet er, westlich von Bethlehem. Aber er habe noch ein zweites Haus in Teqoa, was südlich von Bethlehem liegt, in der Nähe des Herodions. „Aha“, antworte ich. „Du hast also zwei Frauen, eine lebt in El Chader und die andere in Teqoa.“ „Stimmt“, bestätigt er mir lachend. „Eine Woche verbringe ich Teqoa und die andere Woche in El Chader. Jede Woche übernachte ich bei einer anderen Frau.“

Als wir uns verabschieden, frage ich ihn, wo er in dieser Woche schläft? „Bei meiner Frau und den Kindern in Teqoa. Nächste Woche bin ich wieder in Bethlehem.“

Der Orient ist eine fremde Welt für die Menschen im Westen. Zwei oder drei oder gar vier Ehefrauen passt nicht in die westliche Denkweise. Ich kenne etliche Araber im Land und im Sinai, die mehrere Frauen haben. Und eines weiß ich, die Frauen haben es nicht leicht. Oft herrscht Neid und Missgunst zwischen den Frauen.

Doch zurück zu den Münzen. Lenny ist weder enttäuscht noch traurig. „Die werden schon wieder auf mich zurückkommen“, weiß er aus Erfahrung. „Die kennen mich und wissen, dass ich ein ehrlicher Mensch bin. Für 8000 Dollar werden sie die Münzen nicht verkaufen. Aber sie versuchen es immer wieder. Das ist der Orient. Die Levante. Und ich bin nun mal in erster Linie ein Schotte.“

 


 

Das Wetter für heute in Israel

Nach Auflösung der Wolken an Vormittag wird es einen klaren Himmel geben, mit kaum veränderten sommerlichen Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 30  Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 27  Grad, Tiberias am See Genezareth 36  Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -209.36 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 0,56 Meter bis zur obersten Grenze!

Die Redaktion von Israel Heute wünscht ihnen einen wunderbaren Mittwoch. Machen Sie es gut!

 

Schalom aus Jerusalem!

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