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Matti Caspi – der Musiker, der Israel begleitet hat

Israel hat heute einen Musiker verloren, dessen Lieder mich über viele Jahre begleitet haben – im Studium, im Berufsleben, im Alltag.

Der israelische Musiker Matti Caspi bei einem Auftritt in Gush Etzion am 10. Dezember 2015. Foto: Gershon Elinson/Flash 90

Matti Caspi ist im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben, die er im vergangenen Jahr öffentlich gemacht hatte. Für Leser außerhalb Israels ist dieser Name möglicherweise kein Begriff. In Israel hingegen war Matti Caspi allgegenwärtig. Seine Musik lief im Radio, in Autos, in Kindergärten, bei Familienfeiern und im Fernsehen. Man hörte sie oft, ohne bewusst wahrzunehmen, wer sie geschrieben hatte. Gerade das war Teil seiner Bedeutung: Er war überall – und doch nie aufdringlich.

Ich selbst bin seiner Musik schon früh begegnet. Während meiner Zeit als Student an der Jerusalemer Musikakademie gehörten seine Lieder ganz selbstverständlich zum Klangraum des Alltags. Später, während meiner Arbeit beim israelischen Fernsehen, arbeitete ich immer wieder mit seiner Musik. Sie begleitete Bilder, schuf Stimmungen, trug Übergänge. Einmal war ich sogar an der Aufbereitung einer alten Fernsehaufnahme beteiligt, die für eine Sammlung seiner Lieder verwendet wurde. Auch da wurde mir wieder bewusst, wie tief seine Musik im kulturellen Archiv dieses Landes verankert ist.

Geboren 1949, gehörte Matti Caspi zu jener Generation von Musikern, die in den 1970er-Jahren den Sound Israels neu prägten. Wie viele Künstler seiner Zeit begann auch sein Weg in militärischen Musikensembles und führte von dort in Studios, Konzertsäle und den Rundfunk. Früh wurde deutlich, dass er nicht nur als Interpret, sondern vor allem als Komponist und Arrangeur eine besondere Handschrift besaß – eine, die eingängige Melodien mit musikalischer Tiefe verband und weit über einzelne Lieder hinauswirkte.

Matti Caspi war nicht nur Sänger. Er war vor allem Komponist, Arrangeur und musikalischer Gestalter. Er schrieb und formte Hunderte von Liedern – für sich selbst und für andere. Seine Musik verband eingängige Melodien mit komplexer Harmonik, Pop mit Jazz, Leichtigkeit mit musikalischer Tiefe. Das machte ihn für Musiker besonders interessant und zugleich für ein breites Publikum zugänglich.

Besonders deutlich wird das an seiner Zusammenarbeit mit Riki Gal. Viele ihrer bekanntesten Lieder stammen aus seiner Feder. Für mehrere ihrer Alben schrieb, arrangierte und produzierte er nahezu das gesamte Material. Wer ihre Stimme kennt, kennt damit auch seine musikalische Handschrift – selbst wenn sein Name dabei oft im Hintergrund blieb.

Caspi gehörte zu jener Generation, die man heute als das klassische Fundament der israelischen Musik bezeichnen kann. Namen wie Arik Einstein, Shlomo Gronich, Yehudit Ravitz oder Shalom Hanoch stehen für eine Zeit, in der israelische Popmusik ihre eigene Sprache fand: verwurzelt im Land, offen für Einflüsse, anspruchsvoll und dennoch volksnah. Matti Caspi war einer der stillen Motoren dieser Entwicklung. Nicht immer im Rampenlicht, aber oft entscheidend für das, was man hörte.

Eine besondere Rolle spielten auch seine Kinderlieder. Kaum ein israelisches Kind ist aufgewachsen, ohne zumindest eines seiner Lieder zu kennen. Das erklärt vielleicht besser als jede Statistik, warum man sagt, seine Musik sei „in jedem Haus“ gewesen. Sie begleitete Menschen von früher Kindheit an – und blieb oft ein Leben lang präsent.

Matti Caspi hat Israel nicht nur vertont, er hat es mitgeprägt. Seine Musik war Teil des Alltags, Teil der Erinnerung, Teil der emotionalen Landschaft dieses Landes. Mit seinem Tod verliert Israel keinen Star im klassischen Sinn, sondern einen musikalischen Begleiter – jemanden, dessen Melodien weiterleben werden, auch wenn viele ihren Ursprung vielleicht nicht mehr benennen können.

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Patrick Callahan

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