Die Feierlichkeiten zum Gedenktag haben begonnen! Nicht einen Augenblick haben wir aufgehört, uns zu erinnern und zu weinen, und im letzten Jahr noch mehr, denn der Tod umgibt uns und der Schmerz nimmt kein Ende. Die Erinnerung brennt und ist tief in uns.
Wie jedes Jahr beginnen mit dem Ende des Pessachfestes in Israel zwei sehr wichtige Wochen. Zunächst begehen wir den Holocaust-Gedenktag und eine Woche später den Gedenktag für die gefallenen Soldaten und die Opfer des Terrors. Und einen Tag nach dieser unvorstellbaren Trauer feiern wir den Unabhängigkeitstag. Einerseits eine unlogische Verbindung, andererseits eine sehr logische. Die Zahl der Toten und der trauernden Familien ist so groß, dass es notwendig ist, ein Höchstmaß an Rücksicht und Respekt zu zeigen.
Ich glaube, es gibt nicht ein Haus in Israel, das nicht jemanden kennt, dem seit dem 7. Oktober etwas zugestoßen ist.
Über WhatsApp wurde uns mitgeteilt, dass die Schwestern des gefallenen Soldaten Dekel Swissa in Zusammenarbeit mit dem Rat von Mate Yehuda einen Abend zum Gedenken an Dekel an einem der schönsten Orte Israels in der Nähe des Moshav Bar Giora, genannt „Bar Bahar“, organisieren werden. Dort lebte und wuchs Dekel auf. Ich meldete Aviel und mich für diesen Abend an.

Foto: Anat Schneider
Am Tag der Veranstaltung erhielten wir eine Erinnerungsnachricht, dass dieser Abend für die Jugend von Mate Yehuda bestimmt war. Das hatte ich bei der Anmeldung übersehen, aber ich glaube, dass es keine Zufälle gibt und wenn man sich angemeldet hat, sollte man auch mit dabei sein.
Mein Herz ist seit 7 Monaten bei dieser Familie.
Am Eingang fragten wir, ob wir an der Veranstaltung teilnehmen könnten. Wir wurden mit Freude empfangen. Dann wurden wir mit Traurigkeit erfüllt. Für uns war es so wichtig, die anderen Seiten von Dekel zu sehen und zu hören, die Seiten, von denen wir weniger wussten.
Die Schwestern Lital und Noi sprachen über Dekel, projizierten Bilder aus seinem Leben und wichtige Geschichten aus seinem noch so jungen Leben auf die Leinwand. Wir sahen, wie viel ein 23-Jähriger in seinem Leben erreicht hat. Unglaublich. Jeder erzählte von seiner letzten Erinnerung und wie diese Erinnerung heute eine andere Bedeutung bekommt.

Noi erzählte zum Beispiel, dass nur die Brüder (4 Brüder) WhatsApp haben und am Vorabend von Simchat Tora, als Dekel noch in der Armee war, er eine Nachricht an die Gruppe der Brüder schickte und fragte: „Bereitet ihr euch auf den Feiertag vor?“ Sie projizierten die Nachricht und Noi erzählte und zeigte sogar auf der Leinwand, dass keiner der Brüder auf die Nachricht antwortete.
Ich war erschrocken, dass niemand geantwortet hatte. Später am Abend des Feiertages erzählte sie, dass sie mit ihm über einen Videoanruf gesprochen hatten, und Noi beschloss, während des Gesprächs ein Foto von ihm zu machen, was sie sonst nie während eines Videoanrufs macht. Aber eine Stimme in ihr sagte ihr, sie solle Dekel fotografieren.
Und dann fügte Noy die ganze Geschichte zusammen, die sie erzählte, und sagte, dass sie jetzt, im Nachhinein, den ganzen Ablauf der Ereignisse versteht.
„Die Tatsache, dass wir ihm nicht auf WhatsApp geantwortet haben, und die Tatsache, dass ich ein Foto von ihm gemacht habe, haben im Nachhinein eine andere Bedeutung bekommen.“
Und sie erklärte:
„Wir haben ihm nicht geantwortet, weil wir uns auf die Feiertage vorbereiteten, aber heute wissen wir, dass es keine Feiertage gab und dass es nichts gab, worauf wir uns vorbereiten konnten. Und das Foto, das ich machte, machte ich, weil ich wusste, dass ich von nun an ein Foto von Dekel haben musste.“
Etwas in ihr wusste, dass sie ein letztes Bild von Dekel brauchte.
Es blieb kein Auge trocken. Normalerweise kommen uns die Tränen sehr schnell. Es braucht nicht viel und ich weine, wir weinen. Lital, die älteste Schwester, beendete den Abend mit einem Lied aus dem Buch der Psalmen, Vers 13-14:
„Wer ist der Mann, der Leben begehrt, der sich Tage wünscht, an denen er Gutes schaut? Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht betrügen“.
Im Laufe des Abends erinnerten uns die anderen an das Motto, nach dem Dekel lebte und das sie jetzt überall verbreiten:
„Vergesst nicht zu lächeln, wenn ihr aufwacht“.
Dank dieses optimistischen Spruchs, der uns Dekel als Zeugnis hinterließ, ist es vielleicht möglich, von diesem schweren Gedenktag zum Unabhängigkeitstag überzugehen.





Ja, Gott ist so gut zu uns und schenkt uns solche wertvollen Augenblicke wo uns später bewusst wird was da eigentlich passiert. Solchen Intuitionen zu folgen gibt uns Zuversicht das wir im Nachhinein etwas sehr Wertfolles bekommen haben. Eine liebe Erinnerung. Ich durfte soetwas schon mehrmals erfahren. Gott segne und bewahre Euch in Allem. Herzlichst Beate.
DANKE von Herzen liebe Schneiders
Ihr nehmt uns immer wieder mit hinein in das Leben Israels u lässt uns Anteil nehmen. Ludwig, euer Vater/Schwiegervater hat ein gewaltiges Erbe hinterlassen durch seine Kinder – was für ein Unterschied macht es, eure Informationen weiterverbreiten zu können!! 🫶🏼