Der Kibbutz Be’eri liegt rund acht Kilometer vom Gazastreifen entfernt und gehört zu den am schwersten getroffenen Gemeinden des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023. Bei dem Massaker wurden 101 Zivilisten und 31 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet, 32 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt. Fast zehn Prozent der damaligen Kibbutz-Bevölkerung kamen ums Leben oder wurden entführt.
Ein Haus als bewusstes Zeichen des Gedenkens
Nach monatelangen Diskussionen stimmten die Mitglieder des Kibbutz darüber ab, wie mit den zerstörten Häusern umgegangen werden soll. Die Mehrheit sprach sich dafür aus, alle beschädigten Gebäude abzureißen, um den Wiederaufbau nicht zu blockieren. Eine Ausnahme bildet ein einzelnes Haus am Rand des Kibbutz, das bewusst als Mahnmal erhalten bleiben soll.
Das Haus gehörte einer Familie, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Ausland befand und daher nicht persönlich betroffen war. Der Eigentümer erklärte, er habe ursprünglich dafür plädiert, alle zerstörten Gebäude zu entfernen, um den Ort nicht zu einem Symboltourismus-Ziel werden zu lassen. Sein Fokus liege darauf, der ermordeten Menschen zu gedenken, nicht den Gebäuden selbst.
Trotz dieser Haltung stimmte die Familie schließlich zu, das Haus als Erinnerungsort zu bewahren, nachdem deutlich wurde, dass viele Bewohner ein sichtbares Zeichen des Geschehens behalten wollten.
Abriss, Wiederaufbau und Blick nach vorn
Alle anderen zerstörten Häuser im Kibbutz sollen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Für viele Bewohner ist dies ein notwendiger Schritt, um wieder ein normales Leben aufzubauen. Der Wiederaufbau soll es den Familien ermöglichen, langfristig nach Be’eri zurückzukehren, auch wenn der Prozess emotional belastend bleibt.
Das erhaltene Haus soll zunächst für mindestens fünf Jahre stehen bleiben. In einem späteren Schritt wird geprüft, ob es Teil eines zentralen Gedenkorts oder eines Museums werden kann, das die Ereignisse des 7. Oktober dokumentiert. Staatliche Stellen prüfen zudem, ob einzelne Orte in Be’eri als nationale Gedenkstätten anerkannt werden.
Parallel dazu laufen im Kibbutz umfangreiche Planungen für neue Wohnhäuser und Gemeinschaftseinrichtungen. Viele ehemalige Bewohner leben derzeit noch in Übergangslösungen. Die Entscheidung, nur ein einziges Haus als Mahnmal zu erhalten, soll es ermöglichen, Erinnerung und Neubeginn miteinander zu verbinden.
Siehe auch: Bundespräsident Steinmeier besucht mit Herzog den Kibbutz Be’eri




